Erntedankfest in Stuttgart: „Können wir dieses Jahr für die Ernte wirklich danken?“

Erntedank-Wochenmarkt bei der Stiftskirche
Jan Sellner- In Stuttgart wurde der Erntedank-Wochenmarkt an der Stiftskirche mit Gottesdienst gefeiert.
- Kinderchor und Posaunenchor begleiteten die Andacht – Blumen und Erntekörbe waren im Angebot.
- Redner erinnerten an schwierige Bedingungen in der Landwirtschaft und warben für regionale Märkte.
- „Dieses Jahr“ sei die Ernte kleiner, doch es überwiegt Dankbarkeit und die Hoffnung auf „nächstes Jahr“.
- Der Verkaufserlös kommt dem Verein Käpsele zugute, der Kinder und Jugendliche in Stuttgart unterstützt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mit einer Woche feiertagsbedingter Verspätung haben Marktleute und -besucher am Samstag in einem ökumenischen Gottesdienst unter freiem Himmel Erntedank gefeiert. Rechtzeitig zu Beginn der Andacht am Vormittag hatten sich die Regenwolken verzogen. Gute Bedingungen für den Kinderchor der Dommusik St. Eberhard und den Posaunenchor Stuttgart-Rohr, die den Erntedank-Wochenmarkt in der Kirchstraße musikalisch begleiteten, eingerahmt von Blumen und Körben mit Ernteerzeugnissen, die die Besucher anschließend erwerben konnten.
In einem Grußwort erinnerte Finanz- und Wirtschaftsbürgermeister Thomas Fuhrmann an die schwierigen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in diesem Jahr und betonte die Bedeutung einer regionalen Lebensmittelversorgung durch Landwirte und Marktbeschicker in globalen Krisenzeiten. An die Verbraucher appellierte er: „Machen Sie von diesem tollen Angebot auf dem Markt- und Schillerplatz, in der Markthalle und in lokalen Märkten gerne Gebrauch.“
„Können wir dieses Jahr für die Ernte wirklich danken?“, fragte Roswitha Geyer-Fäßler, Vizepräsidentin des Landesbauernverbandes, in die Runde und gab die Antwort selbst: „Ja, wir können danken! Unsere Äpfel sind kleiner, unsere Futtervorräte sind sehr knapp, die Getreideernte ist unterdurchschnittlich. Wir sind dennoch dankbar und haben die Hoffnung, dass es nächstes Jahr besser wird und der Regen wieder kommt.“ Geyer-Fäßler erinnerte an das von der UN ausgerufene internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft. Die wichtige Rolle der Frauen in den Familienbetrieben werde oft nicht gesehen, sagte die Vizepräsidentin des Landesbauernverbandes. Es sei gut, dass die UN die Sichtbarkeit der Frauen vorangestellt habe.
Pfarrerin Monika Renninger sprach von der Freude des Teilens, ausgehend von der biblischen Erzählung von der Speisung der 5000. Auch in unserem reichen Land herrsche Mangel, sagte Renninger. Viele Menschen hätten nicht das Nötigste. Dazu komme ein Mangel an Vertrauen und Gemeinsinn. Es gebe auch einen großen Hunger nach Frieden. Mit Blick auf Krisen und Kriege beklagte sie eine menschengemachte Angst: „Diese Angst ist laut geworden und wirkt verheerend.“ Renninger forderte dazu auf, dem zu begegnen: „Danken und Teilen setzen etwas in Gang. Jesus hat Brot und Hoffnung geteilt, tun wir‘s ihm gleich.“
Das fand auch den Segen von Simone Caliandro, Referentin bei der Katholischen Kirche, die den Erntedank-Wochenmarkt gemeinsam mit Renninger gestaltete. Der Erlös aus dem Verkauf der Blumen und prall gefüllten Markttaschen kommt dem Stuttgarter Verein Käpsele zugute, der Kinder und Jugendliche in Stuttgart unterstützt. Nilgün Tasman, Vorstandsvorsitzende, betonte: „Wir leben in einem Land, in dem niemand hungert. Dennoch gibt es viele Kinder in Stuttgart, die in armen Familien leben.“ An diesem Sonntag, 11. Oktober, 10 Uhr, findet in der Stiftskirche der Erntedankgottesdienst mit Pfarrer Matthias Vosseler statt.

