Juni-Wetter in Stuttgart
: Wer ernten will, muss gießen

Das Wetter im Juni mag gut fürs Sommerfeeling gewesen sein. Für die Natur lief es mangels Regen aber eher schlecht.
Von
Jürgen Löhle
Stuttgart
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Genug Sommerfeeling gab es im Juni schon in Stuttgart. Aber wegen des wenigen Regens hat sich der Rasen auch bei einem Rave in Degerloch im Juni schon verfärbt gehabt.

Lichtgut/ Julian Rettig

Klimawandel? War eher gestern. Eigentlich ist der Wandel vollzogen, gefühlt auf jeden Fall. Der Juni war schließlich in Stuttgart einst ein Monat mit Schafskälte und ordentlich Regen. Ein Wetter, das Rasenfans jubilieren und eifrig Gift gegen das Moos kaufen ließ. Dazu knatterte der Mäher alle drei Tage und abends saß man im Pulli auf der Terrasse. Aber nur bis 21 Uhr, dann wurde es zu kalt. Der Sommer, so hieß es dann, fängt ja auch erst so richtig am 21. Juni an.

Das war einmal. Der Juni präsentiert sich seit vielen Jahren mit Temperaturen deutlich über dem langjährigen Mittel. Die vergangenen fünf Jahre war es immer einen Schlag schweißtreibender als die 18 Grad Durchschnittstemperatur, die zwischen 1991 und 2020 ermittelt wurden. In den 30 Jahren zuvor lag die Temperatur übrigens noch einmal 1,6 Grad niedriger. Verglichen mit dem aktuellen Durchschnitt des Juni 2025 (21,3 Grad) sind dies knapp fünf Grad Unterschied. Wobei sich der Juni 2025 auch wirklich ordentlich ins Zeug legte. Heißer war es in Stuttgart im ersten Sommermonat seit Beginn der Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) nur einmal im Jahr 2003. Viele erinnern sich noch an den sogenannten Jahrhundertsommer vor 22 Jahren. Damals glich die Stadt schon von Mitte Juli an einer verdorrten Steppe.

An 18 Tagen stieg das Quecksilber über 25 Grad

Der Auftakt des Sommers in diesem Jahr lässt befürchten, dass der bisherige Rekord aus dem Jahr 2003 mit 24,3 Grad im Schnitt zwischen dem 1. Juni und dem 31. August übertroffen wird. Aber auch wenn nicht, der Juni hat Platz zwei auf der Rekordliste sicher. An 18 Tagen stieg das Quecksilber auf über 25 Grad. Das nennt die Meteorologie einen Sommertag. An acht davon wurden sogar über 30 Grad gemessen. Von solchen Hitzetagen wären zwei im Juni normal gewesen. „Der Juni war ein glänzender Sommermonat für alle, die Wärme und Sonne lieben“, sagt dazu Uwe Schickedanz. Der Meteorologe und Leiter des DWD Stuttgart kann sich über die an der Messstation Schnarrenberg erhobenen Werte aber nicht so recht freuen. „Eine Arbeit des DWD Stuttgart in diesem Frühjahr zeigt, dass sich in der Region nicht nur die Temperaturen drastisch erhöht haben, sondern auch die Niederschläge deutlich abnahmen. Und am stärksten ist dieser Trend in diesem Jahr.“

Der Juni in Stuttgart war zu warm und zu trocken.

Foto: DWD/Lange

Heiß, obendrauf trocken und mit etwas über 300 Stunden auch noch überdurchschnittlich sonnig – das ist gut fürs Sommerfeeling. Für die Natur gilt das eher nicht. Zumindest wenn sich der Trend fortsetzt. Die Regenmenge von 58 Liter im Juni ist nicht besonders hoch, mit gut 75 Prozent der Norm aber auch nicht dramatisch niedrig. Bei der großen Hitze ist der Wassermangel aber zumindest kritisch, weil auch der Mai zu trocken war. Ein Vergleich: 2024 brachten es Mai und Juni auf insgesamt 277 Liter Regen, in diesem Jahr waren es bescheidene 108 Liter, also nicht einmal die Hälfte. Wer da regelmäßig das Wiesle mähen oder stattliche Erdbeeren ernten will, der muss gießen.

Hitzeperioden enden meist mit Schauern und Gewitter

Der Juni ist nun Geschichte. Aber was gibt es für einen Sommer in der Stadt? Der Juli startete auf jeden Fall schon einmal so brutal heiß, dass einen schon beim Sitzen im Schatten schier der Schlag traf. Zudem ist seit dem 28. Juni noch bis zum 10. Juli ein Zeitraum, den man Siebenschläfer nennt und der mit einer Trefferquote von etwa 60 Prozent die kommenden sieben Wochen repräsentiert. Es könnte also durchaus heiß, sonnig und trocken weitergehen – von Schauern und Gewittern einmal abgesehen.

Mit allen Unwägbarkeiten, vor allem in Sachen Regen. Hitzeperioden enden in der Regel durch heftige Schauer und Gewitter, wobei der Regen aber nur punktuell fällt. Es gab auch in Stuttgart schon Tage, an denen an der Messstation Flughafen 40 Liter ins Messglas prasselten und am Schnarrenberg nichts. Und umgekehrt. Ungünstig an diesen Hitzegewittern ist auch, dass in kurzer Zeit so viel Regen vom Himmel stürzt, dass es der Boden gar nicht fassen kann. Statt zu den Wurzeln rauscht das Wasser dann in die Kanalisation.

Schon am Samstag können wieder 30 Grad erreicht werden

Aber vielleicht kommt es ja auch ganz anders. Wie gesagt, die Siebenschläfer-Regel hat nur eine Trefferquote von etwa 60 Prozent. Für die nahe Zukunft kann man aber sagen: Die ganz große Hitze ist von Donnerstag an erst einmal unterbrochen, wenn auch nur kurz. Schon am Samstag können die 30 Grad wieder erreicht werden. Kommende Woche aber eher nicht.

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