Hilfe gegen Hass im Netz
: Auf der hellen Seite der Medienmacht

Das Landesmedienzentrum besteht seit 100 Jahren, doch die Aufgaben wandeln sich radikal. Heute lernen junge Menschen, sicher durch die digitale Welt zu kommen.
Von
Thomas Faltin
Stuttgart
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  • Schon Grundschüler können sich an den Medienzentren spielerisch mit der Robotik vertraut machen, etwa durch Legobaukästen.

    Landesmedienzentrum
  • In dieser Bildergalerie zeigen wir einige Highlights aus dem schon vor 100 Jahre begründeten Fotoarchiv des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg. Rund zwei Millionen Bilder lagern im dortigen Bestand. Die Auswahl dieser historischen Fotos hat Zita Bugbee vom Bildarchiv des LMZ besorgt. Das erste Bild zeigt die Altstadt von Ulm mit dem Münster im Jahr 1925.

    LMZ000011, Bildautor: Otto Lossen
  • Luftschiff Graf Zeppelin LZ127 nach der Landung in Friedrichshafen, 1936.

    LMZ023012, Bildautor: Robert Bothner
  • Stuttgart: Neue Weinsteige mit Mercedes Benz W21 Typ 200 Cabriolet 1935

    LMZ007788, Bildautor: Robert Bothner
  • Eisenbahnbrücke bei Stuttgart-Bad Cannstatt mit Zug 1907

    LMZ023121, Bildautor: unbekannt
  • Erster Weltkrieg: Sanitäter mit Rettungshund, um 1916

    LMZ025533, Bildautor: Otto Kutter
  • Das Volksfest in Stuttgart - Foto von 1906

    LMZ029706, Bildautor: unbekannt
  • Stuttgart: Hauptbahnhof 1932

    LMZ030627, Bildautor: Robert Bothner
  • Hooverspeisung in Stuttgart 1947

    LMZ029758, Bildautor: Robert Bothner
  • Zwei Bauern aus dem Ries im Fuhrmannskittel um 1900

    LMZ045313, Bildautor: unbekannt
  • Birnau: Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen, Bodenseekreis: Wallfahrtskirche St. Marien mit betenden Nonnen 1934

    LMZ060365, Bildautor: Robert Bothner
  • Reise in die Vergangenheit - Frau mit Kinderwagen und Gasmaske vor UFA - Palast in Berlin, Kurfürstendamm 1943

    LMZ095002, Bildautor: Wolf Strache
  • Heidenheim: Firma Voith, Maschinenbau 1970

    LMZ096727, Bildautor: Hans Steinhorst
  • Photostudien aus dem Erich-Schaefer-Saal des Württembergischen Staatstheaters unter der Leitung des Choreographen Glen Tetley, 1974, Szene „Lady and the fool“ mit Marcia Haydée

    LMZ150323, Bildautor: Rudolf René Gebhardt
  • Schenkenzell: Prozessions-Zug 1910

    LMZ990533: Bildautor: Hugo Hein
  • Rheinbrücke bei Karlsruhe-Maxau 1967

    LMZ300089, Bildautor: Rudolf Moser
  • Karlsruhe: Kreuzung Herrenstraße / Kaiserstraße mit Leuchtreklame, bei Nacht 1955

    LMZ300152, Bildautor: unbekannt
  • Rastatt-Förch: Schlosspark Favorite im Winter 1990

    LMZ325699, Bildautorin: Andrea Rachele
  • Karlsruhe: Rheinhafen mit Treibeis 1956

    LMZ340092, Bildautor: unbekannt
  • Stamm des alten Birnbaums in Öschelbronn 1910

    LMZ410513, Bildautor: Otto Feucht
  • Stuttgart-Bad Cannstatt: Volksfest; Kettenkarussell 1988

    LMZ901341, Bildautor: Sven Grenzemann
  • Bernstadt: Kinder beim Schneeglöcklein pflücken 1926

    LMZ910308, Bildautor: Hans Schwenkel
  • Nabern: Mann mit Stilleben 1939

    LMZ917081, Bildautor: Hans Schwenkel
  • Kletterturm auf Spielplatz am Kalkofen bei Lichtenstein-Holzelfingen 1970

    LMZ955838, Bildautor: Hans Steinhorst
  • Freibad in Stuttgart-Bad Cannstatt ca. 1910

    LMZ960050, Bildautor: unbekannt
  • Gespann mit Bauernbub und Bauernmädchen ca.1920

    LMZ991881, Bildautor: Wilhelm Ganske
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Sehr viele Menschen könnten nicht im Ansatz sagen, was das Landesmedienzentrum eigentlich so treibt – dabei ist es für viele Eltern, Jugendliche, Senioren und nebenbei auch für Historiker oft die Rettung. Wie junge Menschen sich vor Cybermobbing schützen können, weiß das Landesmedienzentrum (LMZ) sehr gut. Wenn man sich als älterer Mensch noch in die Tiefen des Internets stürzen will, wäre man dort an der richtigen Adresse. Und wer als Historiker sein neuestes Buch mit alten Fotos von der Schwäbischen Alb bebildern möchte, wäre dort auch gut aufgehoben.

Diese zunächst fast verwirrende Vielfalt liegt im Ursprung des LMZ begründet. Schon 1920 nahm die sogenannte Stadtbildstelle in Stuttgart ihre Arbeit auf, kurz darauf wurde die Württembergische Bildstelle gegründet. Vor genau 100 Jahren fusionierten die beiden Einrichtungen – der Vorläufer des LMZ war geboren. Dessen Aufgabe war es über viele Jahrzehnte hinweg, die Schulen mit Fotos, Filmen und Leihgeräten zu versorgen. „So sollte der Unterricht anschaulicher werden“, sagt LMZ-Direktor Michael Zieher.

