Grand Café Planie: Vertrag noch nicht unterschrieben – geht die Hängepartie weiter?

Das Grand Café Planie am Karlsplatz in Stuttgart wurde 2020 geschlossen.
Lichtgut/Max KovalenkoWann wird die nahezu unendliche Geschichte um das Grand Café Planie mit einem Happy End belohnt? Noch immer scheinen viele Fragen offen. MdL Friedrich Haag (FDP) wirft dem Land erneute Verzögerungen vor. 2020 ist das Restaurant, eine landeseigene Immobilie, am Karlsplatz nach einer Razzia und dem Entzug der Konzession geschlossen worden. Die Sanierung der Räume hat sich als aufwendig erwiesen und ist auch nach Jahren noch nicht abgeschlossen. Im vergangenen Mai konnte das Finanzministerium immerhin vermelden, man habe die künftigen Pächter ausgewählt.
Die Betreiber von der Garbe bekamen den Zuschlag
Das Gastroduo Robert Ruthenberg und Marius Tim Schlatter, das unter anderem die Garbe in Plieningen betreibt, bekam den Zuschlag. Acht Monate nach dieser Verkündung ist allerdings noch immer kein Vertrag unterschrieben, was die beiden bedauern. „Wir gehen davon aus, dass wir das Grand Café Planie unter neuem Namen übernehmen“, sagt Ruthenberg. Aber sicher sei er sich nicht – denn bisher hat die Landesbehörde Vermögen und Bau ihnen keinen Vertrag zum Unterschreiben vorgelegt. Auch auf den künftigen Namen des Lokals habe man sich bisher nicht geeignet.
MdL Haag wirft dem Land „ein Trauerspiel“ vor
Der FDP-Landtagsabgeordnete Friedrich Haag, der dem Land in dieser Sache immer wieder Druck macht, übt erneut heftige Kritik. „Detaillierte Vertragsverhandlungen als Grund für die weiter andauernde Hängepartie vorzuschieben, wirkt eher wie eine fadenscheinige Ausrede“, klagt er. Stuttgart brauche „keine Dauerbaustelle“, sondern müsse endlich ein beliebtes Gastroobjekt zurückbekommen. Es sei höchste Zeit, „das Trauerspiel zu beenden“, das 2020 begonnen habe.

Das Innere des Grand Café Planie ist eine Baustelle.
Foto: Lichtgut/Max KovalenkoFußball-EM hat die Sanierung aufgehalten
Auf seine Anfrage im Landtag erklärt Gisela Splett (Grüne), die Staatssekretärin im Finanzministerium, man habe durch die Sperrung des Innenstadtbereichs während der Fußball-EM die Bauarbeiten im vergangenen Sommer unterbrechen müssen. Danach seien „Gründungs- und Grundleitungsarbeiten durchgeführt und die Wände des neuen Treppenhauses im zweiten Untergeschoss“ hergestellt worden. Es gebe also viel zu tun, um aus dem Gebäude wieder ein Gastroschmuckstück zu machen. Bis Mai 2025 sollen die Rohbauarbeiten abgeschlossen werden. Danach könne der Ausbau beginnen. Bis Ende des Jahres soll alles fertig sein. Voraussetzung dafür sei ein „störungsfreier Bauablauf“, erklärt Splett.
Die bisherigen Kosten für den Umbau belaufen sich nach ihren Worten auf etwa 1,7 Millionen Euro. Was in dieser Rechnung nicht auftaucht: Seit fünf Jahren erhält das Land keine Pachtzahlungen für diese Immobilie, weshalb erhebliche Einnahmen fehlen.
Finanzministerium weist die Kritik zurück
Sebastian Engelmann, der Sprecher des Finanzministeriums, weist Haags Vorwurf zurück, wonach es erneut zu Verzögerungen gekommen ist. Die „sorgfältige Bearbeitung“ vor dem Unterzeichnen des Vertrags diene dazu, „eine tragfähige Grundlage für alle Parteien zu schaffen“, erklärt er. Die Behörde Vermögen und Bau stimme sich gerade „zu Detailfragen des Vertragsinhalts“ ab.
Die künftigen Pächter Robert Ruthenberg und Marius Tim Schlatter sind nach eigener Aussage „hoch motiviert“. Sie wollen an einem zentralen Ort der Stadt eine neue Gastroattraktion schaffen. Doch es dürfte 2026 werden, bis es losgehen kann.