Aktion in Stuttgart-Bad Cannstatt
: Radfahrer besprüht Fahrbahn

Zu kurzer Radweg und eine Gefahrenstelle. Ein 21 Jahre alter Pendler ärgert sich dermaßen über die Verkehrsführung auf seiner Stammstrecke durch die Schmidener Straße, dass er nachts zur Spraydose greift.
Von
Sebastian Steegmüller
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
  • Mit diesen Botschaften will der Aktivist auf die Gefahrenstelle hinweisen.

    Sebastian Steegmüller
  • Der Beginn des Radwegs an der Haltestelle Obere Ziegelei

    Sebastian Steegmüller
  • Und wenige Meter später ist der Radweg bereits zu Ende.

    Sebastian Steegmüller
  • Wie an einem Tatort: Der Aktivist hat mit einer Schablone die Umrisse einer Leiche auf die Fahrbahn gesprüht, um auf die Gefahrenstelle hinzuweisen.

    privat
  • Klare Botschaft: „Bis einer stirbt“.

    privat
  • Der Aktivist fordert die Verlängerung des Radwegs.

    privat
  • Er kritisiert, dass abgestellte Autos öffentlichen Raum einnehmen.

    privat
1 / 7

Aus Frustration und Wut hat ein Radfahrer in der Nacht auf Donnerstag zu weißer und roter Sprühkreide gegriffen und in der Schmidener Straße in Bad Cannstatt die Fahrbahn an mehreren Stellen bemalt. Unter anderem sind die Fragen „Was soll das?“ und „Euer Ernst?“ auf Höhe der Stadtbahn-Haltestelle Obere Ziegelei, eben am Beginn eines Radwegs, zu lesen. Dieser führt zwar Richtung Fellbach-Schmiden, ist aber gerade einmal 90 Meter lang. In unter einer Minute hat man als Radfahrer das Ende erreicht. Knapp 30 Meter später muss man sich wieder in den fließenden Verkehr einsortieren. „An einer Stelle, an der es gerade in die Steigung geht und man entsprechend langsamer wird“, sagt der junge Mann. „Hier braucht es einen größeren Schutz als beispielsweise in der Gegenrichtung.“

Banner an drei Autos angebracht

nächsten Regenschauern

Drei Banner brachte der Aktivist an geparkten Autos an.

Foto: privat

Mit der nicht angemeldeten Aktion will der 21-Jährige, der sich bei der Redaktion gemeldet hat, auf die „dringend notwendige Verbesserung der Verkehrssicherheit für Radfahrer“ hinweisen. Außerdem prangert er die Stuttgarter Radinfrastruktur an. Zugleich nimmt er Bezug auf die Initiative „Team Vision Zero“ des baden-württembergischen Verkehrsministeriums. Sie hat das Ziel, dass es keine Toten mehr im Straßenverkehr gibt. „Leider wird in der deutschen Radpolitik erst etwas verändert, wenn etwas Ernsthaftes passiert.“

Um möglichst ungestört zu sein, hat sich der Aktivist um 3 Uhr mit seinem Rad samt Anhänger zur Schmidener Straße aufgemacht. „Selbst mitten in der Nacht war dort noch einiges los. Ich habe mir diese Stelle rausgesucht, weil sie auf meiner täglichen Pendelstrecke liegt.“ Er werde dort oft überholt. Viele Autofahrer würden zwar genügend Sicherheitsabstand einhalten. „Ab und an wird es aber auch mal sehr knapp. Diese Stelle gehört entschärft“, sagt der 21-Jährige. Er wünscht sich, dass der Radweg verlängert wird. Der Straßenraum solle viele Pendlern im fließenden, statt nur Einzelnen im ruhenenden Verkehr zur Verfügung stehen.

StZ Kompakt - Der Morgen
Montag - Sonntag um 6.00 Uhr
Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.