Beruf finden in Stuttgart
: Escape Game fordert Realschüler

Aktuell pilgern täglich Schulklassen in die Stuttgarter Galerie AK2, um ein spannendes Escape Game zu spielen. Warum bietet die Handwerkskammer so etwas an?
Von
Alexander Ikrat
Stuttgart
  • Soner (li.) und Kyriakos suchen beim Escape Game an der Lorenzstaffel Aliens.

    Lichtgut/Max Kovalenko
  • Soner, Rayan und Ayhen (v. li.) suchen die verschollenen Teamfotos der Raumschiff-Besatzung.

    MAX KOVALENKO
  • Sie finden Reste, aber diese sind zerschnitten und müssen zusammengesetzt werden.

    MAX KOVALENKO
  • Ist dieser Mann in Wirklichkeit ein verkapptes Alien?

    MAX KOVALENKO
  • Wer nicht mehr verdächtig ist, wird angekreuzt.

    MAX KOVALENKO
  • An jeder Station gibt es Hinweise.

    MAX KOVALENKO
  • Kyriakos probiert Kombinationen für ein Zahlenschloss.

    MAX KOVALENKO
  • Wer noch nicht im Escape Room ist, darf mit einem Brennkolben experimentieren und bekommt nebenher Bewerbungstipps.

    MAX KOVALENKO
  • Leichter Zugang zu Ausbildungsberufen: Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart

    MAX KOVALENKO
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Der Popup-Store an der Lorenzstaffel in der Stuttgarter City hat wirklich was von einem Escape Room. Das Hinterzimmer der Galerie AK2 ist eingerichtet wie die Schaltzentrale eines Raumschiffs, die spacigen Requisiten in blaues Licht getaucht, ergibt sich eine abgehobene Atmosphäre.

Die sechs Jungen aus der zehnten Klasse der Linden-Realschule Untertürkheim sind eher zurückhaltend, als ihnen Melanie Wenzel von der „Internationalen Weltraumbehörde“ erklärt, dass sie sich auf einer Mission zum Mars befinden, weil es der Menschheit auf der Erde zu eng geworden ist. Auf dem Planeten soll eine neue Heimat aufgebaut werden, doch gebe es Aliens im Raumschiff. Diese trachteten danach, die Mission zu sabotieren und sollten gefunden werden.

Rätsel-Fieber breitet sich im Popup-Store aus

Schnell breitet sich im Sextett das Rätsel-Fieber aus. An fünf Stationen müssen die jungen Leute ausschließen, wer von der Besatzung ein Mensch ist und wer letztlich ein Alien. Rayan, Soner und Ayhen etwa suchen verschollene Team-Bilder, auf denen zu sehen ist, wer nicht zur Kamera schaut, was ein Hinweis sein soll. Yasin kniffelt solo aus, welche Besatzungsmitglieder in einem verschlüsselten Schichtplan öfter Nachtschicht geschoben haben, wogegen die Aliens regelrecht allergisch sind.

Melanie Wenzel von der Handwerkskammer erklärt das Escape Game.

Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Weil nicht alle, die nicht zur Kamera schauen, Aliens sein müssen, sondern auch einfach nicht aufgepasst haben könnten, kommt es letztlich auf Teamwork zwischen den Stationen an. Und da klemmt’s manchmal zwischen den 16- und 17-Jährigen. Doch nach zweimaliger Verlängerung schaffen die Sechs es und identifizieren alle drei Saboteure. „Das schaffen etwa 70 Prozent der Teams, die bei uns antreten“, sagt Melanie Wenzel. Das finden die Schüler, die sich teilweise mächtig ins Zeug legen, schon mal cool.

Escape Game als leichter Zugang zu Ausbildungsberufen?

Nicht ganz so viel Aufmerksamkeit haben sie den Berufen geschenkt, welche die einzelnen Besatzungsmitglieder ausüben, oder den Berufsgruppen wie Planern oder Versorgern der Kolonie. Da fällt den einen spontan nicht viel ein, andere wie der 17-jährige Ayhen sagen draußen, losgelöst vom Escape Game: „Wir beschäftigen uns im Abschlussjahr viel mit Berufen, die meisten haben mir schon was gesagt.“ Klar sei: „Das hat richtig Spaß gemacht.“

Hinter dem Escape Game „Aliens among us“, das in den nächsten beiden (ausgebuchten) Wochen rund 600 Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Region Stuttgart durchlaufen, steckt die Handwerkskammer Region Stuttgart. „Es geht um einen niederschwelligen, leichten Zugang zu unseren Ausbildungsberufen“, sagt der Hauptgeschäftsführer Peter Friedrich.

Viele wollen weiter in die Schule gehen

Von Berufen wie Maler oder Kfz-Mechatroniker hätten die Jugendlichen in ihrem Alltag vielfach schon etwas mitbekommen, aber bei Augenoptiker oder Orthopädiemechaniker könne das schon anders aussehen. „Viele wollen weiter in die Schule gehen, weil sie nicht wissen, was sie machen sollen“, sagt Friedrich, „da wollen wir ihnen den einen oder andere Ausbildungsberuf näherbringen.“

Lehrer Nils Heyden findet es „mega, wie das hier aufgebaut ist“, ist sich aber nicht sicher, wie viel die Schüler und auch Schülerinnen seiner Linden-Realschule von dem Termin mitnehmen. „Ich werde das noch mal aufgreifen“, sagt Heyden – um das Gehörte zu verfestigen. Das Thema Berufsausbildung jedenfalls sei präsent, nicht zuletzt auch mit einer Schwerpunktwoche in der 9. Klasse. Außerdem sei der Zeitpunkt jetzt gut für einen Ausflug mit Inhalt: „Demnächst beginnen die Abschlussprüfungen.“

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