Autokorso durch Stuttgart
: „Irgendwann reicht es einfach“- Demonstranten fordern Frieden für Iran

Ein Autokorso mit Iran-Flaggen und Friedensrufen durch Stuttgart: Hunderte Demonstrierende fordern Frieden für Iran. Warum einige regelrecht verzweifelt sind.
Von
Tanja Simoncev
Stuttgart

Die Solidaritätsdemo für die Todesopfer im Iran verlief friedlich – ein Autokorso führte mitten durch die Stuttgarter Innenstadt.

Tanja Simoncev

Laut hupend und mit Iran-Flaggen auf den Motorhauben sind Iranerinnen und Iraner am Sonntagnachmittag in einem Autokorso durch die Stuttgarter Innenstadt gefahren – aus Solidarität mit den Todesopfern im Iran. Dabei unüberhörbar: die Forderung nach Frieden.

Viele der Demonstrierenden machten mit ihren Händen das Peace-Zeichen und riefen immer wieder „Frieden für Iran“ aus den Fenstern ihrer Fahrzeuge. Iranische Musik dröhnte aus den Lautsprechern ihrer Autoradios. Es herrschte eine friedliche, wenn auch verzweifelte Stimmung.

Für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie im Iran

Die Iranerinnen und Iraner, die an der Demonstration teilgenommen hatten, sowie viele Iranerinnen und Iraner in der Diaspora stehen für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie im Iran. „In dieser schwierigen Zeit unterstützen wir Kronprinz Reza Pahlavi als die Führungsfigur für eine Übergangsphase hin zu einer demokratischen Zukunft“, betont Mohammad Ahmadi.

„Wir möchten außerdem darauf aufmerksam machen, dass mit dem islamistischen Mullah-Regime im Iran keine Verhandlungen geführt werden können, da dieses Regime aus unserer Sicht keine Legitimität besitzt.“ Es sei verantwortlich für schwere Menschenrechtsverletzungen, Hinrichtungen, Unterdrückung und die Inhaftierung zahlreicher politischer Gefangener. „Der Höhepunkt war das Massaker an über 30000 Menschen im Januar im Iran.“

Auf den Fotos und Plakaten, die an fast jedem Auto zu sehen waren, standen unter anderem die Botschaften: „No deal with Mullahs“ und „Stop executions in Iran“. Genau diese Botschaften waren ein zentraler Bestandteil des Autokorsos.

„Seit 18 Jahren kann ich die Familie nicht sehen“ – Shivas eindringlicher Appell

Auf dem Auto, in dem Shiva auf der Rückbank saß, stand außerdem in Großbuchstaben „Iran“ geschrieben, auch Shiva zeigte das Peace-Zeichen und fand klare Worte, warum sie an diesem Nachmittag demonstrierte: „Irgendwann reicht es einfach. Ich bin 24 Jahre alt, seit 18 Jahren darf ich nicht in mein Heimatland zurückreisen, kann meine Familie nicht sehen. Frauen werden unterdrückt. Das Regime muss einfach enden.“

Der Autokorso zog sich durch die Stuttgarter Innenstadt.

Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart

Was auffällt, ist die hohe Präsenz von Frauen. Assade etwa, die allein in ihrem Wagen saß, wünschte sich vor allem Freiheit für die Menschen im Iran. Ein paar Meter weiter rief Lena durch ein Megafon aus einem offenen Bus: „Wir sind hier, um die Stimme der Menschen im Iran zu sein.“

Für die Menschen, die seit 47 Jahren unter dem faschistischen Regime leiden, wolle sie laut sein. Nach Massaker und Gefängnisstrafen wollte sie den Menschen hier in Stuttgart zeigen, was im Iran gerade los ist.

Die Demonstrierenden, die laut der Veranstalter, in rund 120 Fahrzeugen unterwegs waren, forderten vor allem, dass das Regime aufhört, unschuldige Menschen umzubringen, den Menschen ihre Rechte zurückgibt und Gefangene befreit. „Wir wollen, dass die Regierung einfach verschwindet!“

Autokorso zieht störungsfrei durch Stuttgarter Innenstadt

Gestartet war der Autokorso am frühen Nachmittag auf dem Parkplatz P9 am Neckarpark, wo auch die Auftaktkundgebung stattfand. Später ging es über die Talstraße, B14, B10, Heilbronner Straße, Friedrichstraße, auf die Theodor-Heuss-Straße und etwas langsamer durch die Stuttgarter Innenstadt. Ein Polizeisprecher erklärte, dass es zu keinen größeren Behinderungen oder sonstigen Vorkommnissen gekommen sei. „Der Autokorso ist völlig störungsfrei verlaufen.“

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