Bischoff & Kohlstetter in Stuttgart
: Kultgeschäft im Westen schließt nach 24 Jahren – geht es trotzdem weiter?

Andreas Kohlstetter ist Raumausstatter und Bauexperte, sein Geschäft an der Schlossstraße wird er schließen, um sich zu fokussieren. Geschirr, Deko und Kuscheltiere will er abstoßen.
Von
Caroline Holowiecki
Stuttgart
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Andreas Kohlstetter ist Raumausstatter und Experte für Baubiologie, seinen Laden an der Schlossstraße wird er Ende April schließen.

Caroline Holowiecki

Ist es ein Geschäft für Spiel- oder Haushaltswaren? Ein Möbelladen? Oder doch ein Baumarkt? Manche Person, die das Geschäft an der Schloßstraße betritt, wird sich das wohl fragen. Es gibt Vollholzbetten, Bettwäsche, Leuchten, Teppiche sowie Vorhangstoffe, dann wieder Kuscheltiere, Wachsmalstifte, Geschirr und Girlanden. Daneben lagern große Pakete mit Parkettelementen, Farbeimer, Lacke und Lasuren. Und mittendrin: Andreas Kohlstetter, der Inhaber von Bischoff & Kohlstetter. Er hat jetzt entschieden, seinen Laden an der Schloßstraße nach 24 Jahren zu schließen.

Kohlstetter ist Raumausstattermeister, und sein Steckenpferd ist die Baubiologie. Der Mann mit dem langen grauen Haar hantiert mit Naturfarben, Kalk- und Lehmputz und anderen Baustoffen aus der Kategorie ökologisches Bauen. Selbst Vorhänge mit eingearbeiteten Silberfäden, die Handystrahlung fernhalten sollen, hat er im Angebot. Eine Fortbildung in puncto Gefahrstoffe wie Asbest hat er ebenso absolviert. „Ich wollte wissen, was ich den Kunden verkaufe“, sagt er.

Der Betrieb ist in Stuttgart-West mehrmals umgezogen

Entsprechend ist Bischoff & Kohlstetter im Kern ein klassischer Raumausstatterbetrieb: Parkett und Teppichböden verlegen, Wände streichen, Beschattungen installieren. Die anderen Waren hat Andreas Kohlstetter seinerzeit quasi als Lockangebote ins Repertoire aufgenommen, damit die Kundschaft was zum Bummeln hat. „Das hat man reingenommen wegen der großen Schaufenster“, erklärt er.

Eine geeignete Ladenfläche in Stuttgart-West zu finden, ist nicht einfach.

Foto: imago/Arnulf Hettrich

Seit Ende der 80er ist der Betrieb mehrfach innerhalb von Stuttgart-West umgezogen, hat sich immer weiter vergrößert. Der einstige Kompagnon ist Andreas Kohlstetter in der Zwischenzeit abhanden gekommen, der Doppelname des Geschäfts ist geblieben. „Früher hat man im Branchenbuch geguckt, da war B weit vor K“, sagt er. Heute sei der Name eine bekannte Marke.

Nun aber wird Andreas Kohlstetter seinen Laden an der Schlossstraße nach 24 Jahren schließen. Am 30. April muss er raus. Er bekennt: Das Geschäft trägt sich wirtschaftlich nicht mehr. Der Laden sei mit seinen 200 Quadratmetern viel zu groß und produzierte hohe Fixkosten. Gleichzeitig stimme der Umsatz nicht mehr. Der Internethandel setze ihm zu, „seit Corona sehen wir das verstärkt“, sagt er und stellt klar: „Ich muss mit dem Handwerk den Laden subventionieren.“

50 Quadratmeter würden fürs Kerngeschäfts ausreichen

Andreas Kohlstetter will sich gesundschrumpfen. Die Fußabstreifer, die Fingertierchen aus Filz, die Schlüsselanhänger, Wärmflaschen, Körbe und Geldbörsen, all die Dinge, die er nebenbei verkauft, sind ihm zum Ballast geworden. „Ich möchte kleiner werden und ins Kerngeschäft rein“, sagt er. Nur noch Handwerker sein.

50 Quadratmeter, wo er Farben anbieten und eine kleine Ausstellung präsentieren könne, das würde ihm reichen, wie er sagt. Doch ein neuer Laden ist nicht in Sicht. Die Suche gestalte sich trotz vieler Leerstände schwierig. „Ich habe gedacht, das müsste kein Problem sein“, doch einen ebenerdigen Laden im Westen zu finden, das sei nicht so einfach wie erwartet.

Ruhestand ist für Andreas Kohlstetter keine Option

Die Zeit läuft Andreas Kohlstetter davon. „Wir ziehen um“, so steht auf Zetteln auf der Ladentheke, das Wohin fehlt darauf aber. „Langsam zwickt’s“, sagt er. Sein Plan B: Ware einlagern. Der Raumausstatter sagt, dass seine Auftragsbücher gut gefüllt sind, trotz der allgemeinen wirtschaftlich herausfordernden Lage.

„Das Handwerk können wir ohne Unterbrechung weiterführen“, betont er, wünschen würde er sich freilich einen Übergang mit neuem Standort. Daher sucht er weiter nach einem kleinen Geschäft. Option C – aufhören – ist für den leidenschaftlichen Handwerker keine. Obwohl Andreas Kohlstetter 65 ist, denkt er mit Grausen an den Ruhestand. „Um Gottes Willen!“

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