Gasnetz in Stuttgart: Weißes Auto mit Dach-Propeller: Das steckt hinter dem Messmobil

Dieses Auto ist derzeit öfter auf Stuttgarts Straßen zu sehen. Es soll Gaslecks in der Stadt aufspüren.
Lichtgut/Max Kovalenko- Auffälliges E-Auto prüft in Stuttgart das Gasnetz – es spürt austretendes Methan auf.
- Das Messmobil ersetzt Fußkontrollen: 2095 km Netz, teils weiterhin mit Bodensonden.
- Neue Messtechnik seit März: Messung bis 50 km/h möglich, gefahren wird meist 40 km/h.
- Sensor vorn saugt Luft an, Dach-Anemometer erfasst Wind; ab 15 ppm schlägt das System an.
- Bei Alarm suchen Gasspürer Lecks vor Ort. Für Innenleitungen sind Eigentümer verantwortlich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Menschen schauen auf, wenn sie das wunderliche Mobil sehen. Langsam, leis' und weiß gleitet es durch Stuttgarts Straßen, auf seinem Dach rotieren kleine Flügelblätter. Es nähert sich einem Wohnhaus, immer dichter fährt es an den kleinen Vorgarten heran, hält plötzlich an. Das weiße Gefährt, es wendet, rollt dann auf selbem Weg wieder von dannen. Was ist das bloß?
„Das ist unser Messmobil“, sagt Maximilian Hugger, Sprecher der Stuttgart Netze. Das Mobil ist eine Art elektronischer Spürhund. Es fährt das Stuttgarter Gasnetz ab und prüft es auf ausströmendes Gas. Das sind 2095 Kilometer Wegstrecke, davon 270 Kilometer Hochdruckleitungen, 60 Kilometer Mitteldruck-, 1025 Niederdruck- und 740 Kilometer Anschlussleitungen. Das Messmobil übernimmt dabei Arbeit, die früher zu Fuß erledigt wurde. Eigens dafür geschultes Personal lief die Strecke mit Teppichsonden ab, Meter für Meter. Teppichsonden werden langsam über den Boden geschoben, saugen permanent Luft an und leiten diese zur Analyse an ein Messgerät weiter.
E-Auto mit moderner Messtechnik
Eigentlich ist das Mobil ein normales E-Auto. Doch in seinem Inneren befindet sich moderne Messtechnik. Anfangs konnte man damit nur sehr langsam fahren, weshalb das Messmobil in den vergangenen drei Jahren – so lange ist es bereits im Einsatz – ausschließlich nachts unterwegs war. Das hat sich im März dieses Jahres durch den Einbau neuer Technik geändert. Bis zu 50 km/h schnell kann sich das Fahrzeug während des Messvorgangs mit dem neuen System fortbewegen. Die Mitarbeiter von Stuttgart Netze fahren vorsichtshalber aber lieber nur 40 km/h – da das vielerorts in Stuttgart ohnehin die maximale Fahrtgeschwindigkeit ist, halten sie auch in diesem Tempo den Verkehr nicht auf.
Stuttgart Netze ist als Gasnetzbetreiber der Stadt in der Pflicht, das Gasnetz bis zur Absperreinrichtung bei den Häusern zu überwachen. Im Turnus von zwei Jahren muss der kommunale Betreiber das gesamte Netz jeweils überprüft haben. Mancherorts gelingt das, indem die Mitarbeiter mit dem Messmobil nah an die Gebäude heranfahren. Andernorts müssen sie aussteigen und die letzten Meter zu Fuß und mit Sonde zurücklegen, wie in alten Zeiten.
Über ein Ansaugrohr vorn an der Stoßstange saugt das Messmobil Luft ein und misst den Methangehalt. Parallel dazu dokumentiert ein Anemometer auf dem Dach die Windgeschwindigkeit und die Windrichtung relativ zum Auto. Die Bordelektronik hält zudem Standort und Geschwindigkeit des Autos fest.
2 ppm Methan in der Luft sind normal, erklärt Florian Hild, der das neue Messsystem von Stuttgart Netze mitausgewählt hat. Registriert das Messmobil Methan, den Hauptbestandteil von Erdgas, schlägt es an. Das geschieht immer dann, wenn ein Wert von 15 ppm überschritten wird, auf eine Million Luftteilchen also mehr als 15 Teile Methan kommen. In diesem Fall kommt die bewährte Technik zum Einsatz. Dann werden sogenannte Gasspürer gerufen, die den Bereich mit Bodensonden absuchen, um das potenzielle Leck zu finden.

Lina Rädler und Florian Hild von Stuttgart Netze prüfen vor dem Losfahren, ob das Messmobil anschlägt. Der Sensor befindet sich vorne am Fahrzeug. Hinten im Kofferraum ist die Messtechnik verbaut. Im aktiven Zustand ist ein leises Rattern zu hören.
Lichtgut/Max KovalenkoHaben Vorfälle wie die Gasexplosion in der Stuttgarter Köllestraße im März 2023 etwas verändert? Damals lag der Betrieb des Gasnetzes noch in den Händen der Netze BW, im Jahr 2025 hat die Stuttgart Netze den Betrieb übernommen. „Solche Unfälle passieren“, sagen Sprecher Maximilian Hugger und Lina Rädler, Ingenieurin bei Stuttgart Netze. „Was wir tun können, ist, nach dem neuesten Stand der Technik zu schauen.“ Die undichte Leitung jüngst an der Planckstraße wurde vom Messmobil aufgespürt. Dort stellte es bei einer routinemäßigen Kontrollfahrt kleinste Gaspartikel im Millionstelbereich fest.
Hinter der sogenannten Hauptabsperreinrichtung endet die Verantwortung von Stuttgart Netze, für Innenleitungen, den Gaszählerbereich und die Gastherme sind Hauseigentümerinnen und -eigentümer verantwortlich. Von Natur aus ist Erdgas zwar geruchslos, allerdings mischen Netzbetreiber dem Gas einen unangenehmen, durchdringenden Duftstoff unter. So wollen sie sicherstellen, dass jene, die in den Häusern wohnen, Gaslecks schnell erkennen – auch ohne Hilfe des weißen Messmobils.