In der Medienbildung liegt heute die Kernkompetenz des LMZ

Es gab bis 2014 sogar eigene Fotografen, die umherreisten und Land und Leute dokumentierten. Die daraus entstandene Mediathek mit zwei Millionen oft einzigartigen Bildern ist von historisch unschätzbarem Wert und kann von jedem genutzt werden.

Heute braucht niemand mehr eine Filmrolle, ein VHS-Abspielgerät oder einen Overheadprojektor, und auch einzelne Fotos werden eher selten noch in den Unterricht integriert. Das Ziel, Lehrer und Schüler in ihren Bedürfnissen zu unterstützen, ist deshalb zwar gleich geblieben, die Art und Weise aber hat sich radikal gewandelt: Medienbildung, darin liegt heute in den 38 Medienzentren in Baden-Württemberg, von denen Stuttgart das größte ist, die Kernkompetenz des LMZ. 300 Mitarbeitende helfen dabei, sich in einer digitalen Welt zurechtzufinden.

Die Palette an Angeboten ist riesengroß. Ganz grundlegend ist die Sensibilisierung für die Risiken im Netz: Was passiert mit meinen Daten, was darf ich mit Bildern machen, wie setze ich Social Media richtig ein? Jeden Freitag von 14 bis 17 Uhr kann man im Stuttgarter LMZ in der Rotenbergstraße in die etwas andere Computerspielschule kommen, wo man pädagogisch geeignete, aber auch populäre Games ausprobieren kann. Oder derzeit läuft die Kampagne „Bitte was?!“, bei der junge Menschen lernen können, wie sie mit Hass und Fakenews im Netz umgehen.

Das Landesmedienzentrum hat sich damit zu einer hellen Seite der Medienmacht entwickelt. Und die positiven Facetten der modernen Technik spielen eine immer größere Rolle. Im Stuttgarter Medienzentrum ist etwa ein Tonstudio eingerichtet, in dem Schüler zu einem Gedicht von Heinrich Heine, den sie gerade im Deutschunterricht behandeln, einen Rapsong dichten können. Auch Podcasts werden dort aufgenommen. Ganz neu ist ein eigenes hochmodernes Fernsehstudio, in dem das Medienzentrum zum Beispiel Tutorials für Schüler produzieren kann.

Michael Zieher leitet das Landesmedienzentrum mit seinen 38 Standorten.

Foto: LMZ

Aber damit ist die Bandbreite noch lange nicht zu Ende. Ganz wichtig ist dem LMZ auch, das technische Interesse der Schülerinnen und Schüler zu stärken. Im Keller in Stuttgart wurde deshalb ein „Maker space“ eingerichtet, in dem man mit verschiedenen Maschinen wie 3D-Druckern oder Lasergeräten T-Shirts gestalten oder Weihnachtskarten basteln kann. Lastwagen mit entsprechender Ausrüstung sind mobil an Schulen unterwegs. Grundschüler können sich mit Legokästen ins Reich der Robotik wagen, für ältere Schüler steht die gute alte Fischertechnik zur Verfügung.

Weiter gibt es Lernportale für die Schüler, die im Unterricht nicht alles sofort verstanden haben oder sich auf eine Prüfung vorbereiten wollen. Der Zugang geht aber nur über die Schule. Und nicht zuletzt entwickelt das Landesmedienzentrum auch Ideen für den Unterrichtsraum der Zukunft, in dem es vielleicht verschiedene Sitzecken und sogar eine kleine Küche geben wird. Gerade wird ein solcher Raum in Stuttgart beispielhaft eingerichtet. „In solchen Räumen ist es ruhiger und es fällt leichter, sich wohl zu fühlen“, sagt Michael Zieher. Er ist stolz auf die Vielfalt der Medienzentren: „In diesem Umfang und in dieser Bandbreite sind wir einzigartig.“

Eigene Lehrkräfte für die Digitalisierung

Allein im Stadtmedienzentrum Stuttgart finden jährlich 200 Veranstaltungen mit zusammen 7500 Teilnehmern statt, berichtet dessen Leiter Hans-Jürgen Rotter. Es könnten noch deutlich mehr sein, aber dazu sind die personellen Ressourcen zu begrenzt. Man setze deshalb verstärkt darauf, Mentoren auszubilden, die das Wissen weitertragen, so Rotter.

Künftig sollen die Themen Künstliche Intelligenz und allgemein die Digitalisierung noch stärker in den Fokus rücken. Man müsse die Digitalisierung viel konsequenter anpacken, sagt Zieher, sonst sei Baden-Württemberg bald nicht mehr das Land der Dichter und Denker. In Estland beispielsweise gebe es an jeder Schule eine Lehrkraft ausschließlich für IT, Medienkompetenz und Digitalisierung. „Das Landesmedienzentrum tut ähnliches, aber in schwächerer Form“, so Michael Zieher. Man kann heraus hören, dass er sich in diesem Bereich deutlich mehr Engagement von Landes und Bund wünscht.

In der Bildergalerie finden sich viele Bilder aus den vergangenen Jahrzehnten aus Baden-Württemberg – vom Volksfest bis zum Badespaß am Neckar.

Das Landesmedienzentrum

Geschichte
Die Stadtbildstelle Stuttgart ist bereits 1920 gegründet worden und lieferte Fotos und Filme für Schulen. Die späteren Landesbildstellen Baden und Württemberg fusionierten 2001 zum heutigen Landesmedienzentrum.

Museum
Am Standort Karlsruhe in der Moltkestraße 64 wird gerade ein Landesmedienmuseum aufgebaut, in dem alte Diaprojektoren und Filmgeräte zu sehen sein werden. Vor allem aber können dort Schüler die heutigen Technologien ausprobieren. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2026 geplant. fal

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