Fans warten seit Tagen
: Endlich: Hohenheimer Titanenwurz blüht

Darauf haben die vielen Fans von „Surprise“ seit Tagen gewartet. Seit Montagnachmittag blüht das Hohenheimer Exemplar der größten Blume der Welt zum vierten Mal.
Von
Torsten Schöll
Stuttgart

„Surprise“, die Hohenheimer Titanenwurz-Blume, ist am Montag aufgegangen. Der Kolben im Zentrum der Blüte hat am Montag eine Höhe von 2,11 Meter erreicht.

Torsten Schöll
  • Titanenwurz „Surprise“ in Hohenheim blüht seit Montagnachmittag zum vierten Mal.
  • Öffnung verspätete sich wegen Hitze, erwartet war sie für den 23. Juni.
  • Der Kolben erreichte 2,11 Meter – zuvor 2,03 Meter und 1,30 Meter.
  • Der Geruch nach toter Maus lockt Aaskäfer und Fliegen an.
  • Besuch im Sammlungsgewächshaus: Montag bis 22 Uhr, Dienstag von 10 bis 20 Uhr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Hohenheimer Titanenwurz „Surprise“ hat ihrem Namen alle Ehre gemacht: Auch für die Experten völlig überraschend hat sie ihre Blütenblätter erst rund eine Woche später geöffnet als ursprünglich prognostiziert. Doch es gibt eine Erklärung für die florale Verspätung: „Wurzi“, wie die Super-Blume an der Universität Hohenheim liebevoll auch genannt wird, war es in den vergangenen Tagen schlichtweg zu heiß.

„Wir hatten die Öffnung der Blütenblätter für den 23. Juni erwartet – spätestens“, sagt der Wissenschaftliche Leiter der Hohenheimer Gärten, Helmut Dalitz, am Montagnachmittag im Sammlungsgewächshaus im Erna-Hruschka-Weg. Tatsächlich aufgegangen ist die Blume dann erst fünf heiße und einen kühleren Tag später. Kurz nach 16 Uhr am Montag war es so weit.

Der Titanenwurz war es tagelang schlicht zu heiß

In den Regenwäldern Sumatras, wo die Titanenwurz-Blumen eigentlich beheimatet sind, ist die Pflanze bei hoher Luftfeuchtigkeit angenehme 25 bis 28 Grad gewöhnt. „Vor der Blüte heizt sich der Kolben der Pflanze auf eine Temperatur von fünf bis zehn Grad über der Umgebungstemperatur auf“, erklärt Dalitz. Der Zweck dieser energiefressenden Prozedur: Mit Hilfe des eigenen Wärmekraftwerks kann die Titanenwurz seine Duftstoffmoleküle besser in die Umgebung verbreiten. Ist es aber bereits rund um die Pflanze so heiß wie in den vergangenen Tagen in Stuttgart, funktioniert der ganze Prozess nicht mehr. „Surprise“ hat, wie wir Menschen, deshalb erst einmal einen Gang zurückgeschaltet.

Wie die Pflanze mit den widrigen Bedingungen tatsächlich umgehen wird, war auch für die Wissenschaftler der Universität nicht absehbar. „Da wir noch nie solche Temperaturen hatten, konnten wir in Deutschland auch niemanden fragen“, sagt Dalitz. So wussten die Fachleute auch nicht, ob die gewaltige Blume irgendwann die Segel streicht und den Blühprozess einfach abbricht.

Mächtiger Kolben erreicht neue Rekordhöhe

Das hat sie zum Glück nicht getan: Am Montagmorgen hatte der mächtige Kolben im Zentrum des Blütenkelchs eine stattliche Größe von 2,11 Metern erreicht. Rekord: Bei seiner ersten Blüte in Hohenheim war der Kolben 2,03 Meter hoch, zwei Jahre zuvor nur 1,30 Meter. „Er kann bis morgen sogar noch etwas wachsen“, erklärt Helmut Dalitz.

Nach und nach werden sich in den kommenden Stunden nun die lilafarbenen Blütenblätter immer weiter öffnen, bis der Blütenkelch seine maximale Ausdehnung erreicht hat. Bei den nach wie vor recht hohen Temperaturen kommt im Gewächshaus der „Duft“, den die Titanenwurz jetzt stoßweise absondert, besonders eindrucksvoll zur Geltung. Der Geruch erinnert an tote Maus. Was auf den Menschen abstoßend wirkt, zieht in der Natur Aaskäfer und Fliegen aus weitem Umkreis magisch an.

Erste Besucher kommen kurz nach 16 Uhr ins Gewächshaus

Weil die Universität Hohenheim die gesamte Entwicklung der Blume in den vergangenen Tagen via Livestream ins Internet übertragen hat, fanden sich am Montagnachmittag kurz nach vier Uhr bereits die ersten Besucher im Sammlungsgewächshaus ein. „Wir hatten schon erwartet, dass die Blüte aufgeht, wenn die Temperaturen sinken“, betonen zwei Besucher aus dem nahen Plieningen, die mit die ersten waren, die das Spektakel mit eigenen Augen sehen und mit der eigenen Nase riechen wollten.

Die empfindliche Knolle von „Suprise“, die inzwischen deutlich mehr als 40 Kilogramm wiegt, hat die Universität Hohenheim 2019 vom Palmengarten Frankfurt geschenkt bekommen. 2019 blühte die rund 25 Jahre alte Titanenwurz dann zum ersten Mal in Frankfurt, danach in den Jahren 2021 und 2023 zwei Mal in Hohenheim. Schon damals galt das Hohenheimer Exemplar von Amorphophallus titanum als ausgesprochen blühfreudig. Ihr wissenschaftlicher Name bedeutet so viel wie „riesiger unförmiger Penis“. Wer die gigantische Pflanze in Hohenheim besucht, weiß sofort warum.

Nach nur 24 bis 36 Stunden ist die Titanenwurz verblüht. Wer die Blüte erleben will, hat dazu im Sammlungsgewächshaus im Erna-Hruschka-Weg 2 in den Hohenheimer Gärten am Montag noch bis 22 Uhr Gelegenheit. Am Dienstag hat das Gewächshaus von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

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