Demokratieabend im Renitenztheater: Wenn die Demokratie ausfällt

Das Renitenztheater im Hospitalviertel
Jan SellnerEin spannender Abend. Ein Abend für die Demokratie. Auf dem Podium: Amrei Bahr, Juniorprofessorin für Philosophie der Technik und Information an der Uni Stuttgart, der Kabarettist Philipp Weber, und Roland Mahr, Intendant des Renitenztheaters und Gastgeber. Ihr Thema ist die gefährdete Demokratie. Es geht um die Frage, wie sich „neue Räume für demokratische Teilhabe schaffen lassen“. Die Ausgangsthese des mit „Gesprächsstoff“ überschriebenen Abends im Renitenztheater lautet: „Politische Polarisierung, digitale Erschöpfung und permanenter Krisenmodus zehren an den Kräften von Bürgerinnen und Bürgern, die eigentlich gefragt wären, das Fundament unserer Gesellschaft zu stützen“.
Intendant Mahr betont die Bedeutung von Beteiligung und Debattenkultur für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft. Amrei Bahr, die auf soziale Medien setzt, um komplexe Sachverhalte zu vermitteln, wirbt für einen niederschwelligen Zugang und der Kabarettist Philipp Weber erläutert, warum für ihn Humor ein geeignetes Mittel ist, um Demokratie lebendig und widerstandsfähig zu halten.
Der Titel der des Abends lautete passend: „Demokratie am Limit“
Vielleicht haben die drei Diskutanten aber auch etwas anderes herausgestellt. Man konnte ihre Argumente nur leider nicht hören – nicht der Akustik wegen, sondern weil der Demokratieabend im Renitenztheater am Montagabend gar nicht stattgefunden hat. Gerade mal sechs Anmeldungen hatten vorgelegen. Die restlichen rund 250 Plätze wären unbesetzt geblieben. Schweren Herzens sagte das Theater die Demokratie-Runde kurzfristig ab. Zum Leidwesen auch einer Handvoll weiterer Interessenten, die an der Abendkasse standen. Eine Szene passend zum Titel der ausgefallenen Veranstaltung: „Demokratie am Limit“.
Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, unternimmt das Theater einen weiteren Anlauf. „Demokratie - eine szenische Reflexion in Kooperation mit der der Akademie für Gesprochenes Wort“, lautet dann der Titel. Es gibt noch Karten.
