Herr Koch, als Sie 1995 Amtsleiter wurden, war die Stuttgarter Friedhofsordnung streng geregelt. Heute ist sie eine der liberalsten der Republik. Wie kam es dazu?
Mittlerweile ist fast alles erlaubt.
Sie haben also nichts gegen die zunehmende Individualisierung auf unseren Friedhöfen?
Auf dem Hauptfriedhof in Hamburg gibt es ein Grabfeld nur für HSV-Fans. Könnten Sie sich so etwas in Stuttgart vorstellen?
Das mag praktisch sein, aber wenig beeindruckend. Mich faszinieren die riesigen Grabstätten, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Warum darf sich eine wohlhabende Stuttgarter Familie heutzutage kein Mausoleum mehr errichten?
Ein schöner Gedanke, der zu eintönigen Friedhöfen führt.
Viele Leute wollen inzwischen kein normales Grab mehr. Sie wünschen sich, dass ihre Urne einfach unter einem Baum oder anonym auf einer Wiese beigesetzt wird. Ständig eröffnet ein neuer privater Friedwald. Halten Sie diese Entwicklung für bedenklich?
Wird womöglich irgendwann die Friedhofspflicht aufgehoben? In vielen Staaten darf man mit der Asche seines verstorbenen Angehörigen machen, was man will.
Wie ist Ihr Standpunkt?
Genügend Platz für ewige Gräber wäre vorhanden: Der Dornhaldenfriedhof ist vier Jahrzehnte nach seiner Einweihung noch immer eine kaum genutzte riesige Rasenfläche.
Haben Sie einen Lieblingsfriedhof?
Mir ist aufgefallen, dass auf dem Waldfriedhof viele Prominente sehr schlichte letzte Ruhestätten gefunden haben.
Für den desolaten Zustand des fast 400 Jahre alten Hoppenlaufriedhofs ist aber die Stadt verantwortlich.
In Ihrem Buch beschreiben Sie mehr als 200 Stuttgarter Grabstätten. Welche Kriterien haben Sie bei der Auswahl angelegt?
Dann erzählen Sie mir bitte etwas über die Hamburger Schauspielerin Helga Feddersen, die überraschenderweise auf dem Cannstatter Steigfriedhof begraben liegt.