Opening im Utopia Kiosk: „Wir wollen provozieren“ – FETT-Ausstellung ist eröffnet

Anna Cornelius (30), Maya Dempf (24) und Corinna Schneider (30) wollen mit ihrer Ausstellung gegen Diskriminierung ankämpfen.
Sandra BelschnerDer Titel ist schlicht und provokant: „Fett.“ „Den Punkt soll man ruhig mitsprechen“, erzählt Maya Dempf, eine der drei Veranstalter:innen der gleichnamigen Ausstellung, die bis Ende Dezember im Utopia-Kiosk zu sehen sein wird. Dort war es bei der Ausstellungseröffnung am Samstagabend brechend voll. Corinna Schneider (30), Anna Cornelius (30) und Maya Dempf (24), die gemeinsam zwei Jahre an der Ausstellung gearbeitet haben, können kaum glauben, dass so viele Besucher:innen gekommen sind. Wir haben natürlich vorbeigeschaut. Die Eindrücke seht ihr im Video.
Bis zum 20.12. zeigen die drei Stuttgarter Künstler:innen Fotos, Poster, Installationen über Körper, Kämpfe – und gegen Stigma.
„Wir wollen provozieren, um Augen zu öffnen“, sagt Dempf, die sich auch selbst als dick bezeichnet. „Das Wort ‚fett‘ ist ja schon an sich eine Beleidigung“, erzählt sie, und genau deshalb hätten sie es gewählt. Besucher:innen der Ausstellung sollen vor allem reflektieren und für eine ernste Thematik sensibilisiert werden – Gewichtsdiskriminierung und Fettfeindlichkeit.
Betroffene aus ganz Deutschland teilen ihre Erfahrungen
„Man sucht sich nicht aus, in welchem Körper man lebt“, sagt Dempf, „aber Beleidigungen und Diskriminierungen sind für Menschen mit Übergewicht leider Alltag“.
Mit einem Fragebogen haben sich die Künstler:innen bundesweit an Betroffene gewandt, und tragen die Antworten jetzt zusammen. Hinzu kommen Foto- und Videoarbeiten aus diversen Gesprächen. Maya Dempf sagt, dass es ihnen wichtig war, anzusprechen, worüber so viele Menschen schweigen. „Die Scham ist oft viel zu groß“, sagt sie. Daher sei es ihnen wichtig, zu zeigen, dass Übergewicht und damit zusammenhängende Beleidigungen jeden einzelnen Abschnitt des Lebens beeinflussen können. Besucher:innen sollen mit unterschiedlichen Diskriminierungsformen konfrontiert werden, die Menschen mit Übergewicht erfahren. Allerdings wollen die Künstler:innen auch nichts vorkauen: „Wir wollen keine Bildungsarbeit leisten, sondern die Dinge so zeigen, wie sie sind.“ Am besten wäre es, wenn die Leute zwischen den Zeilen lesen.
Sie wollen mehr als Bodyshaming anzuprangern
Auch auf Instagram teilen die drei sehr persönliche Aussagen, die sie als Antworten auf ihren Fragebogen bekommen haben. Die Vielfältigkeit der Erfahrungen sei enorm, erzählt Dempf und die achtsame Rezeption der Künstler:innen lässt eine ganz offene Diskussion zu: „Was würdest du machen, wenn du einen Tag schlank sein könntest?“ - „Auf einem Trampolin springen, Achterbahn und Wasserski fahren.“ Eine andere Person antwortet: „Nichts, was ich sonst nicht auch tun würde.“
Für niemanden soll es bequem sein
Und mit welcher Botschaft soll man dann nach Hause gehen? „Das ist nicht ganz leicht zu beantworten“, sagt Dempf. „Auf jeden Fall soll es nicht besonders bequem sein.“ Am liebsten wäre ihr eine Mischung aus leichter Beklemmung und neuem Mut für den Austausch mit anderen.
Ausstellung „Fett.“, Vernissage Utopia Kiosk, Lazarettstraße 5, Stuttgart-Mitte, 22.11.-20.12.