Johannes-Kepler-Gymnasium Bad Cannstatt
: Eiersessel, Blütenregale – Designkur für die Bibliothek des Kepler-Gymnasiums

Die Bibliothek des Johannes-Kepler-Gymnasiums hat auch schon Nobelpreisträger inspiriert – nun haben die 572 Schüler einen neu gestalteten Ort, um sich zu treffen und sich Lesestoff zu holen – zu verdanken ist das der Cannstatterin Gülten Yilmaz-Meral.
Von
Iris Frey
Stuttgart
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  • Lob für die von Gülten Yilmaz-Meral (Mitte) neu gestaltete Bibliothek kommt von Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler (von links), Schulleiter Christian Klemmer, Simon Stutz vom Förderverein des Kepler-Gymnasiums und Bibliotheksleiterin Sabine Rudolf.

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  • Gülten Yilmaz-Meral hat in Bad Cannstatt die Schülerbücherei des Johannes-Kepler-Gymnasiums neu gestaltet.

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  • Johannes-Kepler, der Namensgeber der Schule, spielt symbolisch im modern beleuchteten neuen Pult gleich am Eingang der Bibliothek eine Rolle.

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  • Das Pult der Bibliothekarin mit dem neuen Eiersessel. Ihn hat Yilmaz-Meral entworfen und bauen lassen.

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  • Auch das Bücherregal mit floralen Formen hat die Cannstatterin nach ihrem Entwurf bauen lassen. Ein Klavier bietet den Schülern die Möglichkeit zu üben.

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  • Viele neue Details regen zum Nachdenken an, darunter Sprüche von Albert Einstein und Franz Kafka sowie ein Bild mit der mehrsprachigen Schrift des berühmten Steins von Rosette aus dem British Museum in London.

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  • Non scholae sed vitae discimus – Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Das dürfen die Schüler in der Bibliothek erfahren.

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  • Die Planetenuhr haben Schüler für die Bibliothek im Kepler-Gymnasium gestaltet.

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  • Geblieben sind in der Bibliothek die Bücherregale von 1912. Davor stehen die neuen Sessel in Eiform und laden zum Lesen und Zusammensitzen ein.

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  • Gülten Yilmaz-Meral hat die Eiersessel erfunden und in Istanbul nach ihren Plänen herstellen lassen.

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  • Auch ein bequemes Sofa mit einer Natur-Fototapete lädt in der erneuerten Bibliothek zum Verweilen ein.

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  • Vor den anderen Bücherregalen gibt es neue Puzzle-Tische, die sich beliebig zusammenstellen lassen, um in Gruppen zu sprechen, Hausaufgaben zu machen oder zu lernen.

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  • Auch Stiftablagen gibt es in den Tischen.

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  • Gerhard Ertl (Mitte), einst Schüler des Johannes-Kepler-Gymnasiums, erhielt 2007 den Nobelpreis für seine wissenschaftliche Tätigkeit. Inspiriert wurde er von einem Buch über Galileo Galilei – aus der Bibliothek des Kepler-Gymnasiums.

    dpa
  • Auch auf den neuen Hockern ist Platz zum Schmökern - vielleicht sogar für weitere, künftige Nobelpreisträger.

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Neuer Glanz ist eingekehrt in die altehrwürdige Bibliothek des Cannstatter Johannes-Kepler-Gymnasiums, deren Regale noch aus dem Jahr 1912 stammen: Gülten Yilmaz-Meral, Mutter dreier Kinder, deren Söhne im Alter von 11 und 12 Jahren das Gymnasium am Kurpark besuchen, hat jetzt die Initiative ergriffen und der Schulbibliothek frischen Wind eingehaucht. Die 45-jährige Bankkauffrau, die seit 2004 in Bad Cannstatt wohnt, hat neue, kind- und jugendgerechte Möbel entworfen, geplant und bauen lassen. Darüber freut sich besonders Christian Klemmer, der Direktor des Johannes-Kepler-Gymnasiums. Die Schule, deren Wurzeln bis 1484 zurückreichen, ist stolz auf zwei Nobelpreisträger in ihrer Geschichte: Hermann Hesse und Gerhard Ertl. Und auch für den einstigen Kepler-Schüler und späteren Chemie-Nobelpreisträger Ertl war die Bibliothek von einschneidender Bedeutung.

