Brix auf Fridas Pier in Stuttgart
: Trans Schauspieler: „Was in den USA geschieht, macht mir Angst“

Brix Schaumburg, der erste als trans geoutete Schauspieler in Deutschland, radelt „queer durchs Land“ für Sichtbarkeit und Spenden. Auf Fridas Pier sagt er, warum seine Angst wächst.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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Der trans Schauspieler Brix Schaumburg (Mitte) mit Mustafa Göktas und Claudia K. Prskala von dem Stuttgarter Verein Tugi Helps

Matt Chec

Brix und Tugi – das sind keine alltäglichen Namen. Was sie verbindet, kann ermutigen – und dürfte niemanden unberührt lassen.

Tugi ist mit 22 Jahren gestorben. Bis zuletzt hatte er gekämpft, doch der Krebs war stärker. Seine Freunde und seine Familie standen vor anderthalb Jahren nach Tugis frühem Tod unter Schock. Sein älterer Bruder Serdar Vona wusste zuerst nicht, wie er mit diesem Schmerz weiterleben sollte.

„Entweder du zerbrichst oder du machst etwas“, sagt Serdar Vona heute. Der Chef einer Eventfirma entschied sich dafür, etwas zu machen und gründete in Stuttgart eine private Hilfsorganisation, die sich um kranke Kinder kümmert. Die trägt den Namen des toten Bruders: Tugi Helps. Aus dem persönlichen Leid ist eine Bewegung geworden, die immer größer wird.

„Nie wieder still“ war das CSD-Motto in Stuttgart

Tugi-Helps-Gründer Serdar Vona auf Fridas Pier

Foto: ubo

Wie groß sie ist, zeigt sich auf dem Club- und Eventschiff Fridas Pier. Zum Benefiz-Tag „Art for Good“ sind sehr viele Förderer gekommen. Die Künstler, die ihre Werke verkaufen, spenden 80 Prozent des Erlöses an Tugi Helps. Und auch der trans Schauspieler Brix Schaumburg – alle sagen nur seinen Vornamen – sammelt auf seiner Radtour für den Stuttgarter Verein.

Brix sagt, was ihn antreibt und warum er so viel unterwegs ist quer durch Deutschland: „Nur zusammen sind wir lauter.“ Fürs Lautwerden setzt sich die Pride-Bewegung bundesweit ein. „Nie wieder still“ hieß das CSD-Motto im Sommer in Stuttgart und in vielen anderen Städten. Queere Menschen fürchten, dass angesichts von Rechtsruck und Hasskriminalität ihre erkämpften Rechte in Gefahr sind.

Wird sich in Deutschland das wiederholen, was sich in den USA abspielt? US-Präsident Donald Trump hat erklärt, es gebe nur zwei Geschlechter. Dies macht Brix Schaumburg Angst. Seitdem folgten Konzerne der Linie von Trump und von ultrakonservativen Kräften, weshalb Unterstützungsgelder für Diversität wegfielen. Viele Trans-Personen würden aus den USA fliehen. „Was dort passiert, ist ein Trauerspiel“, sagt er. „Dabei gab es Transmenschen schon immer – was auch in der Bibel steht.“

Der Künstler Marc C. Woehr im Schiffsbauch von Fridas Piers vor seinem Unikat aus Holz mit Mustafa Göktas von Tugi Helps.

Foto: ubo

Die Radtour von Brix Schaumburg startet am Chiemsee

Brix Schaumburg verbindet seinen Kampf für Gleichbehandlung mit sozialem Engagement. An diesem Dienstag beginnt er am Chiemsee seine 1650 Kilometer lange Radtour mit dem Titel „Queer durchs Land“. Die Strecke führt ihn zunächst nach Wien, anschließend zurück nach Stuttgart, wo er am 27. September eintreffen will. Die Spenden, die er dabei sammelt, gehen zu großen Teilen an den Stuttgarter Verein Tugi Helps. Einen Vorgeschmack gibt er beim Charity Event auf Fridas Pier.

Schon einmal ist er durch Deutschland geradelt, um seine Geschichte zu erzählen und Geschichten anderer Menschen zu hören. Ein Buch hat Brix Schaumburg darüber geschrieben, in dem so schöne Sätze zu finden sind wie: „Um sich selbst zu finden, muss man erst mal verloren gehen.“ Auf dem Weg zu seinem wahren Ich schien er verloren zu gehen. Für Transpersonen ist es meist ein Kampf, bis sie sich finden und dazu stehen können. Die Angst vor der Außenwelt ist groß. „Es gibt so viele intersexuelle Menschen wie es Rothaarige gibt“, sagt er.

Fallback Image STZ

Stuttgarter Zeitung

Auf dem Neckarschiff unweit des Cannstatter Wasens herrscht eine gelöste Stimmung. Zwischen Musik, Gesprächen und Kunstaktionen spürte man: Helfen kann cool sein. Jede und jeder merkt, dass Solidarität nicht schwerfällig sein muss – sondern Freude machen kann.

Brix Schaumburg spielt einen trans Mann im ARD-Weihnachtsfilm

Schaumburg nutzt seine öffentliche Rolle, um auf die Lebensrealität von trans Menschen aufmerksam zu machen. Er gilt als der erste als trans geoutete Schauspieler in Deutschland. „Dieses Label bekam ich verpasst, weil es zuvor noch keine durchgängige trans Hauptrolle gab, die von einem trans Schauspieler gespielt wurde“, sagt er. „Dabei war ich garantiert nicht der Erste.“ Er trage das Label so lange, „bis alle trans Personen gut behandelt werden in der Branche.“

Bald ist er in einem Spielfilm in der ARD zur Prime Time zu sehen. In der Komödie „Weihnachtsüberraschungen“ spielt er einen trans Mann – eine Rolle, die für ihn besonders wichtig ist, weil sie Sichtbarkeit schafft und jenseits von Klischees erzählt wird.

Er war der Mowgli im Musical „Dschungelbuch“

Kritisch sieht er die Klischees, die in Drehbüchern noch immer dominieren: „Die Geschichten sind oft sehr simpel gestrickt. Aus Steffi wird Stefan und dann ist alles gut. Oder es fallen Sätze wie ‚Maike hat sich umbauen lassen‘, als wäre der Körper ein Baukasten. ‚Angleichen‘ ist besser – nur zwei Worte, aber die machen schon einen großen Unterschied.“

Bekannt wurde Schaumburg als Musicaldarsteller, unter anderem als Mowgli im „Dschungelbuch“. Später spielte er in der Serie „Sunny – Wer bist du wirklich?“ den trans Mann Nik. Neben Schauspiel und Gesang tritt er auch als Dragqueen „Miss Cherry La Boom“ auf, veröffentlichte Songs und betreibt den Podcast Herzfarben.

Mit „Queer durchs Land“ verbindet der Vater einer Tochter künstlerische Erfahrung, persönliche Geschichte, seine Neugierde auf das deutsche Leben mit Hilfe für bedürftige Kinder. „Ich freue mich auf all die Menschen, die ich unterwegs kennenlernen werde“, sagt er. „Denn nur wenn wir sichtbar sind, können wir etwas verändern.“

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