Gestiegene Benzinpreise in Stuttgart
: An der Tankstelle herrscht der Frust

Innerhalb eines Tages ist der Preis für Sprit um rund 30 Cent gestiegen. Bei Stichproben begegnet man an den Zapfsäulen vor allem resignierten Menschen.
Von
Alexander Ikrat
Stuttgart
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ARCHIV - 06.09.2020, Bayern, München: Eine Frau hält an einer Tankstelle an einer Zapfsäule eine Zapfpistole in der Hand und betankt ein Auto. (zu dpa: «Aufwärtstrend bei Spritpreisen verfestigt sich») Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Griff zur Zapfpistole in der Hand schmerzt gerade so manche Verkehrsteilnehmerin. Grund ist die massive Erhöhung der Spritpreise innerhalb von 24 Stunden.

dpa
  • In Stuttgart steigen die Spritpreise binnen 24 Stunden um rund 30 Cent.
  • Mittags herrscht an mehreren Tankstellen Ruhe – viele tankten vor dem Wegfall des Tankrabatts.
  • Genannte Preise: Diesel 1,93 bis 2,12 Euro, Super E10 1,98 bis 2,14, E5 2,04 bis 2,20.
  • Kundinnen und Kunden berichten von Resignation und Frust über die schnelle Preisweitergabe.
  • Einzelne verpassen das günstige Tanken und fühlen sich von Politik und Konzernen benachteiligt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

An den Tankstellen im Stuttgarter Süden geht es um die Mittagszeit äußerst ruhig zu. Kein Wunder: Die Preise für Benzin und Diesel sind zuerst am Dienstagmittag und dann am Mittwochmittag um insgesamt rund 30 Cent angestiegen. Viele Menschen haben sich angesichts des Wegfalls des sogenannten Tankrabatts in der Nacht zum Mittwoch bereits am Wochenende an der Tankstelle ihrer Wahl angestellt, um noch einmal vollzutanken. Auch am Montag- und Dienstagvormittag war noch einiges los. Am Mittwoch dagegen: Ruhe.

„Ich habe es gestern verschnarcht“, sagt Alexander Illic, der seinen Pkw am Mittwochmorgen an einer Tankstelle in Möhringen mit Diesel für 1,93 Euro je Liter betankt. Tags zuvor wären es noch 15 Cent weniger gewesen, aber als seine Partnerin ihn abends darauf hinwies, hatte er keine Lust, noch einmal aufzubrechen. „Es trifft mich nicht so hart, weil ich einen Firmenwagen habe“ , sagt Illic, der im Vertrieb eines Stuttgarter Medizintechnik-Unternehmens unterwegs ist.

Tankrabattcheck in Stuttgart-Möhringen: Alexander Illic

Alexander Illic hat das Tanken vor dem Wegfall des Tankrabatts nach eigenen Angaben „verschnarcht“.

Alexander Ikrat

Der Mann fühlt sich nach eigenen Angaben ziemlich „resigniert“. Alles werde teurer, auch der Benzinpreis, obwohl man doch höre, „dass es im Nahen Osten entspannter sei“. Das aktuelle Leben ist für ihn zwar immer noch machbar, alles in allem fühlt er sich von Politik und Konzernen aber „vorne und hinten verschaukelt“.

„Unverschämt, dass das gleich auf die Kunden umgewälzt wird“

Das gilt auch für eine Managerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte – wie die meisten, mit denen man über die aktuelle Lage spricht. „Es ist unverschämt, dass der Wegfall des Tankrabatts gleich wieder auf die Kunden umgewälzt wird“, sagt die Frau, die ebenfalls im Geschäftswagen unterwegs ist. Sie tankt kurz nach 8 Uhr E5-Superbenzin für 2,04 Euro, das tags zuvor um 11 Uhr an derselben Stelle noch 1,85 gekostet hat und ein paar Stunden später sogar auf 2,20 Euro ansteigt. „Ich habe jedes Mal ein schlechtes Gefühl, wenn ich tanken gehe“, sagt sie, „es macht keinen Spaß“.

Ein Mann um die 40, der an einer anderen Tankstelle gegen Mittag tankt, bezeichnet es derber. Mit der auf zwei Monate befristeten Senkung der Energiesteuer, wie man den Tankrabatt korrekt nennen könnte, fühlt er sich regelrecht „verarscht“. Das sei ein Manöver der Bundesregierung, „so zu tun, als helfe man“. Damit die Bevölkerung still halte. Seiner Ansicht nach müsste man die Bürgerinnen und Bürger bei Steuern, die hoch angesetzt sind, wie Benzinsteuer und auch Tabaksteuer „zumindest jetzt in der wirtschaftlichen Krise dauerhaft entlasten“.

Eine Mittdreißigerin fühlt sich „resigniert“

Eine Mittdreißigerin, die an die Zapfsäule fährt, hat gar nicht mitbekommen, dass es bis Mitternacht einen Tankrabatt gab. Sie muss ein Carsharing-Auto wieder volltanken und spricht wie Alexander Illic ebenfalls von „Resignation“. „Für mich ist alles sehr teuer. Miete, Lebenshaltungskosten“, sagt sie. Und das Tanken natürlich.

Minuten später schaltet die Preistafel bei Diesel von 1,93 auf 2,12 Euro, bei Super E10 von 1,98 auf 2,14 Euro und bei E5 von 2,04 auf 2,20 Euro. An der Tankstelle wird es noch ruhiger.

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