Betrüger in Stuttgarter
: Opfer berichtet: „Ohne zu fragen ist er einfach durch die Wohnung gestiefelt“

Ein Fremder klingelt an der Haustür und will sich angeblich um technische Probleme kümmern. Doch er hat Betrügerisches im Sinn. Wie ein Opfer das erlebt hat.
Von
Christine Bilger
Stuttgart
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Wer ist der Unbekannte an der Haustür? Die Polizei rät zur Vorsicht.

IMAGO / PhotoAlto (Symbolbild)

Hans Weber versteht die Welt nicht mehr. „Das ist so unverschämt, wie die sich aufführen“, schimpft der Senior, der seinen echten Namen und seinen Wohnort nicht öffentlich preisgeben will. „Man ist gutgläubig, und die überrumpeln einen. Zum Glück ist nichts passiert“, sagt der 78-Jährige, der in den eigenen vier Wänden von einem Kriminellen heimgesucht wurde.

Der mutmaßliche Betrüger habe sich als Techniker ausgegeben, der behauptete, er müsse Deckenleuchten und Anschlüsse in der Wohnung zählen. Das war um 9.45 Uhr am Vormittag – der Senior war zuhause, da seine Frau krank im Schlafzimmer lag. Weil er mit niemandem mit schlechten Absichten rechnete, habe er nicht die Gegensprechanlage genutzt, sondern habe gleich die Tür geöffnet. „Das mache ich nie wieder, ab jetzt geh ich nur noch an die Sprechanlage, und nur wenn ich sicher bin, dass ich die Person kenne, mach ich auf.“

Der angebliche Handwerker hat ein wichtig aussehendes „Büchle“ dabei

Mit einem „Büchle“ und Kugelschreiber sei der Fremde ausgestattet gewesen, vermutlich um offiziell und seriös zu wirken. Er habe ohne viel Vorrede gebeten, ein Glas Wasser zu bekommen. Der Hausherr tat ihm den Gefallen. Während er in der Küche war, um das Wasser einzugießen, sei der Mann schon durch die Wohnung gegangen. Als er ihm hinterher eilte mit dem Glas, habe der Eindringling um einen weiteren Gefallen gebeten, einen seltsamen: Ob er etwas Zucker im Wasser haben könnte. Höflicher Gastgeber, der er ist, ging der 78-Jährige wieder in die Küche.

Vorsicht ist geboten, wenn Fremde an der Tür klingeln.

Foto: imago images/Markus van Offern (Symbolbild)

Als er mit dem Zuckerwasser zurückkam – es dauerte natürlich , bis sich der Zucker auflöste – glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. Stand der Fremde doch tatsächlich in der offenen Schlafzimmertür, wo sich die kranke Gattin ausruhte. „Ohne zu fragen ist er einfach durch die Wohnung gestiefelt.“ Noch immer ist er sprachlos über diese Dreistigkeit.

Am nächsten Morgen schlug der Stuttgarter die Zeitung auf. Und las, dass die Polizei vor exakt diesem Trick warnte. Eine Seniorin und ein Senior in der Gegend waren ebenfalls von einem Täter mit dem gleichen Trick heimgesucht worden. In beiden Fällen jedoch ohne größeren materiellen Schaden. „Das war dupfengleich wie bei mir“, schimpft der 78-Jährige.

Der ungebetene Besuch sei auch bei ihm ohne Schaden geblieben. Aber der Schreck bleibt. Schmuck und Geld seien gut verborgen in seiner Wohnung – beziehungsweise an einem sicheren Ort verwahrt. „Aber meine Bankunterlagen lagen offen auf dem Tisch. Da hatte ich Sorgen, dass er die Verbindung hätte lesen und mit der Kontonummer etwas anstellen könnte. Ich hab ein paar Mal in der folgenden Zeit bei der Bank nachgefragt, bis jetzt ist nichts gewesen“, berichtet das Opfer. „Ich werde das noch eine Zeit lang im Auge behalten“, fügt er hinzu.

Die Polizei warnt aktuell vor Betrügern, die es vor allem bei älteren Personen versuchen, als Handwerker getarnt in die Wohnung zu gelangen. Mit der Bitte um ein Wasserglas verschaffen sie sich dann ein paar unbeobachtete Momente und suchen nach Beute.

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