Goldraub-Prozess
: Der zweite Rapper leugnet die Tat

Neues im Goldraub-Prozess: Der 27-jährige Angeklagte sagt, er habe vor dem Überfall Angst bekommen und einen Rückzieher gemacht.
Von
Tim Höhn
Stuttgart
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Stuttgart - Im Goldraub-Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht hat am Dienstag ein weiterer Angeklagter sein Schweigen gebrochen. Der 27-jährige Rap-Musiker Sami H. aus Bonn ließ über seinen Verteidiger erklären, er sei nicht an dem Überfall auf den Goldtransporter bei Ludwigsburg beteiligt gewesen. Zwar habe ihn Xatar, ebenfalls Rapper und einer der Mitangeklagten, dafür angeworben. Aber kurz vor der Tat habe er entschieden, nicht mitzumachen. Er sei in Panik geraten, ihm sei klar geworden, er sei "nicht der Richtige für die Sache".

Drei der fünf Männer auf der Anklagebank haben Geständnisse abgelegt. Besonders Xatar und sein Komplize Max G. bestätigen die Aussagen von Sami H. Die Staatsanwältin aber bleibt dabei: Sie hält den 27-Jährigen für einen der Goldräuber.

Mehrere als Polizisten verkleidete Männer aus dem Raum Bonn haben am 15. Dezember 2009 bei Ludwigsburg den Goldtransporter eines Nürnberger Altgoldhändlers ausgeraubt und Edelmetall im Wert von 1,7 Millionen Euro erbeutet. Weil die Täter nicht wussten, wann genau der Goldtransport startet, waren sie schon am 14. Dezember in Richtung Nürnberg aufgebrochen - und zunächst unverrichteter Dinge nach Bonn zurückgekehrt. Bei diesem ersten Versuch sei er noch mitgefahren, räumte Sami H. am Dienstag ein. Am Abend habe er Xatar dann erklärt, dass er einen Rückzieher mache.

Ist Sami H. nur eingeschränkt schuldfähig?

Die Staatsanwältin hält dies für unglaubwürdig. Die Ermittler waren der Bande auch über deren Telekommunikationsdaten auf die Spur gekommen. Auch Sami H. habe am Tattag "ein sehr auffälliges Telefonverhalten gezeigt", sagt die Staatsanwältin. "Außerdem ist mir nicht klar, was so Schreckliches passiert sein soll, dass er kurzfristig seine Meinung ändert - das halte ich nicht für plausibel."

Die Verteidiger von Sami H. haben am Dienstag ein psychotraumatologisches Gutachten für ihren Mandanten beantragt. Der Hintergrund: Sami H. ist drei Monate vor dem Goldraub bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung in Bonn schwer verletzt worden. Das Gutachten soll klären, ob er in den Wochen danach überhaupt zu einem "geordneten und reflektierenden Verhalten" fähig gewesen sei. Letztlich geht es um die Frage, ob der 27-Jährige eventuell nur eingeschränkt schuldfähig ist.

Der fünfte Angeklagte schweigt derweil weiter. Auch seine Verteidiger haben am Dienstag einen neuen Beweisantrag gestellt. Wann die Beweisaufnahme geschlossen, die Schlussplädoyers gehalten werden und das Urteil gesprochen wird, ist unklar.

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