Editorial zu 80 Jahre StZ: Dienstleister mit einer Mission

Von links: Anne Guhlich (stv. Chefredakteurin), Johanna Bruckner (Chefredakteurin Digital) und Joachim Dorfs (Chefredakteur StZ) fühlen sich ihrem Auftrag verpflichtet.
LICHTGUTLiebe Leserinnen, liebe Leser, ein Jubiläum lädt dazu ein, in langen Linien zu denken. Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Stuttgarter Zeitung. Seinerzeit war Papiermangel eine große Herausforderung für die mutigen Visionäre rund um den Gründungsherausgeber Josef Eberle. Heute sind es Desinformationskampagnen, die Fragmentierung der öffentlichen Meinung durch digitale Echokammern und die Schwierigkeit etablierter Medien, den digitalen Wandel zu meistern.
In diesen 80 Jahren hat sich die Welt fundamental geändert, und die Stuttgarter Zeitung ist ihr gefolgt. Gleich geblieben ist jedoch die Essenz unserer Arbeit: Eine freie und unabhängige Presse ist das Fundament einer funktionierenden Demokratie. Das klingt gleichermaßen vertraut und fast schon langweilig. Doch der Blick in die hiesige Tagesaktualität und der Kampf gegen die freie Presse in autoritären Staaten zeigen, wie wichtig diese Rolle ist.
„Demokratie ist kein Zuschauersport“
Die Redaktion der Stuttgarter Zeitung versteht sich dabei als Dienstleister am Gemeinwesen. Sie kontrolliert die Macht, deckt Missstände auf und gibt den Schwachen eine Stimme. Unser Anspruch ist, dass unsere Beiträge nicht nur informieren, sondern auch im Alltag helfen, inspirieren, berühren. Wir wollen andere Perspektiven aufzeigen, die es in den Filterblasen nicht gibt, und, ja, wir wollen auch unterhalten. Generationen von Journalistinnen und Journalisten haben mit Leidenschaft und Sorgfalt recherchiert, analysiert und kommentiert. Dabei hat sich die Stuttgarter Zeitung immer als konstitutiver Teil der Stuttgarter Stadtgesellschaft verstanden.
„Demokratie ist kein Zuschauersport“, schreibt der Kommunikationswissenschaftler Bernhard Pörksen aus Tübingen in dem Gastbeitrag, um den wir ihn für diese Ausgabe gebeten haben. Wer aktiv am Gemeinwesen teilnehmen möchte, wer bei Wahlen, etwa der Landtagswahl im nächsten Jahr, sein Kreuz machen will, der braucht verlässliche Informationen. Das ist unser Auftrag. Umgekehrt ist uns bewusst, dass wir diese Aufgabe nur gemeinsam mit Ihnen meistern können. Wir brauchen den Dialog mit Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, mit der Politik, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft. Wir brauchen Ihr Vertrauen, Ihre Kritik und Ihre Unterstützung.
Die Stuttgarter Zeitung ist ein Gemeinschaftswerk. Wir sind stolz darauf, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Wir danken Ihnen für Ihre Treue in den vergangenen Jahren und würden uns freuen, Sie auch in Zukunft begleiten zu dürfen.
Ihre Johanna Bruckner, Joachim Dorfs und Anne Guhlich
