Gastronomie in Stuttgart
: Aus dem Juwel im Bohnenviertel wird das Mira

Marcela und Thomas Brenner, die zehn Jahre lang die Weinstube Klink in Degerloch geführt haben, wechseln in die Stuttgarter City: Im früheren Juwel im Bohnenviertel eröffnen sie das Mira, eine Mischung aus Tages- und Tapasbar.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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Aus dem Juwel von Laura Halding-Hoppenheit im Erdgeschoss dieses Fachwerkhauses ist das Mira geworden.

StZN

Die Pfarrstraße gilt als Grenze zwischen den einst zusammenhängenden Altstadtquartieren Bohnenviertel und Leonhardsviertel. Die kurze Strecke zwischen Katharinenstraße und Leonhardsplatz vermischt Geschichte mit Gegenwart. Hier läuft man direkt auf den Chor der Leonhardskirche zu, was den Namen Pfarrstraße erklärt. Auf der einen Seite befinden sich das Züblin-Parkhaus und ein Spielplatz, vis-à-vis sind Kneipen, Handwerksbetriebe und ein Fitnessstudio angesiedelt. In dem markanten Fachwerkhaus mit der Nummer 23, das Stadtgeschichte geschrieben hat, herrscht im Erdgeschoss nun wieder Leben.

Im Oktober 2023 zog Laura Halding-Hoppenheit mit dem Juwel aus

Nach dem Auszug der Stuttgarter Clublegende Laura Halding-Hoppenheit vor anderthalb Jahren – sie war mit ihrem queeren Lokal Juwel nicht auf genügend Resonanz gestoßen – waren die Räume in dem von Grund auf sanierten Gebäude lange verwaist. Jetzt sind das Ehepaar Marcela und Thomas Brenner (auch der 18-jährige Sohn arbeitet mit) mit einem neuen Konzept gestartet – bei ihnen gibt es nun, anders als zuletzt an diesem Ort, auch Essen. Der neue Name Mira leitet sich vom Familiennamen der argentinischen Chefin ab und bedeutet Glück.

So sieht es im Inneren vom Mira aus.

Foto: Brenner

Das Konzept verbindet Tages-Café- und Bar-Kultur mit schwäbisch-argentinischer Küche – und das in einer stilvollen Atmosphäre. Tagsüber werden ofenwarme Croissants, Joghurt mit Früchten angeboten sowie Empanadas, Focaccia sowie hausgemachte Maultaschen. „Wie schon in der Weinstube Klink beziehen wir unsere Lebensmittel aus der Markthalle und dem Wochenmarkt“, sagt Thomas Brenner. Die Karte werde sich saisonal ändern.

Die Küche befindet sich im Untergeschoss. Früher, als sich noch das Restaurant Drei Mohren in diesem Gebäude befand, gab es einen Aufzug für die Speisen. Der ist nach der Sanierung weggefallen. Die Brenners werden nun die Speisen im Keller vorbereiten, über die Treppe hochtragen und dann oben an der Theke fertig zubereiten.

Die Fassade ist 400 Jahre alt, sie stand früher ganz wo anders

Das Haus hat Stadtgeschichte geschrieben. Die Fachwerk-Fassade mit den Figuren von drei Mohren stammt aus dem 16./ 17. Jahrhundert und stand ursprünglich an der Friedrichstraße. Als das Gasthaus dort abgerissen wurde, sorgte ein Bürgerverein in den 1970ern in mühevoller Kleinarbeit dafür, dass die 400 Jahre alte Vorderfront im Bohnenviertel neu aufgebaut wurde.

Um die drei Mohren an der Fassade, die dem damaligen Restaurant den Namen gaben, war in der Stadt ein heftiger Streit um Tradition und Rassismus entbrannt. Zur Sanierung des Gebäudes hatte die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) die Figuren abgenommen – sie kehrten nicht mehr zurück. Gutachter haben inzwischen nachgewiesen: Bei dem Relief handelt es nicht um das Original -es ist eine Kopie.

Die Brenners wollten von Degerloch in den Kessel

Aus der Weinstube Klink sind die Brenners nach zehn Jahren ausgezogen, weil sie, nachdem der Pachtvertrag ausgelaufen war, von Degerlochs Höhen in den Talkessel wollten, in die Innenstadt. Am Abend verwandelt sich ihr neues Bohnenviertel-Café in eine Bar mit einer guten Auswahl an Weinen, Aperitifs und Digestifs – besonders Wermut-Fans werden sich freuen. Hinzu kommen wechselnde Tapas, von Schinken und Oliven bis hin zu Pulpo und Käsevariationen. „Bei uns ist das Essen und das Trinken gleichwertig“, erklärt Thomas Brenner das Konzept. Geöffnet ist das Mira montags bis freitags von 10 bis 22.30 Uhr, samstags von 10 bis 23 Uhr.

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