Gastrokultur in Stuttgart: Restaurant-Bestellung mit QR-Code: Setzt sich das durch?

Im Kommen: QR-Code am Tisch scannen und direkt per Smartphone Getränke und Speisen bestellen – samt digitaler Bezahlung (Symbolbild)
IMAGO/Westend61In immer mehr Stuttgarter Restaurants gehört der die klassische Speisekarte auf dem Tisch oder das Warten auf die Bedienung der Vergangenheit an. Stattdessen heißt es: Platz nehmen, QR-Code am Tisch scannen und direkt per Smartphone Getränke und Speisen bestellen – samt digitaler Bezahlung. Was in der Corona-Pandemie vielerorts begann, hat sich inzwischen zu einem festen Bestandteil der Gastronomieszene entwickelt. Ob neu eröffnete Lokale oder bestehende Betriebe – viele setzen mittlerweile auf digitale Systeme, die den Bestellprozess vereinfachen.
Zu den Lokalen, die schon heute auf die digitale Lösung setzen, gehört etwa das erst kürzlich eröffnete Tacolega am Berliner Platz in Stuttgart. Die Gäste bestellen Tacos oder Bier digital am Handy, die Kellnerinnen und Kellner bringen dann Essen und Getränke. Selbst das Trinkgeld geht seinen Weg digital. Aber auch bestehende Restaurants stellen offenbar ihr System um. Unter anderem QQ am Charlottenplatz lässt die Gäste nun das Sushi und auch die Getränke selbst bestellen.

Essen über den QR-Code bestellen – in immer mehr Restaurants ist das üblich.
Foto: IMAGO/Westend61Einer, der offen über den digitalen Bestell- und Bezahlvorgang im Restaurant spricht, ist Marcel Wanek von Banh Mi & Bubbles. Das Restaurant mitten in der Innenstadt in der Eberhardstraße mit asiatischer Küche eröffnete vor einigen Jahren während der Corona-Pandemie. „Für mich spricht für diese Methode nicht nur der Personalmangel“, sagt Wanek. Auch für den Gast könne der digitale Bestellvorgang Vorteile bieten. „In vielen Lokalen dauert es lange, bis überhaupt ein Kellner Zeit findet, dann wartet man noch mal auf Getränke und Essen“, sagt er. Bei ihm werde man quasi mit einem Getränk begrüßt. Dabei gehe es nicht einfach darum, die Gäste so schnell wie möglich abzufertigen, ganz im Gegenteil. Durch die Einsparungen bliebe für die Mitarbeiter mehr Zeit im Restaurant „wirklich Gastgeber“ zu sein. Und auch die heikle Frage: Wer zahlt eigentlich, die ließe sich so bei großen Gruppen vereinfachen, meint er.
Das meist jüngere, urbane Publikum in Restaurants wie QQ, Tacolega oder Banh Mi & Bubbles scheint sich an den digitalen Bestell- und Bezahlvorgängen nicht zu stören. Traditionelle Anhänger der klassischen Wirtshauskultur hingegen dürften die Entwicklung durchaus kritisch sehen – schließlich könnte ein Restaurantbesuch ohne Smartphone auch schnell zum Problem werden.
Entwickler einer App äußert sich
Doch ob sich die Web-Apps schon in den nächsten Jahren wirklich über alle gastronomischen Angebote ausdehnen wird, ist wohl ohnehin fraglich. Florian Rehfeld aus der Nähe von Heidelberg, Softwareentwickler und Programmierer einer solchen App, glaubt nicht, dass sich QR-Codes in den kommenden Jahren flächendeckend in allen Restaurants durchsetzen werden. „Aber vor allem dort, wo Personalmangel herrscht, ist das eine attraktive Lösung“, sagt er. Besonders in Urlaubsregionen werde die digitale Bestellung seiner Erfahrung nach immer stärker nachgefragt.
Die Idee zur der App entstand – wie er erzählt – schon vor rund zehn Jahren. Damals habe er mit einem Freund in einer Kneipe gescherzt, dass es schneller ginge, ein Bier zu bekommen, wenn sie einfach direkt hinter der Bar anrufen würden. „Das war eine klassische Schnapsidee“, erinnert er sich. „Wir mussten damals ewig auf unsere Getränke warten – das musste doch auch anders gehen“, erzählt er. So entstand die Motivation zur Entwicklung einer eigenen Web-App mit dem Namen „Tap 4 Drink“.
Zunächst sei die Akzeptanz gering gewesen, berichtet Rehfeld. „Die Skepsis war groß. Aber spätestens seit Corona hat sich das Konzept durchgesetzt – viele Gäste haben sich in dieser Zeit an QR-Codes gewöhnt.“ Und wie läuft das Geschäft heute? „Wir verzeichnen ein kontinuierliches Wachstum“, sagt er.