Ermittlungen eingestellt: Enttäuschung bei Regenbogenfamilie – Angreifer nicht gefunden

Michaela (Foto) hat gehofft, dass der Angreifer, der ihre Frau verletzt hat, ermittelt werden kann.
© sichtlichmensch/Andy ReinerDie Messerattacke auf die Regenbogenfamilie in Bad Waldsee wird wohl ungesühnt bleiben. Die Staatsanwaltschaft Ravensburg hat mangels Fahndungserfolg ihre Ermittlungen gegen den Unbekannten eingestellt, der in den Abendstunden des 29. Juni 2024 bei einer Auseinandersetzung die zweifache Mutter mit einer Machete oder einem Survivalmesser verletzt hat.
Wie unsere Redaktion berichtete, soll der Tatverdächtige laut Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft mit einer Waffe auf die Oberschenkel und ins Gesicht seines Opfers geschlagen haben. Der etwa vier Zentimeter lange Schnitt auf der Stirn der Frau hatte im Krankenhaus versorgt werden müssen. Die Geschädigte habe durch die Verletzung Schmerzen erlitten, heißt es in dem Schreiben der Staatsanwaltschaft. Trotz umfangreicher Ermittlungen habe der Täter, gegen den wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt wurde, nicht gefunden werden können.
Die Ehepartner hatten den Täter offenbar unterschiedlich beschrieben. Anhand der von einander abweichenden Beschreibung des Täters seien verschiedene Personen überprüft worden, die in Frage kamen. Daraus hätten sich keine neuen Verdachtsmomente ergeben, schreibt sie Staatsanwaltschaft. Der Täter war nach Aussage des Ehepaars mit einem dunkler Roller unterwegs. Er habe einen dunklen Helm getragen.
Jugendliche warfen Eier
Dem Aufeinandertreffen mit dem vermummten Rollerfahrer war ein Angriff einer Gruppe Jugendlicher auf die Familie vorausgegangen, die an ihrem Haus eine große Regenbogenfahne hängen hatte. Mehrere Jugendliche hatten die Fassade des Hauses mit Eiern beschmissen. Die Angegriffenen, die in ihrem Umfeld offen mit der Geschlechtsangleichung eines der beiden Elternteile umgegangen waren, bezeichnen den Angriff als queerfeindlich. Darauf deuten auch die Äußerungen der Jugendlichen hin, von denen sie berichten. Begriffe wie „Schwuchtel“ sollen gefallen sein. Immer wieder sei es in der Zeit zuvor zu nächtlichem Klingeln und Beschimpfungen gekommen.
Am 29. Juni hat sich das Ehepaar dann – so ein Strafbefehl der Ravensburger Staatsanwaltschaft – beim Versuch, die nächtlichen Täter dingfest zu machen, der vorsätzlichen Körperverletzung und der versuchten Freiheitsberaubung schuldig gemacht. Die beiden hatten sich selbst auf die Suche nach den Jugendlichen gemacht. Dabei ist es laut Aussage der vier Jugendlichen zu einer Ohrfeige gekommen. Auch soll das Ehepaar versucht haben, die Jugendlichen bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Kostenpunkt: zwei Strafbefehle über 4000 und 7000 Euro. Der Rollerfahrer soll als Reaktion auf diesen Zwischenfall bei dem Ehepaar aufgetaucht sein und gefragt haben, was beide mit seinem Bruder oder Cousin gemacht hätten. In der Folge kam es dann zu der Messerverletzung.
Einspruch gegen Strafbefehl
Gegen den Strafbefehl in Höhe von insgesamt 11000 Euro wegen vorsätzlicher Körperverletzung und versuchter Freiheitsberaubung haben beide Ehepartner Einspruch eingelegt. Der Termin für die Verhandlung vor dem Amtsgericht Bad Waldsee steht noch nicht fest.
