Kolping-Chor fährt zum Chorfest
: Kolping-Chor bringt Wöss-Messe nach Stuttgart

Mit seinem neuen Dirigenten Daniel Kasparian hat der Stuttgarter Kolping-Chor eine Hitparade der Lieder zusammengestellt – herausgekommen ist ein bunter Reigen aus der gut 150 Jahre währenden Chortradition.
Von
Armin Friedl
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Der Kolping Chor Stuttgart in der Liederhalle. Der neue Dirigent Daniel Kasparian (Dritter von rechts) ist in der ersten Reihe.

/Schomaker

Wenn beim Stuttgarter Kolping-Chor die Notenregale ächzen, ist das kein Wunder: In den gut 150 Jahren seines Bestehens fällt manches Lied an, das mehr oder weniger häufig gesungen wurde und dessen Noten anschließend archiviert werden. Die Partituren von etwas mehr als 1000 Liedern haben sich da inzwischen angesammelt. Viele aus der aktuellen Männerchor-Besetzung wissen gar nicht, dass diese einmal vom Kolping-Chor gesungen wurden.

Tradition als Schubert-Chor

Ein Dirigentenwechsel bietet deshalb eine gute Gelegenheit, das Archiv zu durchforsten. Der Dirigent Daniel Kasparian, der seit gut einem Jahr im Amt ist, hatte eine große Auswahl: Da waren zunächst Kategorien wie Klassik, geistliche Lieder, Wein- und Tischlieder, in denen die gut 50 Aktiven ihre Favoriten mit Punkten bewerten konnten. Daraus ergab sich die Hitparade der Hitparaden. Auf Platz eins: „Lasst uns ein Stündchen lustig sein“ von Melchior Franck. Die Plätze zwei bis vier gehören Franz Schubert mit „Das Dörfchen“, „Wein und Liebe“ und „Wie schön du bist“. Bruno Kieninger, Sprecher des Chorvorstands, vermutet: „Das liegt daran, dass wir von den 1950er bis in die 1990er Jahre ein spezieller Schubert-Chor waren.“

Und das sei schon eine Herausforderung, denn Schubert „schreibt viel Gesang in hohen Lagen vor. Und wir sind derzeit ziemlich basslastig“, berichtet Kieninger. Es sei für Kasparian knifflig gewesen, da eine gute Balance hinzubekommen.

Die Pflege der Tradition

Diese Hitparade haben die Sänger des Kolping-Chors mehrfach vorgetragen im vergangenen Jahr, zumindest die ersten 25 Lieder: In Gemeindezentren, in mehreren Pflegeheimen sowie zu anderen Anlässen wie Trauerfeiern oder bei Adventsauftritten. Da ging es vor allem darum, dass der Chor und der Neue möglichst gut zusammenwachsen und harmonieren in der praktischen Übung. Und es werden die einst Aktiven berücksichtigt, die heute eben zum Teil in Pflegeheimen leben: „Das ist eine gute Tradition bei uns, die wir nun wieder belebt haben“, sagt Kieninger.

So gerüstet geht nun der Blick nach vorne: die Teilnahme am Deutschen Chorfest in Nürnberg vom 29. Mai bis zum 1. Juni. Das Programm steht schon, darunter das Chor-Lieblingsstück von Melchior Franck und etwas von Schubert.

Die große lateinische Messe

Die große Herausforderung für den Chor wartet allerdings am 23. November in der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart: Die Aufführung der Messe „Missa in honorem S. Antonii de Padua Confessore“ für Solostimmen, Männerchor und Orgel, komponiert von Josef V. Wöss im Jahre 1888, überarbeitet 1895 und 1923. Kieninger sagt dazu: „Unseres Wissens nach haben nur wir die Partitur und den Nachdruck der Originalnoten im Archiv, deshalb können auch nur wir diese Messe aufführen.“ Möglich geworden ist das durch eine Erbschaft des früheren Chorleiters Volkmar Lex. „Mit der Genehmigung des Sohns von Wöss als Komponisten-Rechtsnachfolger konnte der Kolping-Chor diese Partitur 1984 nachdrucken“, erzählt Kieninger. Aufgeführt wurde diese seltene lateinische Messe in Stuttgart bisher nur zweimal: 1985 in Sankt Maria zu 125 Jahre Kolpingsfamilie sowie 1997 in der Domkirche St. Eberhard zu 125 Jahre Kolping-Chor.

Das ist für sein Genre ein aufwendiges Werk, auch im Blick auf die Aufführungsdauer. Dazu sucht der Kolping-Chor noch neue Sänger, die sich eine solche Herausforderung zutrauen. Der Kolping-Chor ist überdies bekannt dafür, dass er gerne an ungewöhnlichen Orten auftritt, so wie früher etwa am Neckarhafen oder im Naturkundemuseum.

StZ Kompakt - Der Morgen
Montag - Sonntag um 6.00 Uhr
Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.