Einsatz in Stuttgart-Mitte: Wildpinkeln mit Folgen – nach Disko-Besuch festgenommen

Die Polizei legt den jungen Männern Handschellen an, weil sie abhauen wollten.
Peter Kneffel/dpaEin Mann pinkelt nach einem Club-Besuch an der Stuttgarter Eberhardstraße an eine Mauer. So weit so falsch – das tut man nicht. Und wenn die Polizei wie im vorliegenden Fall vorbeikommt, dann nimmt sie dieses Fehlverhalten auf. Das ganze ist eine Ordnungswidrigkeit und wird von der Stadt mit einem Bußgeld geahndet.
Doch ein solcher Zwischenfall verlief in der Nacht zum Sonntag in Stuttgart etwas anders. Danach ermittelt nun die Polizei gegen den Kumpel des Wildpinklers wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte – und der junge Mann erhebt Vorwürfe gegen die Einsatzkräfte. „Ich werde wohl niemals wieder einem Polizisten vertrauen können“, sagt er in einem Tik-Tok-Video zu dem Zwischenfall.
Was war geschehen? Es war nach 4 Uhr in der Nacht zum Sonntag, als die zwei jungen Männer einen Club an der Eberhardstraße verließen. Der Tik-Tokker echauffiert sich in seinem Video über die Unart des Freundes, an ein Haus zu urinieren. Dass die Polizei, die das sah, dafür sorgen muss, dass er bestraft wird – sprich ein Bußgeld bezahlen muss –, das akzeptiert er. Doch sein Kumpel läuft weg – die Polizei holt ihn ein und legt ihm Handschellen an. Das hielt der Tik-Tokker, nach eigenen Angaben auch als DJ tätig, für unangebracht. Was dann geschieht, klingt sehr unterschiedlich, je nachdem, ob man der Polizei zuhört oder dem Betroffenen.
Er ging zu den Beamten und beschwerte sich darüber, dass sein Freund in Handschellen gelegt wurde, erzählt der junge Mann in die Kamera. Von da an eskalierte die Situation. Man habe ihm erklärt, er solle weggehen und sich raushalten, man erteilte ihm einen Platzverweis, erläutert der Polizeisprecher Stephan Widmann. Weil er nicht gegangen sei, habe man ihn festnehmen wollen – „wie zuvor mehrfach angekündigt“ – oder in den Worten des Tik-Tokkers: Man habe ihm gedroht, dass mit ihm das gleiche geschehe wie mit seinem Freund. Da sei der junge Mann weggerannt – was er auch selbst in seinem Video schildert.
Ein Passant habe ihm ein Bein gestellt und er sei gestolpert. Daraufhin sei er festgenommen und „geschlossen“ worden, so der Polizeisprecher. Bei dem jungen Mann klingt es sehr brutal, wie man ihn zu Boden gebracht hat. Er zeigt Schürfwunden. Ob diese vom Sturz nach dem Beinstellen oder von der Festnahme stammten, sei nicht klar, so die Polizei.
Beide junge Männer wurden nach der Feststellung ihrer Identität und der Anzeigenaufnahme wieder freigelassen. Beim Wildpinkler blieb es bei der Ordnungswidrigkeit. Für den Kumpel kommt die Anzeige wegen seines Widerstandes hinzu.
