Flugschau in Backnang
: Flugzeugabsturz: 15-Jährige unter den Toten

Große Betroffenheit herrscht in Backnang nach dem Flugzeugabsturz, bei dem am Sonntagnachmittag im Stadtteil Heiningen zwei Menschen getötet und zwei weitere lebensgefährlich verletzt worden sind. Die Mitglieder des veranstaltenden Vereins sind fassungslos.
Von
Jürgen Veit
Stuttgart
  • Flugzeugabsturz: 15-Jährige unter den Toten

    dpa
  • Auf dem Flugplatz in Backnang-Heiningen stürzte am Sonntag ein Kleinflieger mit vier Insassen ab. Dabei starb der 67-jährige Pilot und ein 15-jähriges Mädchen. Die anderen Passagiere überlebten schwer verletzt.

    dpa
  • Ebenfalls am Flugplatz Heiningen ereignete sich schon 20011 ein Unfall bei einer Flugschau: Kurz nach dem Start stürzte die Maschine aufgrund eines Motorschadens ab. Der Pilot überlebte leicht verletzt.

    Sven Friebe
  • Der Absturz eines Hubschraubers beim diesjährigen Flugtag in Metzingen kostete einem Zuschauer das Leben. Während des Starts war er mit seinen Kufen hängen geblieben und abgestürzt. Die umherfliegenden Teile verletzten fünf weitere Menschen.

    dapd
  • Beim Oldtimer-Flugzeugtreffen in Kirchheim unter Teck musste der Pilot und Unternehmer Klaus Lenhart im September 2011 in einem Maisfeld notlanden. Der damals amtierende deutsche Meister im Motorkunstflug blieb unverletzt. Ursache waren Probleme mit dem Motor.

    dapd
  • Nur wenige Monate später, im April 2012, war Lenhart in derselben Maschine Co-Pilot. Ein 24-jähriger Mitflieger übernahm für diesen Flug das Steuer. In einem Waldstück bei Kirchheim zerschellte die Maschine, Lenhart überlebte den Flug nicht.

    dpa
  • Im Juni 2011 kam ein Teilnehmer des Hahnweide-Wettbewerbs ums Leben, als er aus unbekannten Gründen versuchte, auf dem Segelflugplatz Hornberg zu landen. Beim Landeanflug stürzte der erfahrene Pilot mit seiner Maschine plötzlich kopfüber hinab und krachte auf eine Schafweide.

    Walter Laible
  • Am 18. September 2010 kollidierten bei den Oldtimer-Flugtagen in Warngau (Bayern) zwei Flugzeuge, wobei eines abstürzte und Feuer fing. Der Pilot starb. Das andere Flugzeug konnte notlanden.

    Thomas Mattner/dapd
  • Bei einer Flugschau in Schnaittach-Lillinghof bei Nürnberg stürzte ein Doppeldecker ab und raste in die Zuschauermenge. Eine Frau geriet dabei in den Propeller und wurde getötet. 20 weitere Menschen wurden verletzt.

    dpa
  • Der bisher schwerste Unfall bei einer Flugshow ereignete sich 1988 in Ramstein in Rheinland-Pfalz. Beim Flugtag auf der Ramstein Air Base kollidierten drei italienische Militärflugzeuge bei einer komplexen Flugfigur. Der Unfall kostete 70 Menschen das Leben, tausende wurden verletzt. Nach der Katastrophe in Ramstein wurden Kunstflugschauen vorerst verboten, erst drei Jahre später durften sie unter mehreren Bedingungen wieder veranstaltet werden.

    dpa/Kling
  • Flugzeugabsturz: 15-Jährige unter den Toten

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  • Backnang, DEU, 15.03.2012 Obere Walke. © C) Gottfried Stoppel No Model Release

    Gottfried Stoppel
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Backnang - Große Betroffenheit herrscht in Backnang (Rems-Murr-Kreis) nach dem Flugzeugabsturz, bei dem am Sonntagnachmittag im Stadtteil Heiningen zwei Menschen getötet und zwei weitere lebensgefährlich verletzt worden sind. Wie die Polizei am Montag mitgeteilt hat, steht nun die Identität der Unfallopfer fest. Neben dem 67 Jahre alten Piloten des Sportflugzeugs ist bei dem tragischen Unglück eine 15-Jährige aus dem Raum Backnang ums Leben gekommen. Die 44 Jahre alte Mutter des Mädchens sowie ein 30 Jahre alter Mann aus dem Kreis Esslingen schwebten auch am Montag noch in akuter Lebensgefahr. Laut Klaus Hinderer, dem Sprecher der Polizeidirektion Waiblingen, haben sie zahlreiche Knochenbrüche und schwerste Verbrennungen erlitten. In verschiedenen Spezialkliniken werde um ihr Leben gekämpft.

