Ehrenamtspreis
: Geschichten, die uns bewegen – weil diese Menschen in Stuttgart etwas bewirken

Mit dem Ehrenamtspreis drücken die Stuttgarter Zeitungen und die Volksbank Stuttgart Wertschätzung für Menschen aus, die sich beispielhaft engagieren. Ein Kommentar von Jan Sellner.
Kommentar von
Jan Sellner
Stuttgart
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Anerkennung für ehrenamtliches Engagement: Holzmännle-Pokal mit Fernsehturm aus dem Kreativatelier des BHZ Stuttgart.

Lichtgut/Leif Piechowski

Eine Fülle von Sprachbildern beschreibt, was Ehrenamt ist: „Motor der Demokratie“, „Atem“, „Rückgrat“, „Kitt“ oder „Säule“ der Gesellschaft: Jedes dieser Bilder trifft zu. Und doch sind diese Bilder immer auch unvollständig. Denn „das Ehrenamt“ ist keine statische Sache, sondern eine Haltung, die sich in einer enormen Vielfalt von Formen und Aktivitäten äußert. Was mit dem althergebrachten Begriff „Ehrenamt“ bezeichnet wird, setzt sich zusammen aus Tausenden von einzelnen Geschichten. Allein in Stuttgart sind rund 200.000 Menschen in der einen oder anderen Form ehrenamtlich engagiert, also jeder dritte Bürger, jede dritte Bürgerin dieser Stadt. Und alle diese Geschichten zusammen lassen das entstehen, was man eine aktive Stadtgesellschaft nennt.

Diese Auswahl der Nominierten steht stellvertretend für die vielen „stillen Helden“

Um diese Geschichten geht es beim Ehrenamtspreis Stuttgarter/Stuttgarterin des Jahres. Es sind Geschichten, von denen es jede wert ist erzählt und wertgeschätzt zu werden. Etwa die Geschichte von Dr. Daniela Köder-Yangyuoru, einer Stuttgarter Ärztin, die in Folge einer Corona-Infektion an ME/CFS leidet, einer Krankheit, die zu extremer Erschöpfung führt. Dennoch bringt sie die Kraft auf, eine Selbsthilfegruppe zu organisieren, der sich schon mehr als 100 Betroffene angeschlossen haben. Ihr Engagement hat viele Leserinnen und Leser dazu bewegt, sie zur Stuttgarterin des Jahres zu wählen.

Oder die ganz anders gelagerte Geschichte von Andreas Gölz und seiner „Rentner-Gang“, ohne die es das ASV-Freibad in Botnang nicht mehr gäbe. Oder das Projekt der ebenfalls zu Stuttgartern des Jahres gewählten Anjuli Aggarwal und Hasan Malla, die mit „Humans of Stuttgart“ junge Stuttgarter mit Migrationshintergrund darin bestärkt, Räume für Begegnungen und in Porträts die Vielfalt der Stadt und der Region abzubilden.

Auf sie entfielen die meisten Stimmen: Die an ME/CFS erkrankte Ärztin Dr. Daniela Köder-Yangyouro war zu der Preisverleihung zugeschaltet.

Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

In ganz anderer Form begegnet uns Ehrenamt in der Arbeit der DRK-Bereitschaft Cannstatt 4, die bei Veranstaltungen aller Art verlässlich da ist – für den Fall, dass sie gebraucht wird. Oder an der Schickhardt-Gemeinschaftsschule, wo sich ein Schüler-Team von Jugendbegleitern gebildet hat, die jüngeren Schülern zur Seite stehen und ohne die vieles an der Schule nicht möglich wäre. Erzählenswert ist auch, was Ute Dümcke unternimmt: Ihre Whatsapp-Gruppe für ältere Menschen hat sich zu einem Netzwerk des Sich-umeinander-Kümmerns entwickelt. Oder das Beispiel von Heidelinde Schipke, die sich im Patientenbegleitservice des Marienhospitals engagiert und auch sonst als „gute Seele“ wirkt.

Oder Marvin Schwarze! Der Schüler der Margarete-Steiff-Schule leistet – unterstützt von seiner Mutter Melanie – vom Rollstuhl aus Vorbildliches in der Schülermitverwaltung. Oder Bärbel Frohnmaier, die sich als Trauerbegleiterin Menschen annimmt, die Angehörige durch Suizid verloren haben. Wiederum ganz anders sieht das Ehrenamt bei Viktoria Stalter aus, die sich für die „Wasenboje“ am Cannstatter Wasen engagiert – einem Schutzraum für junge Frauen. Oder Peter H. Haller und Herbert O. Rau. Ihre Stiftung Stuttgarter Brünnele lässt Brunnen sprudeln, die ohne sie längst versiegt wären.

Diese Auswahl der Nominierten steht stellvertretend für viele andere Geschichten von „stillen Helden“ – auch so ein Sprachbild –, die selbst kein Aufhebens von ihrem Engagement für andere und für die Gemeinschaft machen. Darin liegt dann auch das Verbindende all dieser Engagement-Geschichten: die Bereitschaft, sich für Mitmenschen und die Gemeinschaft einzusetzen. Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten und Volksbank Stuttgart wollen das mit ihrem Ehrenamtspreis weithin sichtbar machen. Ein Anliegen, das OB Frank Nopper beim Festakt unterstützte.

Doch auch dieser Gedanke gehört dazu: Das Ehrenamt ist kein Selbstläufer, nichts, was ohne Zutun einfach so funktioniert. Neben Sichtbarkeit und Wertschätzung braucht es in vielen Fällen Unterstützung. Zudem darf nicht der Eindruck entstehen, das Ehrenamtliche in die Bresche springen, wo primär Staat und Stadt gefordert sind.

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