Nobelpreisträger Gerhard Ertl gibt sein Galileo-Buch zurück.

Foto: Achim Zweygarth

Der deutsche Physiker und Oberflächenchemiker hat hier einst als Schüler ein Buch über Galileo Galilei ausgeliehen, das in ihm die Leidenschaft für die Physik weckte, erzählt Kemmler. Als Ertl 2008 an die Schule eingeladen wurde, zog er just dieses Buch aus der Tasche. Er hatte es nämlich nie zurückgegeben. Die Ausleihgebühr von 3000 Euro – nach 53 Jahren – spendete der Wissenschaftler damals der Schule. Das Geld wurde in neue Literatur für die Bibliothek gesteckt, sagt Kemmler.

Bibliothek wurde kind- und jugendgerecht eingerichtet

Nun dürfen die Schüler und vielleicht künftigen Nobelpreisträger hier im modernen Umfeld lernen und schmökern. Denn jetzt ist alles neu. Yilmaz-Meral ist in Istanbul geboren und hat dort die Möbel nach ihren Entwürfen herstellen lassen, etwa lederne Hocker in Eierform oder Tische mit Stiftfach, die sich beliebig zusammenschieben lassen. Auch ein neues Bücherregal in Form einer Blüte hat sie schreinern lassen.

Johannes Kepler, der Namensgeber der Schule, taucht ebenfalls auf: An einem Pult mit leuchtenden, symbolträchtigen Tafeln und in einer Uhr mit Planeten, die Kinder hergestellt haben. Neben den bequemen Eiersesseln hängen Bilder, die auf den Ursprung der Idee verweisen: Was kam zuerst, die Henne oder das Ei? Wen stört es, beide sind toll, steht dort auf Englisch. Yilmaz-Merals Label heißt Fülele & Elele (Für das Leben lernen und Hand in Hand), unter diesem Namen hat sie sich im vergangenen Jahr selbstständig gemacht.

Lob für Engagement für das Projekt

Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler zeigte sich bei einem Besuch im Kepler-Gymnasium und in der neu gestalteten Bibliothek begeistert und sprach von „einem großen persönlichen Engagement für die Bildung und Integration“. Er finde die Mischung aus Begegnung und Kultur grandios. Heute zählt die Bibliothek unter der Leitung von Sabine Rudolf 3000 Bücher. Sie betreut die Bibliothek mit Schülern – auch sie sind begeistert von der neuen Ausstattung.

Bibliothek für alle Altersklassen als „Fenster zur Welt“

Auch ein Klavier gibt es, das die Schüler des Leistungsfachs Musik nutzen können. „Die Bibliothek ist ein Fenster zur Welt“, sagt Yilmaz-Meral. Zu den Schülern gewandt sagte sie: „Nutzt die Chance. Bücher sind wie Lehrer, nur ohne Zeitbegrenzung.“

Yilmaz-Meral ist im Alter von acht Monaten nach Deutschland gekommen. Die Bankkauffrau war 16 Jahre lang bei der Hauptfiliale der Deutschen Bank in Stuttgart tätig. „Für mich ist das Projekt der Bibliothek als magischem Begegnungsraum ein Ansporn, die Kinder vor dem Handy und dem Internet zu schützen“, sagt sie. Ihr nächstes Projekt sind Begegnungsstätten für Alt und Jung. Sie will die Generationen ins Gespräch miteinander bringen, ganz ohne Mobiltelefone, geleitet vom Pragmatismus ihrer türkischen Wurzeln, kombiniert mit deutschem Erfindergeist. Auch die Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart begleitet ihr Tun.

Für ihr Begegnungsstätten-Projekt sucht Gülten Yilmaz-Meral noch Mitstreiter. Wer daran Interesse hat, kann sich unter der Mailadresse gyilmazmeral@gmail.com melden.

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