Beziehungsunfähigkeit der Gen Z
: „Es liegt nicht an dir, es liegt an mir”

Beinahe jede:r hat diese bekannten Worte schon einmal gehört oder vielleicht sogar von sich gegeben. Lässt sich die derzeitige Generation als beziehungsunfähig einstufen?
Von
Heidi Rogall
Stuttgart
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Sogenannte Situationships sind das neue Beziehungsmodell der Bindungsunfähigen.

IMAGO/Zoonar/IMAGO/Zoonar.com/Andres Victorero

Das Problem, längerfristig keine Bindung zu einer anderen Person aufrechterhalten zu können, was auch als Beziehungsunfähigkeit definiert wird, oder sich immer wieder eine:n neue:n Partner:in suchen zu müssen, macht vielen jungen Leuten aktuell zu schaffen. Doch was steckt eigentlich dahinter, dass heutzutage Bindungsängste zum Alltag gehören? Schließlich haben die Menschen mehr Freiheiten und Möglichkeiten als je zuvor.

Zu viele Möglichkeiten begünstigen Beziehungsunfähigkeit

Vielleicht ist genau das der springende Punkt. Sich Hals über Kopf in jemanden zu verlieben ist wohl eines der schönsten Gefühle der Welt. Alles erscheint plötzlich besser, man hat weniger Sorgen und wahrlich die rosarote Brille auf. Falls das Objekt der Begierde dann sogar ähnlich empfindet, gibt es so gut wie kein Halten mehr.

Doch was, wenn alles gar nicht so einfach ist wie gedacht? Wenn alles komplizierter gemacht wird, indem sich eine:r der beiden Auserwählten selbst im Weg steht? Dann verwandelt sich das verträumte Gefühl der Verliebtheit in etwas Schmerzhaftes, manchmal sogar Hässliches.

Schließlich kann das, was man am liebsten hat, auch am ehesten verletzen. Das muss wahrscheinlich beinahe jeder Mensch einmal am eigenen Leib erfahren, wenn man den misslungenen Liebesgeschichten von Eltern, Großeltern, Freund:innen oder Bekannten lauscht.

Laut einer Umfrage des Stuttgarter Studierendenmagazins Mediakompakt, im Rahmen dessen dieser Textbeitrag erstellt wurde, wurden Mittzwanziger zum Thema Beziehungsunfähigkeit befragt. 22 der 37 Befragten hatten schon mindestens einmal Angst davor, eine Beziehung einzugehen. Das wundert wohl kaum, da 28 Personen angaben, bereits schlechte Erfahrungen mit potenziellen oder bestehenden Partner:innen gemacht zu haben.

Laut Gesellschaftskommentator Michael Nast sind manche Menschen konfliktscheu, erst recht, wenn Emotionen im Umlauf sind. Stellvertretend dafür hat sich in der Umfrage gezeigt, dass 26 Personen besonders davor zurückscheuen, in Sachen Liebe verletzt zu werden. Deshalb erscheint es einfacher, Probleme und Gedanken nicht zu adressieren und sich schlichtweg aus der Situation zu entfernen, sprich es gar nicht erst zu einer Beziehung kommen zu lassen.

Situationships als neues Modell

Als mögliche Lösung vor zu viel Ernsthaftigkeit bieten sich hier sogenannte „Situationships” an. Solche beschreiben ein Verhältnis, das mehr als Freundschaft, jedoch keine feste Beziehung darstellt. Mehr als 50 Prozent der Befragten hatten bereits ein solches Verhältnis im Laufe ihres Lebens und zusätzlich eine Grundangst davor, verlassen zu werden.

Psycholog:innen zufolge ist niemand unfähig zu lieben. Menschen besitzen von Natur aus ein Bedürfnis nach Bindung und Nähe. Und doch scheitern in Deutschland laut der Frauenzeitschrift „Bild der Frau” rund 40 Prozent der Ehen. Dafür kann es viele verschiedene Gründe geben.

Dass zwei Menschen sich trennen oder gar nicht erst zusammenkommen, scheint demnach ein alltägliches Ereignis zu sein. Der sogenannten „Bindungstheorie”, nach John Bowlby und Mary Ainsworth, zufolge besitzen 30 bis 40 Prozent der Menschen allgemein einen unsicheren Bindungsstil und dies wirkt sich nicht nur auf Beziehungen, sondern auch auf die Vorstufe des Kennenlernens aus.

Einer klammert zu viel, der andere flüchtet

Psychotherapeutin Stefanie Stahl ist sich sicher: Aktive und passive Partner:innen sind das Grundgerüst dieser Probleme. Während ein:e Partner:in klammert und immer mehr Nähe verlangt, zieht der oder die andere sich zurück und benötigt seinen oder ihren Freiraum. Dieser umgekehrte Magnetismus sorgt dann vermehrt für das Aus, bevor alles überhaupt so wirklich begonnen hat. Vergessen ist der letzte Fauxpas sowieso recht schnell, denn eine Auswahl an potenziellen Paarungswilligen gibt es Statista zufolge mit neun Millionen Nutzern:innen in Deutschland zuhauf. Somit zeigen bekannte Dating-Apps wie Tinder, Bumble und Co. schon das nächste nicht weit entfernte Match an. Und das gesamte Spiel beginnt von Neuem.

Drei Tipps, um die Beziehungsunfähigkeit zu überwinden:

1. In der Ruhe liegt die Kraft. Es ist in Ordnung, sich erst einmal langsam an die andere Person heranzutasten. Es existiert alle Zeit der Welt und nichts muss überstürzt werden.

2. Kommunikation ist der Schlüssel. Damit andere Menschen einander verstehen können, muss man anfangen, über mögliche Triggerpunkte oder Ängste zu reden.

3. Auf sich selbst achten. Um eine gesunde Beziehung führen zu können, ist es wichtig, sich um sich selbst zu kümmern. So wird kein möglich bestehender Ballast auf den neuen Partner oder die Partnerin übertragen.

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