Japan-Garten der Wilhelma
: Der Bonsai-Flüsterer – Christian Mikoteit bringt kleine Bäume ganz groß raus

In der Wilhelma gibt es seit Juni einen Bonsai-Garten. Was ist zu sehen und wie werden die Miniaturen gepflegt? Gärtner Christian Mikoteit verrät das Geheimnis der Miniatur.
Von
Iris Frey
Stuttgart
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  • Ein Herz für kleine Bäume: Gärtner Christian Mikoteit

    Iris Frey
  • Blick in den neuen Bonsai-Garten in der Wilhelma neben dem Aquarium mit Brücke und Teich mit den Glänzenden Seerosen (Nymphea candida). Der Garten kann von den Besuchern nur von außen betrachtet werden.

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  • So sind derzeit elf Bonsai im japanischen Garten der Wilhelma zu sehen. Die Bäume in der Schale sind je nach Kultur Symbole für Harmonie, Gleichgewicht, Geduld oder Glück. Ganz vorne rechts die 75 Jahre alte Lärche.

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  • Gärtner Christian Mikoteit kümmert sich um die kleinen Bäume in den Schalen voller Hingabe. Der 48-Jährige ist seit 25 Jahren in der Wilhelma im Bereich Kalthauspflanzen, Kamelien und Subtropenterrassen tätig.

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  • Die Lärche ist nicht ganz mannshoch und zählt zu den ältesten ausgestellten Bonsai, wie Gärtner Christian Mikoteit zeigt.

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  • Auch einen Efeu-Bonsai präsentiert er. Diese Pflanze ist 50 Jahre alt und wurde seit 1987 gestaltet.

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  • Der Bonsai-Werkzeugkasten von Mikoteit mit Kupferdraht zum Formen von Ästen, Zangen, Pinsel und einer Schleifmaschine zum Schleifen der Zangen.

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  • Mikoteit zeigt beispielhaft, wie Äste mit dieser speziellen Zange fachgerecht abgeschnitten werden.

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  • Das ist eine Zange zum Schneiden von Ästen bei Bonsai.

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  • Mit dieser roten Zange können Wurzeln der Miniaturbäume geschnitten werden.

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Sie faszinieren viele Menschen durch ihre Grazilität und Harmonie, die Bonsai. Aus dem Japanischen übersetzt heißen sie „Anpflanzung in der Schale“. Denn: Sie sind einfach die Großform in Klein. Sie blühen wie die Großen zur selben Zeit und tragen auch Früchte. Die Miniaturen sind magisch schön. Das zeigt sich auch beim Besuch des Japan-Gartens in der Wilhelma mit Gärtner Christian Mikoteit. Der 48-jährige gelernte Blumen und Zierpflanzengärtner aus Bünde in Westfalen ist seit genau 25 Jahren in der Wilhelma tätig.

Rund 40 Bonsai-Pflanzen in der Wilhelma

Mikoteit kümmert sich mit Freude und Verantwortung um die rund 40 Bonsai im Stuttgarter zoologisch-botanischen Garten, von denen nicht ganz ein Dutzend gerade im Bonsai-Garten zu sehen sind. Dieser befindet sich auf der Fläche der ehemaligen Anlage für Basstölpel an der Südseite des Aquarium-Gebäudes. Mit rund sieben Tonnen Zierkies, hölzernen Plattformen und Brücken sowie kleinen Wasserfällen wachsen hier nun nicht nur elf Bäume im Miniaturformat in einer japanisch anmutenden Kulisse, sondern auch die weiß blühende Glänzende Seerose aus der eigenen Erhaltungszucht, Holunder Sambucus, eine Schwarzkiefer, ein Ahorn, Zwergbambus, Japanischer Winter-Schachtelhalm, Wurmfarn und Japanisches Berggras sowie die Sumpfpflanze Thalia dealbata Marantaceae.

Die einzelnen Bonsai mit Steinen und japanischen Steinlaternen.

