Kirchen auf den Fildern
: St. Raphael und St. Ulrich suchen ihren Weg in finanziell schwierigen Zeiten

Zwar müssen Kirchengemeinden sparen. Aber sie müssen auch investieren – sei es aus Sicherheitsgründen oder um sich den Gegebenheiten anzupassen.
Von
Armin Friedl
Stuttgart
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Weil er an vielen Stellen uneben ist, bekommt der Außenbereich von Sankt Raphael in Echterdingen einen neuen Belag.

Armin Friedl

In der Landeshauptstadt Stuttgart stehen die Kirchengemeinden vor der unangenehmen Aufgabe zu erklären, welche Kirchen oder Gemeindegebäude verzichtbar oder nicht verzichtbar sind. Verzichtbar bedeutet: Diese Gebäude dürfen auf keinen Fall mehr auf der Kostenseite der Bilanz erscheinen. Was auch immer dann mit diesen Gebäuden geschehen mag.

In Sankt Ulrich im Fasanenhof wird viel an der Fassade gearbeitet. Noch viel mehr gibt es aber im Innern der Kirche zu tun.

Foto: Armin Friedl

Im Umland ist man noch nicht so weit, noch nicht. Irene Jäschke, Vorsitzende des Kirchengemeinderats von Sankt Raphael in Echterdingen, sagt dazu aber: „Wir sind gerade aufgefordert, alle Gebäude im Gemeindebesitz zu erfassen samt deren aktueller Nutzung.“ Man kann sich also leicht ausrechnen, dass es auch dort bald um die Frage der Verzichtbarkeit gehen wird.

Ein neuer Belag für den Vorplatz

Gleichwohl wird in Echterdingen investiert: Der Vorplatz von Sankt Raphael wird komplett erneuert. „Das machen wir unter dem Aspekt der Sicherheit. Inzwischen gibt es da viele Senkungen. Da bilden sich Pfützen, und im Winter gefrieren die, da ist schon mancher ausgerutscht“, erklärt Jäschke. Vergrößert werden soll der Platz aber nicht: „Wir wollen keine weitere Versiegelung, aber vielleicht eine etwas andere Gestaltung des Platzes.“ Zusätzliche Bänke soll es nicht geben, aber über mehr Möglichkeiten, um Fahrräder abzustellen, werde nachgedacht.

Künftig mit Sickersteinen

Nachgedacht hat man auch beim Belag: „Da kommt ein sogenannter Klimastein hin. Der saugt auch Wasser auf und gibt es dann wieder zurück, wenn es trocken und heiß wird“, erklärt Irene Jäschke. Zudem ist der Stein auch etwas wasserdurchlässig, Regen kann so auch versickern. Seit gut einem Jahr beschäftigt sich der Kirchengemeinderat mit diesem Thema, als Kostenrahmen ist man von 80 000 Euro ausgegangen. Jäschke will aber nicht ausschließen, dass die Kosten inzwischen gestiegen sind, aber da bleibt sie noch gelassen: „Wir haben entsprechende Rücklagen gebildet.“

Ein Drittel der einstigen Größe

An und in der Kirche Sankt Ulrich im Fasanenhof wird wesentlich mehr gewerkelt als in Echterdingen: Die die komplette Außenfassade ist eingerüstet. Und das ist noch nichts gegen das, wie es im Innern aussieht: Die neuen Wände aus Sichtbeton sind bereits eingezogen, jetzt wird erstmals der neue Raumeindruck erahnbar. Pfarrer Martin Uhl gesteht: „Da bleibt einem erst mal die Stimme weg, wenn man dies zum ersten Mal erlebt und das Alte in Erinnerung hat.“

Denn der Sakralraum hat nur noch ein Drittel der einstigen Größe. In die frei gewordene Fläche zieht der Kindergarten ein, zudem finden die Pfarreiverwaltung und zwei Gemeinderäume dort ihren Platz. Diese Bereiche waren bisher in unmittelbarer Nähe in eigenen Gebäuden. Doch deren Sanierung wäre zu teuer, das Grundstück wird verkauft. Darauf entstehen etwa 70 Wohnungen.

Grundstücksverkauf sorgt für Einnahmen

Das ist durchaus der Not gehorchend, denn den Kirchengemeinden, ob evangelisch oder katholisch, werden in den kommenden Jahren drastische Sparmaßnahmen abverlangt. Da ist viel Kreativität gefragt. Die komplette Schließung von Kirchen ist für die meisten noch eine Schreckensvorstellung. In Sankt Ulrich hat man sich deshalb für den Schrumpfungskurs entschieden, eine Notwendigkeit: „Mit dem Grundstücksverkauf werden wir die nötigen Einnahmen erzielen“, erläutert Uhl.

Alte Gemeindemitglieder wollen getröstet werden

Der Pfarrer kann der Entwicklung auch etwas Positives abgewinnen: „Die Glasfenster von Lothar Quinte bleiben ja alle erhalten. Für die Kirchenbesucher rücken die jetzt noch näher, werden intensiver erlebbarer. Und die Höhe des Raumes bleibt ja, das verstärkt den Raumeindruck einer gotischen Kirche.“ Anderes steht jetzt aber im Vordergrund: Die bisherige Orgel wurde an eine Kirche bei Augsburg verkauft (Uhl: „Das ist deren absolute Wunschorgel“), für den Fasanenhof wurde ein elektrisches Pendant angeschafft, auf dem derzeit auch die Gottesdienste im Gemeindesaal begleitet werden. Ist der Umbau fertig, soll das Instrument in Sankt Ulrich einziehen. „Unser Traum bleibt natürlich eine klassische Pfeifenorgel“, sagt Uhl, „aber das wird wohl noch etwas dauern. Zuschüsse vonseiten der Kirche gibt es da jedenfalls nicht, da wurden wir schon informiert. Das muss die Gemeinde selbst stemmen oder auf großzügige Sponsoren hoffen.“ Jetzt geht es aber auch darum, über andere Dinge der Kirchengestaltung zu entscheiden, etwa über Tabernakel, Ambo oder Altar.

Und Uhl wird auch weiterhin viel Trost spenden müssen: „Es gibt ja noch etliche in der Gemeinde, die beim Bau dabei waren und mitgeholfen haben. Die tun sich sehr schwer mit der Entwicklung jetzt“. Sein Trost: Die Kirche bleibt im Dorf, sprich am Europaplatz, mitten im Fasanenhof.

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