Garagen für Fahrräder
: Start-up testet Idee in Stuttgart – 160 Räder statt 20 Autos

Anwohnerparken fürs Rad: Ein Start-up will in Stuttgart 20 Parkplätze in begrünte Fahrradgaragen verwandeln. Die Stadt fördert das Projekt – aber nicht ohne Anpassungen.
Von
Sarah Lange
Stuttgart
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Fahrradparken vor der eigenen Haustür

VeloDepo/privat

Ein Parkplatz vor der eigenen Haustür? In Stuttgart schwierig, nicht nur für Autofahrer. Immer mehr Menschen fahren in der Stadt Fahrrad und fragen sich daheim, wo sie ihr Gefährt gut parken können. Nicht jeder hat Platz im Keller, Hausflur oder Hinterhof, und selbst wenn, sind gerade teure E- und Lastenräder oft zu schwer und sperrig, um sie dort gut unterzubringen.

Das Start-Up VeloDepo will hier Abhilfe schaffen. Die Dresdner Firma plant im kommenden Jahr 20 Autoparkplätze in Stuttgart in abschließbare Fahrradgaragen umzuwandeln. Anstelle eines Pkws sollen hier jeweils acht Fahrräder geschützt parken können – und obendrauf noch ein Beitrag zur Biodiversität geleistet werden. Denn die Garagendächer sind begrünt, mit Pflanzen, die Wohnraum für Insekten bieten.

Langfristige Anwohnerparkplätze für Fahrräder

Anders als die öffentlichen Fahrradgaragen der Stadt sollen diese Fahrradstellplätze möglichst nah an den Wohnungen der Nutzer entstehen, erklärt Mitbegründerin Anja Klett. In einer Online-Umfrage können sich interessierte Stuttgarter bald auf einen der Stellplätze bewerben, sie sollen langfristig vermietet werden. Sobald geeignete Standorte feststehen, werden die Details mit der Stadtverwaltung geklärt, und wenn alles klappt, könnten Ende des Jahres die ersten Garagen gebaut werden.

„Die größte Herausforderung ist, die Genehmigungen aller Ämter zu bekommen“, sagt Anja Klett. Im öffentlichen Raum haben viele Parteien mitzureden, trotzdem ist es ihrer Firma ein Anliegen, gerade hier die Infrastruktur für Fahrräder zu stärken. Stuttgart ist die erste Kommune, bei der VeloDepo diesen Ansatz umsetzen kann. Pkw-Parkplätze seien ein Politikum, „da will eigentlich keiner ran“. Sie erwartet, dass es auch in Stuttgart Konflikte mit einzelnen Anwohnern geben wird, aber am Ende sei das „eine Frage der Gewöhnung“ und der Kommunikation.

Kritik: Mangelnde Innovation und Reichweite

Das Projekt wird mit rund 65 000 Euro durch den Klima-Innovationsfonds der Stadt Stuttgart gefördert. Ursprünglich hätten mit dieser Finanzspritze drei Radgaragen gebaut werden sollen, doch die Auswahljury kritisierte die mangelnde Innovation und Reichweite des Projekts. Firma und Stadtverwaltung einigten sich anschließend auf einen neues Konzept, nachdem das Start-up nun 20 Garagen mithilfe von Sponsoren selbst finanzieren muss. Die Förderung des Klima-Innovationsfonds soll nur noch für die Bepflanzung der Dächer sowie die Bedarfsermittlung und die Abstimmung mit den beteiligten Ämtern verwendet werden.

Solche Garagen sollen bald auf Stuttgarter Parkplätzen stehen.

Foto: VeloDepo/privat

Die Stadträtin Gabriele Munk von den Grünen sieht den Schwerpunkt der Projekts darin, „das Prozedere mit der Verwaltung einzuüben“. Auch Gerhard Veyhl von den Freien Wählern hat für die Projektförderung gestimmt, die er als „Anschubinvestition“ gutheißt. Im Ausschuss für Klima und Umwelt sahen das Ende Februar einige anders: Die Fahrradgaragen wurden als einziges Förderprojekt nicht einstimmig beschlossen.

Durch die kurzfristigen Änderungen habe die Firma nun „viele Hürden zu nehmen“, sagt Anja Klett. Weil sie die Chance bekommen, das Stadtbild mitzugestalten, wollen sie trotzdem den Versuch wagen. Ihr Konzept soll als „Leuchtturmprojekt“ anschließend auch auf andere Städte übertragbar sein.

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