Dia de los Muertos in Stuttgart: Der Tag der Toten zieht etliche Besucher ins Wizemann
Vor dem Eingang bietet ein Imbissstand Taccos an. Das freundliche Einlass-Personal wird von der Skulptur einer Dame mit grinsendem Totenschädel flankiert: La Catrina ist eine Ikone des Dia de los Muertos. Kreiert von Kupferstecher José Guadalupe Posada gehört sie zum Tag der Toten wie die Ofrenda, der geschmückte Gedächtnisaltar mit Fotos von Verstorbenen, die im Foyer des Wizemann steht. Bereits im 14. Jahr bringen Karla Gallardo und Kraftpaule-Gründer Thorsten Schwämmle das mexikanische Fest nach Stuttgart. Inzwischen ist ein Familiennachmittag mit Kinderprogramm Teil der Veranstaltung. So tummeln sich am Donnerstag vor Einbruch der Dunkelheit Mütter und Kinder mit identischem Totenkopf-Make up, Papas mit Sombrero und Mädchen mit Blumen oder schwarzen Vögeln im Haar in den Räumen des Clubs.
Die Stimmung ist ausgelassen. „Genau das finden wir so fantastisch am ,Dia de los Muertos-Festival’“, sagt Steffen (36). „Ich finde es schön, so positiv mit dem Tod umzugehen.“ Das liegt auch vielen der zahlreichen Besucher näher, als die Schwermut, mit der man dem Thema in unserer Kultur begegnet. „Es ist irgendwie stilvoller, als Halloween“, findet Dana. Die 28-Jährige ist zum Reinschnuppern schon nachmittags vor Ort und freut sich auf das abendliche Programm mit Live-Musik von Los Skeleteros und Burlesque-Tanz von Violetta Poison. Das Schlagzeug steht bereits zwischen großen, leuchtenden Kakteen auf der Bühne. Noch aber gilt die Aufmerksamkeit den Artisten des Jugendcircus Calibastra. Poetischer Tanz mit leuchtenden Nachtfalterflügeln wechselt mit akrobatischem Pyramidenbau und einer Einlage am Cyr, einer Art Rhönrad mit nur einem Reifen.
Verkleidung ist keine Pflicht, für die meisten gehört sie aber dazu. „Man fühlt sich einfach anders“, begründet Sonja ihre Entscheidung. Es gehe darum, aus dem Alltag in eine andere Welt einzutauchen. Für Tatjana Strohmaier, von 2014 bis 2019 Bezirksvorsteherin im Stuttgarter Osten, ist möglicherweise ein angenehmer Nebeneffekt, dass sie mit weißblonden Haar und Gesichtsbemalung erst auf den zweiten Blick erkannt wird. Purismus spielt übrigens keine Rolle. Wer als kleiner Vampir aufkreuzt oder sich Teufelshörnchen aufsetzt, ist herzlich willkommen. Crossover ist erlaubt: Die chinesische Glückskatze auf dem Pult am Bühnenrand winkt eifrig. Sie trägt eine Luca Libre-Maske, die Dienstkleidung der mexikanischen Wrestler. Am Ende zählt zwischen Mariachi-Musik und dem Scheppern der totenkopfbeklebten Ziele beim Dosenwerfen nur eines: Lust an der Lebensfreude im makabren Gewand.




















