Insolvenz in Stuttgart
: Nach Lieferantenpleite: Nächstes Traditionsgeschäft in Stuttgart in der Krise

Die Pleite eines Lieferanten in Portugal trifft Stuttgart hart: Das Spezialschuhhaus Horsch beantragt wegen drohender Zahlungsunfähigkeit frühe Insolvenz – einen Tag nach Felix W.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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Das Schuhhaus Horsch ist seit Jahrzehnten spezialisiert auf Sondergrößen (Archivfoto vom inzwischen geschlossenen Ladengeschäft in der Eberhardstraße).

Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart

Droht Stuttgart ein Frühling der Insolvenzen? Nach dem für viele überraschenden Insolvenzantrag des bisher renommierten Herrenausstatter Felix W. gerät ein weiteres Stuttgarter Unternehmen in Turbulenzen: Die Schuhhaus Georg Horsch GmbH hat beim zuständigen Insolvenzgericht einen frühen Antrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt, teilt Inhaber Felix C. Horsch unserer Redaktion am Samstag mit. Auslöser sei der Insolvenzantrag eines wichtigen Lieferanten in Portugal gewesen – mit unmittelbaren Folgen für das auf Spezialgrößen fokussierte Unternehmen.

Lieferantenausfall trifft Schuhhaus Horsch in schwieriger Handelsphase

Der Lieferantenausfall habe die Warenverfügbarkeit bei Damen-Schuhen in Unter- und Übergrößen (32–35 sowie 43–46) spürbar beeinträchtigt und die Lieferkette gestört, teilt Horsch mit. Er führt das Unternehmen in der dritten Generation und steht für schicke und hochmoderne Schuhe für alle, die auf großem oder kleinen Fuß leben und selten passende Größen finden. „Der Lieferantenausfall in Portugal für dieses ‚komplizierte Produkt‘ hat uns in einer Phase getroffen, in der der gesamte Handel in Deutschland mit Kaufzurückhaltung und hoher Kostenbelastung zu kämpfen hat“, sagt der Geschäftsführer.

Moderne Schuhe in Übergröße – das ist das Spezialgebiet von Schuhhaus Horsch.

Foto: Horsch

Insolvenz des Hauptlieferanten zwingt Horsch zur schnellen Reaktion

Die Herstellung von Schuhen in Spezialgrößen ist kompliziert und ein hoher Aufwand. Da der Hauptlieferant aus Portugal, für den das Stuttgarter Unternehmen in Vorleistung gegangen ist, plötzlich weggebrochen ist und es keine mittelfristige Alternative gibt, wird laut Horsch in absehbare Zeit ein Schaden entstehen für Ware, die nicht gekommen ist. Deshalb habe er rechtzeitig die Reißleine ziehen müssen und von Anfang an seine Mitarbeiter informiert.

Man habe in den vergangenen Monaten alles versucht, um die schwierige Absatzsituation im deutschen Einzelhandel abzufedern. „Der Lieferantenausfall jetzt zum Saisonstart war dann der konkrete Auslöser, der eine schnelle Entscheidung erforderlich gemacht hat“, erklärt Felix C. Horsch. Umso wichtiger sei die klare Botschaft an die Kundinnen und Kunden: „Wir sind weiterhin online wie in unseren beiden Filialen für alle da und arbeiten arbeiten an einer nachhaltigen Sanierung.“

Insolvenzgeld für die 15 Beschäftigten ist gesichert für drei Monate

Die 15 Beschäftigten erhalten ihre Gehälter für drei Monate über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit. Der Geschäftsbetrieb geht also weiter. Der Onlineshop bleibt geöffnet, ebenso die beiden stationären Standorte in Stuttgart-Wangen und Düsseldorf.

Das traditionsreiche Unternehmen ist seit Jahrzehnten im Schuhhandel aktiv und hat sich international einen Namen mit Sondergrößen gemacht. Kunden bestellen von weit her, die Ware wird unter anderem bis nach Dubai verschickt. Das Lager befindet sich im früheren Kodak-Areal in Wangen, wo es nach Unternehmensangaben zuletzt Unstimmigkeiten mit dem Vermieter über Mietkonditionen gegeben habe. .

2023 hat Horsch sein Ladengeschäft in der City geschlossen

Bereits 2023 hatte Horsch sein traditionsreiches Ladengeschäft an der Eberhardstraße in der Stuttgarter Innenstadt geschlossen – ein Schritt, der die strukturellen Veränderungen im Einzelhandel schon damals sichtbar machte. Das Unternehmen verfügt über viele treue Kundinnen und Kunden. Gerade für Menschen, die Schuhe in Über- oder Untergrößen suchen, sei es oft schwer, ein passendes Angebot zu finden. Entsprechend groß ist die Bindung an spezialisierte Händler wie Horsch.

Zur vorläufigen Insolvenzverwalterin wurde Rechtsanwältin Nora Sickeler bestellt. Gemeinsam mit der Geschäftsführung sollen nun die nächsten Schritte folgen: Stabilisierung der Warenversorgung, Sicherung der Fortführung und Gespräche mit Partnern sowie potenziellen Investoren.

„Kundentreue sichert Horschs Zukunft in der Krise“

„Entscheidend ist, dass die Kundinnen und Kunden weiterhin zuverlässig bestellen und einkaufen können – und genau daran arbeiten wir mit Hochdruck“, erklärt Sickeler und fährt fort: „Der Betrieb wird fortgeführt, die Standorte bleiben geöffnet und wir führen Gespräche, um die Versorgung kurzfristig zu sichern. Wer jetzt bei Horsch einkauft, unterstützt das Unternehmen zu stabilisieren und die Grundlage für eine erfolgreiche Sanierung zu schaffen.“

Kundschaft soll Horsch durch Einkäufe unterstützen

Auch das Unternehmen selbst richtet einen Appell an seine Kundschaft: Bestellungen im Onlineshop sowie Einkäufe in Stuttgart und Düsseldorf könnten helfen, den laufenden Betrieb zu stärken und eine tragfähige Zukunftslösung zu ermöglichen.

Bewegt sich der Einzelhandel auf eine neue Insolvenzwelle zu? Hohe Energiekosten, steigende Mieten und eine anhaltende Kaufzurückhaltung setzen viele Händler unter Druck. Gleichzeitig zeigen Beispiele wie Horsch, wie abhängig spezialisierte Anbieter von stabilen internationalen Lieferketten sind.

Noch aber gibt sich das Unternehmen kämpferisch – und setzt darauf, dass die Nische für Sondergrößen auch künftig eine Zukunft hat.

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