Hitzewelle in Stuttgart
: Hitze fordert auch Rettungskräfte heraus

Zahlreiche Warnungen haben sensibilisiert: Die hohen Temperaturen sind eine Gesundheitsgefahr. Merken das auch die Rettungsdienste durch mehr Einsätze?
Von
Christine Bilger
Stuttgart
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Rettungswagen - Symbolbild

Die Rettungskräfte müssen beim DRK häufiger ausrücken - bei der Feuerwehr belastet die Hitze die Männer und Frauen stark, wenn es ans Löschen geht.

Sebastian Gollnow/dpa (Symbolbild)
  • Hitze in Stuttgart: DRK meldet in der heißesten Woche einen Einsatzanstieg um 18,1 Prozent.
  • Deutlich mehr „Kollaps/Synkope“-Fälle, plus rund 65 Prozent an zwei ausgewerteten Tagen.
  • Nur sechs Einsätze mit „Hitzschlag/Sonnenstich“; DRK betont Unschärfe des Meldebilds.
  • DRK sieht keine Überlastung, zusätzliche Kapazitäten waren nicht nötig.
  • Feuerwehr: keine höheren Gesamteinsatzzahlen, aber mehr Vegetationsbrände und hohe Belastung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Etliche Warnungen in den Radionachrichten, auf Zeitungsseiten und auch auf Infosäulen in der Stadt, sowie die Warnapps auf dem Handy sprechen eine klare Sprache: Es ist gerade nicht ungefährlich, längere Zeit ohne Schutz vor der Hitze draußen zu sein. Gerade Menschen mit Vorerkrankungen, kleine Kinder und ältere Menschen sollen auf sich aufpassen. Und allen anderen ist auch geraten, sich nicht zu überfordern bei dem extremen Wetter.

Hat das zur Folge, dass die Rettungskräfte von DRK und Feuerwehr im Dauereinsatz sind? Auf Nachfrage unserer Zeitung haben sie die Einsätze der bislang heißesten Woche des Jahres ausgewertet.

Das Deutsche Rote Kreuz in Stuttgart (DRK) hat die Einsätze vom 22. und 23. Juni mit den Montagen und Dienstagen der zurückliegenden sechs Wochen verglichen. Dabei kam heraus, dass tatsächlich gerade mehr zu tun ist: Es sei ein „Anstieg der rettungsdienstlichen Einsätze um durchschnittlich 18,1 Prozent“ zu verzeichnen.

DRK: 65 Prozent mehr Fälle mit Kollaps und Bewusstlosigkeit

Die Sprecherin des DRK, Lisa Renner, teilt mit, dass an den beiden Tagen aber lediglich  bei sechs Fällen das Stichwort „Hitzschlag/Sonnenstich“ angegeben wurde. Das trete sonst so gut wie nie auf. An den zwei betrachteten Tagen stieg die Zahl der Einsätze mit den Stichworten „Kollaps/Synkope“, also Kreislaufversagen mit und ohne Bewusstseinsverlust, um rund 65 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der sechs Wochen davor. „Bei den weiteren untersuchten Einsatzstichworten, wie Allgemeinzustandsverschlechterung, kardiologischer Notfall und Reanimation, wurden keine signifikanten Veränderungen festgestellt“, teilt die DRK-Sprecherin mit.

Lisa Renner vom DRK weist darauf hin, dass es sich bei den Daten um das sogenannte Meldebild handele, also um die Stichworte,  mit denen der Gesundheitszustand der hilfsbedürftigen Personen am Telefon beim Notruf geschildert wurde. Diese Symptome „können, müssen aber nichts mit der Hitzebelastung zu tun haben oder treten in Kombination auf“, betont die Sprecherin. Es müsse von eine gewissen Unschärfe ausgegangen werden. Das Stichwort aus dem Meldebild entspreche nicht der tatsächlichen Diagnose respektive Therapie.

Trotz der gestiegenen Zahlen hat das DRK eine gute Nachricht: „Eine Überlastung des Rettungsdienstes lag zu keiner Zeit vor. Es waren keinerlei zusätzliche Versorgungs- und Transportkapazitäten zu schaffen beziehungsweise erweiterte Maßnahmen zu treffen“, so die DRK-Sprecherin..

Feuer am Grünen Heiner

Bei großer Hitze müssen die Feuerwehrleute am Grünen Heiner löschen.

SDMG (Archiv)

Bei der Feuerwehr ergab die Auswertung der Einsatzstatistik für den zu Ende gehenden Juni „bislang keine signifikante Erhöhung der Einsatzzahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum“, teilt Felix Rall, der Sprecher der Feuerwehr, mit. Die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit würden sich dennoch im Einsatzgeschehen bemerkbar machen.

So habe die Feuerwehr in dieser Woche allein schon zwei große Vegetationsbrände bekämpfen müssen: einen am Hang des Grünen Heiner bei Weilimdorf und einen nahe einem Umspannwerk im Stadtbezirk Zazenhausen. Im zweiten Fall war die Lage brenzlig, denn es musste verhindert werden, dass das Feuer auf das Umspannwerk übergriff.

Die  große Trockenheit habe sich schon früh im Jahr bemerkbar gemacht, unter anderem mit zwei großen Waldbränden. Die Gefahr von Wald- und Flächenbränden steige aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der hohen Temperaturen aktuell weiter an. In Stuttgart ist die Warnstufe für Wald- und für Vegetationsbrände aktuell auf der zweithöchsten von fünf Warnstufen. Die Brandbekämpfung und die zahlreichen Einsätze gehen „mit einer hohen körperlichen Belastung für unsere haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräfte einher“, betont Felix Rall. 

Insbesondere gehen zahlreiche Einsätze mit einer hohen körperlichen Belastung für unsere haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräfte einher.

Ein Bereich sticht für die Feuerwehr hervor: Sie war in diesem Jahr bis einschließlich Mittwoch, 24. Juni, bereits 16-mal bei Bränden am Max-Eyth-See im Einsatz. Das ist die Zahl der Einsätze, die sie dort im gesamten Jahr 2025 hatte.

Zusammenfassend beschreibt der Feuerwehrsprecher die Lage so: „Insgsamt lässt sich festhalten, dass sich die aktuelle Wetterlage zwar bislang nicht in deutlich höheren Einsatzzahlen niederschlägt, die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit auf das Einsatzgeschehen jedoch bereits erkennbar sind.“

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