Internationaler Ausschuss: Appell für Zusammenhalt in Stuttgart

Die Stuttgarter Welt – die Auswirkungen des Weltgeschehens sind auch hier zu spüren.
Lichtgut/Christoph SchmidtWie lässt sich verhindern, dass die kriegerischen Konflikte im Nahen Osten auf das Zusammenleben in Stuttgart durchschlagen? Diese Frage treibt Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften und Nationalitäten um. Als sogenannte sachkundige Mitglieder des Internationalen Ausschusses der Stadt haben sie jetzt einen Appell „für Menschlichkeit, Differenzierung und Zusammenhalt“ formuliert. Darin heißt es: „Mit großer Sorge beobachten wird die Entwicklungen in Westasien, insbesondere die anhaltende Gewalt in Gaza, Israel, Libanon, Syrien, Irak und im Iran. Kriege, Terror und Zerstörung treffen die Zivilbevölkerung schwer.“ Auch die weltweiten Reaktionen darauf wirkten zunehmend polarisierend. Mit „Westasien“ bezeichnen die Ausschussmitglieder die Region bewusst geografisch. Die historische gewachsenen Bezeichnungen wie „Naher Osten“ oder „Mittlerer Osten“, trügen eine Perspektive in sich, die vielen Menschen mit Bezug zur Region nicht gerecht werde, erklären sie zur Begründung.
Internationale Konflikte mit Auswirkungen auf den Alltag
Wie die 14 sachkundigen Mitglieder in ihrer jetzt von Ausschussmitglied Lior Smith vorgetragenen Stellungnahme betonen, „haben internationale Konflikte längst Auswirkungen auf den Alltag unserer Stadt“. Viele Menschen mit familiären, emotionalen oder kulturellen Bezügen nach Westasien erlebten derzeit Angst, Sprachlosigkeit, Trauer oder das Gefühl, zwischen die Fronten zu geraten. Gleichzeitig würden Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus zunehmen. Demgegenüber betonen die sachkundigen Mitglieder: „Wir erachten es als unsere interkulturelle Verantwortung, Haltung zu zeigen: für die Unantastbarkeit der Menschenwürde, für das Recht auf Leben und Schutz, für Perspektivenvielfalt und für ein friedliches Miteinander in Stuttgart.“ Gerade jetzt brauche es Räume für Austausch, Empathie, Mitgefühl und Aufrichtigkeit. Pauschale Verdächtigungen und Kollektivzuschreibungen gefährdeten den Zusammenleben und würden das Vertrauen in eine offene Gesellschaft untergraben.
„Vielfalt als Stärke erleben“
In der Stellungnahme betonen sie: „Unsere Haltung ist klar: jüdisches Leben in Stuttgart ist untrennbar Teil unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Muslimisches Leben, Exilerfahrungen und Mehrfachzugehörigkeiten ebenso. Wer Demokratie ernst nimmt, muss diese Vielfalt schützen, besonders in schwierigen Zeiten.“ Gleichzeitig verurteilten die Ausschussmitglieder „jede Form Menschenfeindlichkeit, Terror, Gewalt und Hass“. Man stelle sich entschieden gegen eine Relativierung sexualisierter Gewalt, gegen Hetze gegen Jüdinnen und Juden sowie gegen die pauschale Abwertung muslimischer Stimmen: „Unterschiedliche Betroffenheiten erkennen wir an, ohne sie gegeneinander auszuspielen.“
Abschließend heißt es in dem Appell: „Frieden beginnt im Alltag, im offenen Blick füreinander. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, in Stuttgart ein Klima zu bewahren, in dem Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Stärke erlebt wird.“
