Eisbaden für das Kinderhospiz in Stuttgart: Frozen Benefiz: Was war bei der Ice-Challenge los?
Die Kälte der Herzen macht das Miteinander im Leben oft schwer. Die Nächstenliebe erfriert, wenn alle nur immer an sich selbst denken. Ice, ice, baby! Wie viel Spaß es machen kann, etwas Verrücktes gemeinsam zu tun, wird am Freitag auf der Halbhöhe der Diemershalde deutlich.
An einem der schönsten Aussichtsorte von Stuttgart versammeln sich Mutige über dem Kessel mit strahlenden Gesichtern. Was Verwegenes hecken sie aus. Viel Feuerwehr ist da. Das Taxi von Schauspieler Ralph Morgenstern kommt nicht durch, so voll ist es. Denn nun passiert etwas, was die Stadt noch nie erlebt hat. Entsteht gar eine neue Tradition? So begeistert sind alle!
Manche mögen’s eiskalt!
Der Berliner Morgenstern, der gerade den Millionär Osgood Fielding verkörpert im fast immer ausverkauften Alten Schauspielhaus im Musical „Sugar“ nach dem Hollywood-Film „Manche mögen’s heiß“, macht sich nicht nackig, wie dies andere tun. Für diese anderen gilt: „Manche mögen’s eiskalt“. Aber „mental“ will Ralph Morgenstern die Eisbadenden unterstützen, die für jede Minute, die sie in der Wanne bibbern, 100 Euro herausholen für das Kinderhospiz, vor dessen Türen diese voll coole Aktion stattfindet.
Die Abmachung ist: Die Inge- und Katja Crisandt-Stiftung zahlt 100 Euro pro Eisnase für die wichtige Einrichtung, die schwerkranken Kindern und Jugendlichen eine möglichst schöne Zeit in einem oft viel zu früh endenden Leben ermöglichen will. 100 Euro pro Minute im Bibber-Becken sind ausgelobt – bei 50 Anmeldungen und etlichen Gästen, die spontan die Hosen runterlassen, kommt da einiges zusammen.
Die Idee stammt von dem Berufsfeuerwehrmann Severin Frank. Der 36-Jährige, als Taucher oft im Einsatz, besitzt daheim im Garten eine Regentonne, die er mit Eiswasser füllt und in die er sich täglich vorm Frühstück hineinsetzt, um seine Immunabwehr zu stärken, um damit also gesund zu bleiben.
Die Posts dazu unter dem Account #firehouse_Athletic_Training gingen durch die Decke. Immer mehr haben die Liebe zum Eis entdeckt und mitgemacht, etwa der frühere Handball-Weltmeister Mimi Kraus. Immer mehr haben damit Geld für das Stuttgarter Kinderhospiz gesammelt.
„Am schlimmsten sind die kalten Zehen“
Manche Menschen werfen sich Eiswürfel in ihre Drinks. Andere steigen zu Eiswürfeln ins Wasser. Wiederum andere nehmen sich am liebsten eins nach dem anderen vor.
Christina Semrau, die Botschafterin des Kinderhospizes, mag’s, wenn Spenden auch noch Spaß macht. Die fröhlichsten Frostbeulen der Stadt lud sie ein, den Abschluss der Aktion auf der Diemershalde zu feiern. Gleichzeitig gewann sie die Inge- und Katja Crisandt-Stiftung als Förderer dafür. Mit ihrer Moderation trägt sie dazu bei, dass sich alle noch wohler fühlen.
Bei Kälte werden Adrenalin und entzündungshemmende Stoffe ausgeschüttet. Zudem empfinden viele das Wärmegefühl, das durch die bessere Durchblutung nach dem Kälte-Kick entsteht, als angenehm. Den Auftakt der Ice-Challenge machen Pflegekräfte des Hospizes. Immer mehr machen’s nach, darunter sind Feuerwehrleute, aber auch Schauspieler Ruben Dietze vom Theater der Altstadt. Im aufgebauten Zelt kann man sich umziehen – keiner soll ins Hospiz rein. Den jungen Bewohnerinnen und Bewohnern drinnen, ist zu hören, gefällt, was vor dem Haus geschieht. Coole Wellen der guten Laune breiten sich aus. Die einen sehen in den Eiswannen entspannt aus, als seien sie im Süden am Meer. Bei anderen wird die Haut immer blasser.
Eiskönginnen und Eiskönige im Glück
Wie sich’s anfühlt? „Am schlimmsten sind die kalten Zehen“, sagt einer im Eisbad, „ansonsten spür’ ich nichts mehr.“ Sein Rat: Schnell reinsteigen, langsam atmen – und schon fühle man sich wie neu geboren.
Frozen Benefiz! Über dem Talkessel sind Eisköniginnen und Eiskönige im Glück.














