Ausstellung im Hospitalhof: Wie jüdische Ärzte in Stuttgart verfolgt wurden

Die Ausstellung „Fegt alle hinweg“ ist bis zum 13. Februar 2026 im Hospitalhof in Stuttgart zu sehen.
Regine WarthSie hatte gehofft, irgendwann ihre Mutter wiederzusehen, die in Murrhardt zurückgeblieben war. Doch als die Ärztin Alice Naegele-Noerdlinger (1890– 1961) mit ihrem Mann, dem Maler Reinhold Naegele, 1939 ihre Flucht aus Stuttgart ins Ausland antrat, war das Lebewohl endgültig: Wenige Monate zuvor, im September 1938, wurde jüdischen Ärztinnen und Ärzten in Deutschland ein Berufsverbot erteilt.
Alice Naegele-Noerdlinger, die als Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten tätig war, musste ihre Praxis aufgeben und fliehen. Sie war nicht die Einzige: Mindestens 87 jüdische Menschen, die in medizinischen Berufen tätig waren, lebten zu der Zeit in Stuttgart und wurden Opfer systematischer Verfolgung.

Anfang der 20er Jahre: Helene Nördlinger (rechts) mit ihrem Ehemann Sigmund, Tochter Alice und Schwiegersohn Reinhold Naegele (von links)
Foto: Privatbesitz Jolyon NaegeleDie Ausstellung im Hospitalhof geht bis 13. Februar
Ihnen hat die Bezirksärztekammer Nordwürttemberg ein Forum geschaffen – und die Ausstellung „Fegt alle hinweg“ nach Stuttgart geholt: Diese Sammlung an Porträts von Betroffenen entstand im Jahr 2008 anlässlich des 70. Jahrestags des Entzugs der Approbation jüdischer Ärzte zunächst für München und wurde seitdem kontinuierlich erweitert.
Für den Standort Stuttgart wird dabei, neben Alice Naegele-Noerdlinger, auch auf das Leben und Wirken der Psychiaterin und Psychoanalytikerin Ruth Selke-Eissler, sowie der beiden Ärzte Martin Sondheimer und Walter Pintus eingegangen. Der Titel verweist auf die Aussage des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes 1933: „Fegt alle hinweg, die die Zeichen der Zeit nicht verstehen wollen.“ Die Ausstellung ist bis zum 13. Februar 2026 im Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstraße 33, zu sehen. Die Vernissage mit Beiträgen von Ärzten und Historikern ist am Montag, 2. Februar, um 19 Uhr.
