Hamburger Fischmarkt in Stuttgart
: Cheese, Baby Cheese – mit Krabben, Jever und Shanty

Je später der Nachmittag, umso voller und lustiger ist es am ersten Wochenende des Hamburger Fischmarkts auf dem Karlsplatz geworden.
Von
Petra Mostbacher-Dix
Stuttgart
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Der Hamburger Fischmarkt lockt unzählige Besucher nach Stuttgart.

Lichtgut

„Wie heißt der nochmals Schatz? Hannes Kröger. Er wollte eigentlich aufhören, aber er ist doch wieder dabei Gott sei Dank!“ Martina ist eine der größten Fans des Sängers im blau-weißen Fischerhemd und der Kapitänsmütze auf dem Kopf. Neben seinem Zelt steht sie auf dem Stuttgarter Karlsplatz, wo der Hamburger Fischmarkt zum 36. Mal gastiert. Ihre Freundin hat dem Kröger just ein Stofftierchen geschenkt, einen Wattwurm. „Nehme ich nächste Woche zum Angeln mit, mal sehen wie der beißt“, schmunzelt der, danach „100 Mann und ein Befehl“ von Freddy Quinn ankündigend, dem „Jungen von St. Pauli“. Der mittlerweile 93-Jährige verkörperte die Seemanns-Romantik der Waterkant wie kaum ein anderer. Dabei erblickte der Wahlhamburger in Wien als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl das Licht der Welt. „Für dieses Lied wurde der Freddy sehr angegangen, dabei war es ein Antikriegslied“, erklärt Kröger, bevor er seine sonore Stimme erhebt. An den Tischen wird schon mal vorgeschunkelt. Je später der Samstagnachmittag, umso voller der Fischmarkt und die Tische, umso besser die Stimmung.

Austern oder Krabbenteller: Um die 20 Euro liegt manches Gericht

Das zeigt sich auch an den Ständen. Ob an der Sylter Backfischrutsche, beim Flammlachs, Labskaus, Fischsalat, ob an den Bars mit Jever, Wein, Küstennebel und Cocktails, an den 44 Ständen mit norddeutschen Leckereien und internationalen Getränken werden an diesem ersten Fischmarktwochenende die Schlangen länger. Für lange Gespräche haben da die Hamburger Händler da keine Zeit. „Sorry. Ja, passt alles, ist was los, macht Spaß, läuft prima“, wird der Fragenden freundlich zugeworfen. Hinter den Tresen gehen die Bestellungen hin und her, werden Teller rasant gerichtet. „Ein Mal Thunfisch, ein Mal Austern, zwei Ofenkartoffel mit Nordseekrabben.“ Um die 20 Euro liegt da manches Gericht. „Nicht wenig, aber lecker. Das gönne ich mir mal“, so Student Max, als er für sich und seine Kommilitonen die Krabbenteller abholt. Die Truppe ist von Göppingen nach Stuttgart angereist.

Im Leuchtturm wird Backfisch verkauft.

Foto: Lichtgut

„Tolle Atmosphäre, wir kommen immer her“

Andere kommen mit Tüten vorbei, auf denen die Logos der umliegenden Shops prangen oder machen einen Stopover, bevor es zum Tanzfestival Colours oder zu den Jazz Open geht. „Wir sind wegen des Konzerts hier“, so ein Nürtinger Rentnerpaar. „Sind das erste Mal auf dem Fischmarkt. Wie lange geht der noch? Bis 20. Juli? Wir kommen wieder!“ Die beiden Stuttgarter Ludmillas – „wir heißen wirklich beide so“, lachen sie – waren schon oft da. „Jedes Jahr!“, bestätigen die Enddreißigerinnen. „Hier gibt es Dinge zu essen, die es sonst nicht gibt, das muss man ausnutzen.“ Sie meinen unter anderem die Hansepfanne mit Spargel und Shrimps aus dem Wok. Auch sonst sei viel geboten, das musikalische Programm oder die legendären Hamburger Marktschreier. Einer der bekanntesten zieht schräg gegenüber seine Show ab: Bei „Käse-Fred“ werden „fünf, vier, drei, zwei, eins“ die Tüten gefüllt mit kiloweise „Cheese, Baby Cheese“ und Rabatten. „Digger, da sind wunderbare Kräuter drin, Basilikum und Cannabis drauf“, preist Fred lauthals an, so dass sich selbst zwei Polizisten, die wachsam flanieren, das Grinsen nicht verkneifen können. „Für fünf Euro gibt es noch eine Salami dazu, das regt den Haarwuchs an – da bekommst du eine Matte wie Bob Marley!“ Das Angebot lässt sich der Kaufende mit schütterem Haar nicht entgehen, greift grinsend zu, zumal die Drehorgel von Gerhard Lewert just so schön in dem ihr eigenen Timing einen Shanty leiert.

Manfred Wöhrle mit seiner Frau Hella auf dem Fest

Foto: Lichtgut

Ruhiger, aber keinesfalls ernst, geht es derweil am anderen Eck des Karlsplatzes zu. „Wie kommt das Schiff in die Buddel?“ fragt Oliver Binikowski alias „Bini“ die Eltern und Kinder, die sich um ihn versammelt haben. „Indem man die Segel streift, also einklappt“, antwortet ein frühwissender Grundschüler wie aus der Pistole geschossen. „Das habe ich mal gesehen.“ Bini nickt aufmunternd: „Na mal sehen, lass uns mal ausprobieren, wie wir das Schiff zusammenfalten und in die Flasche kriegen.“ Eine Mutter betont, dass es für Kinder viel zu sehen und zu lernen gebe.

Diese Stimmung, dieser Mix von Menschen und Generationen sei super, schwärmen Hella und Manfred Wöhrle. „Tolle Atmosphäre, wir kommen immer her“, unterstreichen die Stuttgarter unisono. „Die Fischbrötchen mit Matjes und Bismarckhering sind die besten, dazu ein Bier, wunderbar.“ Schade indes findet Hella, dass das hiesige Weindorf im Gegenzug nicht mehr in Hamburg zu Gast sein darf. „Aber wir Stuttgarter sind ja tolerant, freuen uns jedes Jahr, dass der Fischmarkt kommt.“

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