Festival „Made in Germany“ in Stuttgart: In Gablenberg auf den Spuren der Wolgadeutschen

Mit einer Performance des Ensembles Waldtraud900 aus Düsseldorf wurde das Festival „Made in Germany“ im Theater Rampe eröffnet.
/Melanie ZaninDas ist doch eine feine Sache: Viele Theateraufführungen anschauen und danach Empfehlungen abgeben, welche Inszenierungen einem besonders gut und welche einem nicht so gut gefallen haben. Möglich macht dies das Forum der Kulturen für seine Festivals „Made in Stuttgart“ und „Made in Germany“, die in dieser Form seit 2015 beziehungsweise seit 2011 im November im jährlichen Wechsel auf verschiedenen Stuttgarter Bühnen stattfinden. Es sind die Bürgerjurys, die so ganz wesentlich die Festivalprogramme gestalten, für die sich Theaterinteressierte bewerben können.

Hier spielen Behinderte und nicht Behinderte zusammen
/Marianne MenkeIn diesem Jahr werden vom 20. bis zum 24. November neun Aufführungen von Gruppen und Künstlern aus ganz Deutschland präsentiert. Sie zeigen Collagen, Komödien, Dokumentarstücke und vieles mehr.
Behinderte und nicht behinderte spielen gemeinsam
Verena Junghans von der Geschäftsstelle des Forums der Kulturen gibt einen Einblick: „Die Produktion mit den meisten Darstellern wird in diesem Jahr am Sonntag, 24. November, um 18 Uhr im Wilhelma-Theater gespielt“. Das ist die Inszenierung „5 Minuten Heimat“ für bis zu zehn Akteure vom Theater ProdArt aus Bremen, die behinderte und nicht behinderte Menschen zusammenführt. Es sind Menschen, die ihre geografische Heimat verlassen haben. Sie sind ausgewandert oder geflohen – vor der Politik ihres Landes, vor kulturellen oder sozialen Zwängen, vor ihrer Nachbarschaft oder ihren Familien, vor Unverständnis oder vielleicht auch vor sich selbst.
Die kleinste Festivalproduktion ist im Theater La lune zu sehen. Und da nur zwölf Zuschauer pro Aufführung möglich sind, gibt es gleich vier Aufführungen in Gablenberg. Zu sehen ist eine dokumentarische Performance des argentinisch-deutschen Regiepaars Federico und Wenzel Vöcks de Schwindt. Sie folgen den Spuren der Wolgadeutschen, die im 18. Jahrhundert aus dem Hessischen nach Russland auswanderten und 100 Jahre später ihren Weg auf dem amerikanischen Kontinent fortführten. Das Publikum sitzt an einem Tisch, auf dem Fotos, Landkarten, Dokumente und ein Gesangbuch liegen. Mate-Tee wird gereicht. Hier setzen sich die Performer mit vergangener Migration und den Widersprüchen familiärer Identität auseinander.
Interessant für Stuttgart
Weitere spannenden Produktionen gibt es im Theaterhaus, im Theater Atelier, im Theater Rampe und im Theater am Faden, im Jungen Ensemble und im Studio-Theater zu sehen, denn letztlich geht es hier nicht nur um den Geschmack einzelner Jurymitglieder. „Wir haben schon Vorgaben gemacht, welche von den vielen aktuellen Produktionen wir interessant finden für Stuttgart“, sagt Junghans. Die Mischung soll ja stimmen, damit nicht etwa alle aus der Theatermetropole Berlin kommen. Schließlich kann ja heute vieles auf digitalem Weg zuhause angeschaut werden. Und dann gehört es auch zur Aufgabe der Juroren herauszufinden, auf welcher Stuttgarter Bühne die favorisierte Produktion spielen soll: Ist diese räumlich geeignet, gibt es überhaupt einen freien Termin und hat das Ensemble Zeit für ein Gastspiel in Stuttgart. Es gibt also viel zu tun: Deshalb sucht das Forum der Kulturen auch jetzt schon wieder Juroren für das nächste Festival „Made in Stuttgart“.