Flugschau in Backnang: Flugzeugabsturz: 15-Jährige unter den Toten
Backnang - Große Betroffenheit herrscht in Backnang (Rems-Murr-Kreis) nach dem Flugzeugabsturz, bei dem am Sonntagnachmittag im Stadtteil Heiningen zwei Menschen getötet und zwei weitere lebensgefährlich verletzt worden sind. Wie die Polizei am Montag mitgeteilt hat, steht nun die Identität der Unfallopfer fest. Neben dem 67 Jahre alten Piloten des Sportflugzeugs ist bei dem tragischen Unglück eine 15-Jährige aus dem Raum Backnang ums Leben gekommen. Die 44 Jahre alte Mutter des Mädchens sowie ein 30 Jahre alter Mann aus dem Kreis Esslingen schwebten auch am Montag noch in akuter Lebensgefahr. Laut Klaus Hinderer, dem Sprecher der Polizeidirektion Waiblingen, haben sie zahlreiche Knochenbrüche und schwerste Verbrennungen erlitten. In verschiedenen Spezialkliniken werde um ihr Leben gekämpft.
Die Insassen waren Passagiere, die mit der einmotorigen Maschine des Typs DR 400 Robin im Rahmen des vom Luftsportverein Backnang-Heiningen veranstalteten Flugplatzfestes einen Rundflug unternehmen wollten. Gegen 17.10 Uhr, unmittelbar nach dem Start, war der Flieger in einer Höhe von rund 30 Metern nach rechts gekippt, zu Boden gestürzt und sofort in Flammen aufgegangen.
Ratlosigkeit beim Luftsportverein
Günter Ziegler, der Flugbetriebsreferent des Vereins, ist wie alle anderen Mitglieder am Morgen nach dem Unglück noch schockiert und ratlos. Wie es zu dem Absturz habe kommen können, „kann sich bei uns im Moment niemand erklären“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Ob der Pilot einen Fehler begangen hat oder ein technischer Defekt die Ursache für den Absturz ist, sei unklar. Dies untersuche die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, die Montagmittag ihre Ermittlungen zur Absturzursache auf dem Flugplatz in Heiningen fortgesetzt habe. Der Pilot der Maschine sei kein Mitglied des Luftsportvereins Backnang-Heiningen gewesen, so Ziegler.
Darüber, wie es mit dem Flugplatzfest weitergehen soll, will Ziegler zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft geben. „Einen Tag nach diesem tragischen Unglück ist es dafür zu früh“. Zunächst müsse alles analysiert werden. Schon im vergangenen Jahr war bei dem Fest ein Doppeldecker abgestürzt. Der Pilot, einziger Insasse der Maschine, war nur leicht verletzt worden.
Polizei sucht Film- und Fotoaufnahmen der Maschine
Der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper ist ebenfalls „tief betroffen“ von dem Unfall bei dem in seiner Stadt „sehr populären“ Fest. Er habe es am Sonntag rund zwei Stunden vor dem Absturz besucht. Auch ihm sei ein Rundflug angeboten worden, „aber ich musste weiter zu einer anderen Veranstaltung“. Zur Frage, ob Backnang angesichts des schweren Unglücks weiterhin ein solches Fest braucht, hat der Rathauschef noch keine eindeutige Antwort parat. Aus seiner Sicht sei es noch zu früh, dies zu kommentieren oder zur Zukunft der Flugschau eine Stellungnahme abzugeben. „Man muss sich sicherlich Gedanken machen, aber zur richtigen Zeit“, sagt er, „dann, wenn wir Klarheit über die Ursache und die Umstände haben“.
Diese aufklären will neben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung auch die Kriminalpolizei Waiblingen – sie leitet die Ermittlungen. Die Beamten hoffen dabei auf die Mithilfe von Besuchern der Flugschau. Insbesondere von jenen, die die Unglücksmaschine unmittelbar vor dem Absturz gefilmt oder fotografiert haben. Sie werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0 71 51/95 00 zu melden.
April 2012 Der jüngste tödliche Flugunfall in der Region vor dem vergangenen Wochenende ist erst gut vier Monate her: Klaus Lenhardt, Geschäftsführer des Skistockherstellers Leki und erfahrener Kunstpilot, stürzt am 30. April als Co-Pilot in ein Waldstück nahe des Fluggeländes Hahnweide bei Kirchheim (Kreis Esslingen ) und stirbt im brennenden Wrack. Der 24-jährige Pilot überlebt schwer verletzt.
September 2011 In Backnang-Heiningen, exakt am Ort des Unglücks vom Sonntag, stürzt wenige Minuten nach Beginn des Flugplatzfestes am 10. September ein Stearman-Doppeldecker in einen Acker. Der Pilot kommt mit leichten Verletzungen davon.
September 2011 Nur eine Woche zuvor ist am 3. September der Unternehmer Lenhardt beim Oldtimertreffen in Kirchheim knapp einer Katastrohe entkommen. Bei einer Notlandung nahe des Fluggeländes Hahnweide bleibt er unverletzt.
September 2011 Am selben Tag und bei demselben Fliegertreffen stürzt ein Doppeldecker ab, dessen beide Insassen mit leichteren Verletzungen davonkommen.
September 2011 Bei einem weiteren Flugunfall in jenem Monat wird der 68jährige-Pilot eines Ultraleichtflugzeugs bei einer Bruchlandung in Großerlach (Rems-Murr-Kreis) schwer verletzt.
Juni 2011 Bei Segelflugwettbewerben, die auf der Hahnweide starten, stürzt bei Schwäbisch Gmünd ein 55-jähriger Mann aus dem Odenwald ab. Als Ursache gilt hier ein Pilotenfehler.




























