Historisches Volksfest
: Sparen am falschen Ende

Das Historische Volksfest droht dem Sparzwang im Haushalt zum Opfer zu fallen. Das wäre die falschen Entscheidung, findet unser Redakteur Frank Rothfuß.
Kommentar von
Frank Rothfuß
Stuttgart
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Wird es das Historische Volksfest nicht mehr geben?

Andreas Rosar

Es muss gespart werden. 630 Millionen Euro will die Stadt weniger ausgeben, weil die Gewerbesteuer sinkt. Dem droht nun das Historische Volksfest auf dem Schlossplatz zum Opfer fallen. Geplant ist es für 2026. Eine Million Euro soll es kosten. Genau so viel wie die Silvesterparty auf dem Schlossplatz. Und die soll stattfinden. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Da eine Party, die man macht, damit Rabauken nicht den Schlossplatz in Schutt und Asche legen und ihre Mitmenschen in Brand stecken. Und da ein Fest mit alten Karussells, das von der Geschichte dieses Landes erzählt, bei der jüngsten Auflage im Jahre 2022 mehr als 600 000 Menschen anzog, zu dem vor allem Familien und ältere Menschen kommen – und bei dem in einer Woche keine einzige Gewalttat verzeichnet wurde.

Wo das Geld wohl für den Bürger besser angelegt ist? Zumal dort Menschen kommen, denen sowohl das normale Volksfest als auch die Innenstadt zu laut und zu trubelig sind. Eine Chance auch ein Zerrbild zu korrigieren, das leider in der Region kursiert: Stuttgart sei zu dreckig und zu gefährlich. Dass dies nicht stimmt, merkt man halt erst, wenn man mal da war. Doch dafür braucht es einen Anlass; einen verlockenden, einen wie das Historische Volksfest. Und wenn man mal da ist, gibt man auch Geld aus. Für Essen und Trinken natürlich, man geht einkaufen, ins Kino oder Theater. Eine simple Rechnung, die jeder Kaufmann kennt: Wer nichts investiert, bekommt nichts zurück.

Beim Historischen Volksfest fliegen die Schwäne.

Foto: Lichtgut

Apropos sparen. Die erste Auflage des Historischen Volksfestes war 2018, damals erhielt die Stadt weniger Gewerbesteuer als jetzt. Und doch leistete man sich den Rummel. Der Lohn: viele glückliche Besucher. Denn daran sollte man bei allem Sparzwang denken, die Bürger wollten dieses Fest. Sie waren es, die mit zig begeisterten Zuschriften dafür sorgten, dass diese ursprünglich als einmalig geplanten Veranstaltung eine Fortsetzung fand. Alle vier Jahre sollte das Historische Volksfest auf den Schlossplatz kommen, 2022 klappte es – und 2026? Will man wirklich an Lebensfreude sparen? Wem das zu pathetisch ist, der kann ja mal rechnen. 2022 kamen 600 000 Besucher, das Fest kostete eine Million Euro. Macht 1,67 Euro pro Besucher. Gut angelegtes Geld.

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