„Free Rojava“: „Ich habe Angst um meine Familie“ – Tausende Kurden demonstrieren in Stuttgart
Ahmad Nouzad kam im September 2015 nach Deutschland. Seine Töchter, Geschwister und Eltern leben jedoch weiterhin in Qamischli im Nordosten Syriens, direkt an der Grenze zur Türkei. In diesen Tagen telefoniert der 61-Jährige häufig mit ihnen. „Ich habe große Angst um meine Verwandten“, sagt Nouzad.
In kurdische Autonomieregion Rojava kam es zuletzt zu wochenlangen Kämpfen zwischen der syrischen Übergangsregierung und kurdischen Milizen. Zwar seien seine Angehörigen derzeit in Sicherheit, doch nach Qamischli seien Tausende Menschen vor den Gefechten geflohen und hätten in Schulen und Sporthallen Zuflucht gesucht, berichtet Nouzad. Erst am Freitag wurde ein Waffenstillstandsabkommen erzielt. Sollte es jedoch erneut zu Kämpfen kommen, befürchtet er, dass auch seine Familie fliehen muss.

Ahmad Nouzad hat viele Verwandte in Nord-Syrien. Wegen der Angriffe auf die Kurden, hat er große Angst um sie.
Foto: Frederik HerrmannTausende demonstrieren in Stuttgart für kurdische Autonomieregion Rojava
Um auf die Lage der Kurden in Nord-Syrien aufmerksam zu machen, demonstrierte Nouzad am Samstag in Stuttgart. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 2000 Menschen an der Kundgebung, die Veranstalter – das Demokratische Kurdische Gesellschaftszentrum – sprachen von etwa 6000 Teilnehmenden.
Der Demonstrationszug führte von der Lautenschlagerstraße über die Theodor-Heuss-Straße und die Eberhardstraße bis zum Marktplatz. Zahlreiche Demonstrierende trugen Schilder mit Aufschriften wie „Es lebe der Widerstand in Rojava“ oder „Zöpfe der Freiheit und Widerstand“. Es waren Sprechchöre wie „Es lebe Rojava“, aber auch solche wie „Terrorist Erdogan“, zu hören. Viele zeigten grün-gelbe Fahnen mit der Aufschrift YPJ – einer bewaffneten kurdischen Miliz in Syrien, die als rein weibliche Brigade der YPG (Volksverteidigungseinheiten) gilt.
Auch zahlreiche palästinensische Fahnen waren zu sehen, mit denen Solidarität mit den Kurden bekundet wurde.
Polizei vergibt Platzverweise – Demonstration überwiegend friedlich
Gleichzeitig fand in Stuttgart eine weitere Demonstration statt, die auf Menschenrechtsverletzungen im Iran aufmerksam machen wollte. Sie startete zeitversetzt ebenfalls in der Lautenschlagerstraße. Laut Polizei nahmen daran etwa 1000 Menschen teil.
Die Veranstalter der kurdischen Demonstration forderten die Teilnehmenden mehrfach über Lautsprecher dazu auf, friedlich zu bleiben. „Bitte lasst euch nicht provozieren“, sagte eine Rednerin. „Wir wollen friedlich sein.“ Dennoch kam es zu einer Auseinandersetzung. Die Polizei sprach von einem internen Konflikt. Bei der Abschlusskundgebung war von einem Angriff auf palästinensische Unterstützer die Rede. Die Polizei bezeichnete den Vorfall als „kleineren Zwischenfall“ und sprach Platzverweise aus. Insgesamt sei die Demonstration friedlich verlaufen.
Ausschreitungen bei vergangener kurdischen Demonstration
Auch bei vergangenen kurdischen Demonstrationen in Stuttgart kam es zu Zwischenfällen. Am 21. Januar soll ein Syrer am Rand einer Demonstration angegriffen und mit einem Messer verletzt worden sein. Bei einer anderen Demonstration einen Tag zuvor waren nur wenige Teilnehmer angekündigt, tatsächlich kamen rund 2000. Die Situation eskalierte zeitweise, Demonstrierende sollen Polizisten mit Pyrotechnik angegriffen haben.
Ein weiterer Konflikt ereignete sich am 26. Januar, als kurdische Aktivisten in die Landesgeschäftsstelle der CDU eindrangen. Parteimitglieder gaben an, sich bedroht gefühlt zu haben. Die Aktivisten selbst sprachen hingegen von einer friedlichen Aktion.