Die Insassen waren Passagiere, die mit der einmotorigen Maschine des Typs DR 400 Robin im Rahmen des vom Luftsportverein Backnang-Heiningen veranstalteten Flugplatzfestes einen Rundflug unternehmen wollten. Gegen 17.10 Uhr, unmittelbar nach dem Start, war der Flieger in einer Höhe von rund 30 Metern nach rechts gekippt, zu Boden gestürzt und sofort in Flammen aufgegangen.

Ratlosigkeit beim Luftsportverein

Günter Ziegler, der Flugbetriebsreferent des Vereins, ist wie alle anderen Mitglieder am Morgen nach dem Unglück noch schockiert und ratlos. Wie es zu dem Absturz habe kommen können, „kann sich bei uns im Moment niemand erklären“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Ob der Pilot einen Fehler begangen hat oder ein technischer Defekt die Ursache für den Absturz ist, sei unklar. Dies untersuche die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, die Montagmittag ihre Ermittlungen zur Absturzursache auf dem Flugplatz in Heiningen fortgesetzt habe. Der Pilot der Maschine sei kein Mitglied des Luftsportvereins Backnang-Heiningen gewesen, so Ziegler.

Darüber, wie es mit dem Flugplatzfest weitergehen soll, will Ziegler zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft geben. „Einen Tag nach diesem tragischen Unglück ist es dafür zu früh“. Zunächst müsse alles analysiert werden. Schon im vergangenen Jahr war bei dem Fest ein Doppeldecker abgestürzt. Der Pilot, einziger Insasse der Maschine, war nur leicht verletzt worden.

Polizei sucht Film- und Fotoaufnahmen der Maschine

Der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper ist ebenfalls „tief betroffen“ von dem Unfall bei dem in seiner Stadt „sehr populären“ Fest. Er habe es am Sonntag rund zwei Stunden vor dem Absturz besucht. Auch ihm sei ein Rundflug angeboten worden, „aber ich musste weiter zu einer anderen Veranstaltung“. Zur Frage, ob Backnang angesichts des schweren Unglücks weiterhin ein solches Fest braucht, hat der Rathauschef noch keine eindeutige Antwort parat. Aus seiner Sicht sei es noch zu früh, dies zu kommentieren oder zur Zukunft der Flugschau eine Stellungnahme abzugeben. „Man muss sich sicherlich Gedanken machen, aber zur richtigen Zeit“, sagt er, „dann, wenn wir Klarheit über die Ursache und die Umstände haben“.

Diese aufklären will neben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung auch die Kriminalpolizei Waiblingen – sie leitet die Ermittlungen. Die Beamten hoffen dabei auf die Mithilfe von Besuchern der Flugschau. Insbesondere von jenen, die die Unglücksmaschine unmittelbar vor dem Absturz gefilmt oder fotografiert haben. Sie werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0 71 51/95 00 zu melden.

April 2012 Der jüngste tödliche Flugunfall in der Region vor dem vergangenen Wochenende ist erst gut vier Monate her: Klaus Lenhardt, Geschäftsführer des Skistockherstellers Leki und erfahrener Kunstpilot, stürzt am 30. April als Co-Pilot in ein Waldstück nahe des Fluggeländes Hahnweide bei Kirchheim (Kreis Esslingen ) und stirbt im brennenden Wrack. Der 24-jährige Pilot überlebt schwer verletzt.

September 2011 In Backnang-Heiningen, exakt am Ort des Unglücks vom Sonntag, stürzt wenige Minuten nach Beginn des Flugplatzfestes am 10. September ein Stearman-Doppeldecker in einen Acker. Der Pilot kommt mit leichten Verletzungen davon.

September 2011 Nur eine Woche zuvor ist am 3. September der Unternehmer Lenhardt beim Oldtimertreffen in Kirchheim knapp einer Katastrohe entkommen. Bei einer Notlandung nahe des Fluggeländes Hahnweide bleibt er unverletzt.

September 2011 Am selben Tag und bei demselben Fliegertreffen stürzt ein Doppeldecker ab, dessen beide Insassen mit leichteren Verletzungen davonkommen.

September 2011 Bei einem weiteren Flugunfall in jenem Monat wird der 68jährige-Pilot eines Ultraleichtflugzeugs bei einer Bruchlandung in Großerlach (Rems-Murr-Kreis) schwer verletzt.

Juni 2011 Bei Segelflugwett­bewerben, die auf der Hahnweide starten, stürzt bei Schwäbisch Gmünd ein ­55-jähriger Mann aus dem Odenwald ab. Als Ursache gilt hier ein Pilotenfehler.

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