Gedenktag in Stuttgart: Eine Stimme für die Drogentoten

Vor der Leonhardskirche wurde der Drogentoten gedacht.
Lichtgut/Zophia EwskaDie schwarzen Ballons mit der markanten roten Schleife auf der Vorderseite tanzen am Donnerstagmittag vor der Leonhardskirche in Stuttgart im Wind. Noch sind sie an einem dicken Seil befestigt, bevor es für sie dann gegen 13 Uhr anlässlich des Drogentotengedenktags gen Himmel geht. „Wir passen die Zahl der Ballons immer der Anzahl der Drogentoten im Jahr in Stuttgart an“, erklärt Roland Baur vom Verein Jes in Stuttgart. Insgesamt 21 Menschen seien in Stuttgart im Jahr 2023 in Stuttgart nach offiziellen Statistiken verstorben, führt Baur nach der Kundgebung anlässlich des Drogentotengedenktags weiter aus.
In der gesamten Bundesrepublik beläuft sich die Zahl der Drogentoten nach offiziellen Angaben des Bundesdrogenbeauftragten auf 2227 Menschen. Damit verzeichnet die Statistik einen Anstieg um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Ich bedauere sehr, dass es an dieser Stelle keinen gesellschaftlichen Aufschrei gibt und diese Zahl nicht im breiten Bewusstsein der Bevölkerung angekommen ist“, so Florian Wahl, Vorsitzender des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Integration im Landtag, bei seiner Rede im Rahmen der Kundgebung. „Die Gesellschaft zeigt sich da nicht von ihrer besten Seite. Die Menschen erleben Stigmatisierung und Ausgrenzung“, führt Wahl, der Schirmherr des Gedenktags, weiter aus.
Auch Roland Baur kritisiert die Gleichgültigkeit mancher in Hinblick auf die vierstellige Zahl der Drogentoten in Deutschland: „Ich würde mir wünschen, dass sich jeder Einzelne mehr für das Thema und nicht nur die reißerischen Schlagzeilen interessieren würde.“
Neben den Forderungen an die Gesellschaft stellt das Aktionsbündnis „Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende Stuttgart“, das den Gedenktag jedes Jahr zusammen mit der AIDS-Hilfe Stuttgart organisiert, am Donnerstag auch klare Forderungen in Richtung der Politik. So gehe der große Trend zum Mischkonsum. Dabei werden „verschiedene psychoaktive Stoffe zur gleichen Zeit“ genommen, erklärt Juliane Blanck vom Projekt Take, das zum sicheren Gebrauch von Drogen auf verschiedenen Veranstaltungen berät, am Donnerstag. Diesem Trend entgegne das sogenannte Drug-Checking präventiv. Beim Drug-Checking können Konsumenten ihre Drogen kontrollieren beziehungsweise analysieren lassen. Dies führe wiederum dazu, dass Menschen „wissensbasierte Konsumentscheidungen“ treffen können. Damit würde ein solche Kontrolle „Leben retten“, erklären Juliane Blanck und ihre Kollege Robin Seitter. In vielen anderen europäischen Ländern sei dieses Vorgehen schon allgegenwärtig. In Deutschland brauche es hierfür aber noch die entsprechende Verordnung und Finanzierung. Diese fordern die Redner am Donnerstag von der Politik. Eine Forderung die von den etwa 70 Anwesenden mit Applaus kommentiert wird.