Das Trauma der Natascha Kampusch: „Kampusch entgleitet die Kontrolle“

Natascha Kampusch bei der Premiere des Film über sie in Wien
dpaFrau Breitenbach, kann ein Film wie „3096 Tage“ Opfern eine Hilfe bei der Traumabewältigung sein? Beschäftigen sich Ihre Patienten überhaupt mit den Fall Kampusch?
Warum?
Nämlich?
Empfehlen Sie Kampuschs Biografie ihren Patienten zur Lektüre?
Wie wirkt Natascha Kampusch heute, sieben Jahre nach ihrer Gefangenschaft, auf Sie?
Warum gelingt es ihr trotz allen Bemühens nicht, einfach nur als „Botschafterin des Überlebens“ wahrgenommen zu werden?
Viele vermuten vielleicht, dass darin ihr schlimmstes Trauma liegt.
Schon zwei Wochen nach ihrer Befreiung sagte Natascha Kampusch in einem Interview, dass sie kein Opfer mehr sein wolle. Muss es für Traumapatienten das vorrangigste Ziel sein, die Opferrolle abzulegen?
Hat Natascha Kampusch eine Chance auf ein neues Kapitel in ihrer Biografie?
Natascha Kampusch feierte ihren 25. Geburtstag in einer Talkshow und nicht zu Hause mit Freunden. Was sagt das über ihre Zukunft aus?
Gaby Breitenbach (52) arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Gewaltopfern. Zusammen mit ihrem Kollegen Harald Requardt betriebt die Psychotherapeutin in Untertürkheim eine Praxis, in der verletzte und traumatisierte Menschen behandelt werden, die Villa Lindenfels. Die Nachfrage ist so groß, dass derzeit keine neuen Patienten mehr aufgenommen werden. Ihr neuestes Projekt ist eine therapeutische Tageseinrichtung für extrem traumatisierte Menschen in Stuttgart. Die Traumatherapeutin ist spezialisiert auf besonders verstörende Fälle. Zu ihren Patienten gehören unter anderem Schüler, Eltern und Polizisten, die Opfer des Amoklaufes von Winnenden wurden. Breitenbach hat auch die Eltern von Yvan Schneider (19) betreut, der 2007 auf den Streuobstwiesen bei Rommelshausen von Jugendlichen bestialisch getötet, zerstückelt und einbetoniert worden ist. Breitenbach hat zusammen mit den Eltern das Buch „Vom Wert des Lebens“ geschrieben.