Hitzetote in Kliniken
: Notarzt: „So etwas habe ich noch nie erlebt“

Die extremen Temperaturen haben am Wochenende in den Stuttgarter Kliniken für volle Notaufnahmen gesorgt. Die Behörden haben eine „Außergewöhnliche Einsatzlage“ ausgerufen.
Von
Regine Warth
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
Die Notaufnahme am Robert-Bosch-Krankenhaus wurde, wie in allen anderen Krankenhäusern in Stuttgart und der Region, von Verletzten überrannt.

Die Notaufnahme am Robert-Bosch-Krankenhaus wurde, wie in allen anderen Krankenhäusern in Stuttgart und der Region, von sehr vielen Patienten aufgesucht, die unter der Hitze gesundheitlich schwer leiden.

RBK/Dominik Obertreis
  • Extreme Hitze überlastete Stuttgarter Kliniken – viele Fälle von Hitzschlag und Dehydrierung.
  • RBK am Samstag mit 140 Notfällen, etwa die Hälfte hitzebedingt; Klinikum meldet 780 Fälle.
  • Mehrere Patienten mit über 40,5 Grad, teils Kaltwasserimmersion oder ECMO nötig.
  • „Außergewöhnliche Einsatzlage“ ausgerufen, mehr Personal und zusätzliche Transporte im Einsatz.
  • Kliniken fordern bessere Ausrüstung: Finanzierung für Klimaanlagen und stabile Notfallstrukturen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Extremhitze hat am Wochenende in den Stuttgarter Kliniken zu einer teils katastrophalen Lage geführt. Außergewöhnlich viele Fälle von Hitzschlag, Dehydrierung und Kreislaufbeschwerden teils mit Todesfolge - so lautet die Bilanz des Hitzewochenendes in den Notaufnahmen des Robert Bosch Krankenhauses Stuttgart (RBK) und des Klinikums Stuttgart. „Wir hatten eine außerordentliche Situation, die ich so zuvor noch nie erlebt habe“, schildert der diensthabende Oberarzt und Notfallmediziner Markus Günther. Allein am Samstag gab es 140 Notfälle im RBK, die Hälfte davon aufgrund von Hitzeschäden. Das Klinikum Stuttgart berichtet von 450 Erwachsenen und 330 Kindern, die Hilfe in den Notaufnahmen des Klinikums benötigten, ein Viertel davon ebenfalls aufgrund der Hitze.

Vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen hatten mit starken gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Teils mussten die Patienten notfallmäßig in Wannen mit Eiswasser heruntergekühlt werden, medizinisch Kaltwasserimmersion genannt. Andere seien an die ECMO, an eine künstliche Lunge, angeschlossen worden, heißt es aus dem RBK.

In den Schockräumen des Klinikums Stuttgart mussten mehrere Patienten mit akutem Hitzschlag und Körpertemperaturen über 40,5 Grad Celsius behandelt werden, berichtet Stephan Lorenz, Leitender Oberarzt der Interdisziplinären Notaufnahme. Es habe „schwerste hitzebedingte Störungen mit Organversagen und neurologischen Komplikationen“ gegeben. „Mehrere Notaufnahmen waren abgemeldet, daher hat es sich am Standort Mitte des Klinikums Stuttgart fokussiert“, so Lorenz.

Notaufnahmen teils abgemeldet

Von Samstag bis Sonntagnacht ist in Stuttgart daher eine sogenannte „Außergewöhnliche Einsatzlage“ (AEL) ausgerufen worden, weil die Kliniken in Stuttgart und Hilfsorganisationen im Gesundheitswesen durch die hohe Zahl von hitzebedingten Betreuungsfällen derzeit am Limit arbeiten. Das ermöglicht, weitere Ressourcen des Katastrophenschutzes hinzuzuziehen. Zum Beispiel können noch mehr Krankentransportwagen zum Einsatz kommen.

Im RBK und im Klinikum ist zudem kurzfristig die Anzahl der Mitarbeitenden erhöht worden. Die Kühl- und Raumlufttechnik des Hauses sei extrem beansprucht und werde in Extraschichten stabilisiert, sagt der medizinische Vorstand des Klinikums Stuttgart, Jan Steffen Jürgensen.

Auch im Diakonie-Klinikum Stuttgart war das medizinische Team vorbereitet: Schon in den Tagen zuvor war ein erhöhtes Aufkommen in der Notaufnahme zu spüren, berichtet Stephan Rauscher, Chefarzt der dortigen Notaufnahme. Neben einigen Schulkindern, die wegen Kreislaufproblemen oder Verdacht auf Sonnenstich in das Diakonie-Klinikum gekommen sind, waren es unter der Woche und vor allem jetzt am Wochenende sehr viele Ältere, die eingeliefert worden sind: „Typische Fälle waren Patienten, die in Dachgeschosswohnungen leben, die sich bei der Hitzewelle sehr aufgeheizt haben“, sagt Rauscher. „Diese hatten keine Möglichkeit mehr, die Temperaturen auch über Nacht herunter zu kühlen, was zu starken körperlichen Beschwerden geführt hat.“

Klinikchef fordert mehr Klimaanlagen für Krankenhäuser

Angesichts des zunehmenden Aufkommens von Hitzewellen, fordern die Stuttgarter Kliniken die Politik dazu auf, Krankenhäuser für solche Extremwetterlagen besser auszurüsten: So mahnt der RBK-Geschäftsführer Mark Dominik Alscher ausdrücklich, bei der Notfallversorgung im Land nicht zu sparen.  „Wenn neue Strukturen wie integrierte Notfallzentren entstehen, ohne dass Personal, Finanzierung und ambulante Anschlussversorgung gesichert sind, wird die Belastung nicht kleiner, sondern nur anders verteilt – im Zweifel zulasten der Krankenhäuser.“

„Es sollte die Möglichkeit genutzt werden,  Klimaanlagen für die Krankenhäuser anzuschaffen.“
Mark Dominik Alscher
Geschäftsführer des Robert Bosch Krankenhauses Stuttgart

Alscher fordert zudem konkrete Hilfen: „Es sollte die Möglichkeit genutzt werden, aus dem bestehendem Transformationsfonds des Bundes, der ein Gesamtvolumen von 50 Milliarden Euro für die Krankenhausreform vorsieht, Klimaanlagen für die Krankenhäuser anzuschaffen.“

Die Stadt Stuttgart hat die Bevölkerung zudem dazu aufgerufen, die Gefahren der Hitze ernst zu nehmen, sich konsequent vor Hitze und Dehydrierung zu schützen und auf körperliche Aktivitäten zu verzichten.

StZ Kompakt - Der Morgen
Montag - Sonntag um 6.00 Uhr
Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.