Foto: Iris Frey

Die Bonsai der Wilhelma stammen aus zwei Schenkungen. Die im Garten platzierten Exemplare sind alle winterhart. Stolz zeigt Mikoteit die eindrucksvollen Minitaturen: Vorne steht eine Lärche (Larix decidua Pinaceae). „Sie stammt aus dem Garten der Großeltern des Schenkenden, die 1950 eine Hecke gepflanzt haben“, berichtet der Gärtner. 1989 wurde sie bei der Auflösung geborgen. Seit 2005 ist sie im Besitz der Wilhelma. Ihr stolzes Alter: 75 Jahre. Die Lärche ist gerade mal mannshoch und steht ganz aufrecht. Mikoteit ist fasziniert auch von der Geschichte dieser und anderer Pflanzen.

Ahorn auch für Bonsai-Anfänger geeignet

Ein anderer Bonsai ist eine Hainbuche (Carpinus betulus). Sie stammt von einem Gemeindegrundstück, das als Bauland ausgeschrieben war, und wurde 1989 geborgen. Sie ist 36 Jahre alt und ist derzeit vorne in der Mitte zu sehen. Auch ein Fächer-Ahorn ist zu sehen, der 1975 in einen Hausgarten kam. Der Bonsai ist 50 Jahre alt und gehört zu einer Sorte, die auch für Bonsai-Anfänger geeignet wäre. Als Anfänger-Pflanzen empfiehlt Mikoteit neben Ahorn, Feigenbaum auch eine chinesische Ulme oder eine Linde, denn: „Laubgehölz ist besser formbar.“

Efeu mit japanischer Steinlaterne

Auch ein Efeu-Bonsai, der schon 52 Jahre alt ist, gedeiht hier, neben einer japanischen Steinlaterne, die passend am Wasser steht. Der Efeu stammt aus dem Jahr 1973 aus dem Garten eines Freundes des Schenkenden und wurde seit 1974 von ihm gestaltet. Für Farbe auf der vordersten Plattform des Gartens sorgt derzeit ein Vogelbeerbäumchen mit orangefarbenen Früchten.

Spezialsubstrat mit Maulwurferde aufgelockert

Alle Bonsai wurden dieses Jahr umgetopft. „Das macht man alle zwei bis drei Jahre“, sagt der Gärtner. Sie sind in speziellen japanischen Schalen in Spezialsubstrat gepflanzt, einer gebrannten Ton-Lehm-Mischung (Akadama). „Ich lockere dann noch mit etwas Maulwurfhaufenerde den Boden auf.“ Das Gebiet im Garten ist ideal für die Bonsai, mit Quellwasser mit 16 Grad. Geschnitten werden die Bäume zum Herbst und im Frühjahr ein Nachschnitt. Und dafür hat Mikoteit einen Bonsai-Werkzeugkoffer, den er gerne öffnet und zeigt. Es gibt spezielle Scheren für den Wurzelschnitt und für die Äste. Die Form der Pflanzen, die die Wilhelma bekam, war ja vorgegeben. Mal sind sie bewusst gerade, mal schräg gestaltet. Sie werden so erhalten. Die Idee für den Japan-Garten kam vom Botanik-Chef der Wilhelma, Björn Schäfer. Die Besuchenden seien vom Ergebnis begeistert, sagt der Gärtner.

Im Sommer fragen sie, warum er gieße, obwohl es gerade geregnet habe. Der Grund: Die Pflanzen stehen in flachen Tonschalen, deshalb trocknen die Wurzeln schnell aus. Auch der Klimawandel mache den Gewächsen zu schaffen, etwa extreme Hitzephasen. Manchmal muss Mikoteit auch zweimal am Tag gießen. Aber: Wie bei anderen Pflanzen, macht es die Menge des Gießwassers. Denn: „Man kann auch Bonsai kaputtgießen.“ Das besondere an den Miniaturen ist übrigens: die Kleinen können einmal ganz groß werden – man muss sie nur auspflanzen.

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