Flüchtlingsreporter: Bangen um die Ausreise eines syrischen Journalisten

Die Menschen in Syrien leiden unter den Luftangriffen.
EPATürkei/Stuttgart - Drei erfolglose Versuche liegen schon hinter Mohamed Al Sheikh Ali, in Istanbul in den Flieger nach Stuttgart zu steigen. Jedes Mal verweigerten die türkischen Behörden dem syrischen Journalisten kurzfristig die Ausreise. „Er ist darüber natürlich frustriert“, sagt Jens-Uwe Thomas von Reporter ohne Grenzen, der Kontakt zu Al Sheikh Ali hat. Die Organisation versucht seit Wochen, den Syrer, seine Frau und sein im September geborenes Baby hierher zu holen.
Die Probleme, auf die sie im Fall von Al Sheikh Ali gestoßen sind, sind neu für Reporter ohne Grenzen. Zehn syrischen Journalisten hätten sie im vergangenen Jahr helfen können, ohne auf diese Widerstände zu stoßen, berichtet der Referent für Nothilfe und Flüchtlingsarbeit. Entsprechend hofft Thomas, dass der vierte Anlauf einen guten Ausgang hat und die Familie planmäßig um 13.45 Uhr in Stuttgart landet.
Noch am Dienstag schien nicht absehbar zu sein, wie lange die Hängepartie für Mohamed Al Sheikh Ali und seine Frau anhält. Der Syrer hatte zuletzt für das Medium Orient TV gearbeitet. Zudem hatte er im Mai 2013 dem Reporter Cedric Rehman, der auch Mitarbeiter der Stuttgarter Zeitung ist, bei einer Reportage über die humanitäre Lage in Nordsyrien unterstützt. Wegen Bedrohungen von Seiten des Islamischen Staats (IS) musste er seine Heimat verlassen. Er lebte zunächst im türkischen Gaziantep, nördlich der syrischen Grenze.
Die Türkei stellt sich bei der Ausreise quer
Reporter ohne Grenzen gelang es, dass die Bundesrepublik den 30 Jahre alten Syrer und seine Familie aufnimmt. Mohamed Al Sheikh Ali hat seit dem 16. Februar ein gültiges Visum. Doch wiederholt hat sich laut Thomas der türkische Migrationsdienst quergestellt, obwohl nach Informationen der Stuttgarter Zeitung nichts gegen den Syrer vorliegt. Mal wurden türkische Dokumente verlangt, die Al Sheikh Ali sich erst noch besorgen musste. Dann sollte die deutsche Botschaft noch den genauen Reisezweck erläutern. Eigentlich sei die Rechtsgrundlage gegeben, ist Thomas verwundert über die Probleme.
Wie aus informierten Kreisen in der Türkei zu erfahren ist, ist Mohamed Al Sheikh Ali kein Einzelfall. Es soll immer wieder bei Syrern vorkommen, die ein Visum für die Bundesrepublik haben, dass ihnen von den türkischen Behörden die Ausreise verweigert wird, weil ihnen zum Beispiel der offizielle türkische Aufenthaltstitel fehlt. Letztlich soll die Ausreise immer gelungen sein, aber erst, nachdem gehöriger bürokratischer Aufwand betrieben wurde. Beim türkischen Migrationsdienst wollte man am Donnerstag auf Anfrage keine Angaben machen.
Familie kommt in einem Hotel unter
Immerhin, zumindest die Stadt Stuttgart scheint sich recht unbürokratisch zu verhalten. „In Stuttgart wurde viel getan“, lobt Jens-Uwe Thomas das hiesige Sozialamt. Dreimal hat die Stadt schon der Familie einen Unterkunftsplatz organisiert, was enormen Aufwand bedeutet, nun steht das vierte Mal an. Zum Glück seien solche Probleme „kein Tagesgeschäft“, wie der Sozialamtsleiter Stefan Spatz sagt. Normalerweise klappe das im ersten Anlauf. Ein Zimmer oder eine Wohnung auf Dauer freizuhalten, sei angesichts der hohen Flüchtlingszahlen nicht möglich, erklärt Spatz.
Die Familie ist – mindestens bis Freitag früh – in einem Hotel in Istanbul untergekommen. An der syrischen Grenze sei das Leben günstiger für sie gewesen, sagt Thomas. Das Ganze sei auch zu einem Kostenproblem geworden– für die Familie und die Organisation Reporter ohne Grenzen, deren Budget begrenzt ist.
Syrien ist inzwischen Schwerpunkt der Nothilfe der Organisation. Aktuell versuchten sie laut Thomas, zwei weitere Journalisten nach Deutschland zu bringen. In diesen Fällen liefen die Verfahren noch. Insgesamt seien sie in Kontakt mit 30 syrischen Journalisten, die entweder noch aus der Region herauswollten oder es bereits geschafft hätten, Asyl zu beantragen.