Kontroverse zu Waldarbeit: „Rückepferde“ in Stuttgart im Einsatz – Aushängeschild oder Qual?

Rückepferde kommen auch in Stuttgarter Wäldern zum Einsatz (Symbolbild).
dpa/Patrick Pleul- In Stuttgarts Wäldern helfen Rückepferde bei der Holzrückung, bisher nur im Revier Nord.
- Die Stadt nennt zwei bis drei Einsätze im Jahr – auf Wunsch des früheren Waldbeirats.
- Tierschutzpartei kritisiert den Einsatz als Zwang und verweist auf technische Alternativen.
- Ein Pferderücker aus Lübeck betont Eifer und Wohl seiner Tiere und sieht Fortschrittlichkeit.
- Rückepferde gelten laut Stadt als bodenschonend und für schwer zugängliche Bereiche geeignet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Kaltblüter zieht mit seinen Pferdestärken einen Baumstamm durchs Unterholz. Das hat etwas Traditionelles, Ursprüngliches im Vergleich zu dem schweren Gerät, das bei Waldarbeiten in der Regel zum Einsatz kommt. Doch nicht alle haben schöne Bilder im Kopf, wenn sie von sogenannten „Rückepferden“ hören. Dass auch in Stuttgart Pferde zur Waldarbeit eingesetzt werden, kann Dennis Landgraf von der Tierschutzpartei nicht verstehen. „Die Fraktion Die Linke SÖS Tierschutz verurteilt den Einsatz von Rückepferden im Stuttgarter Stadtwald zutiefst.“
Nach Auskunft der Stadt Stuttgart kommen auch im Stadtwald Rückepferde zum Einsatz – bisher ausschließlich im Revier Nord. Im Jahr seien es zwei bis drei Einsätze, sagt die Stadt-Sprecherin Frederike Myhsok fürs Garten-, Friedhofs- und Forstamt. Übrigens auf Wunsch des inzwischen aufgelösten Waldbeirats. Myhsok zitiert: „In Beständen, die einen Rückeeinsatz mit dem Pferd zulassen, wird eine Vorrückung des Holzes mit dem Pferd angestrebt.“
Rückepferde sollen den Waldboden schonen, auch in Stuttgart
Rückepferde werden vor allem an für Maschinen schlecht zugänglichen Stellen eingesetzt oder um den Waldboden zu schonen; die tierische Hilfe bei der Waldbewirtschaftung gilt als nachhaltig und bodenschonend. „Das ist aber auch ihr einziges Argument“, sagt Dennis Landgraf von der Stuttgarter Tierschutzpartei. „Leid fängt immer da an, wo dem Pferd etwas aufgezwungen wird, und das ist ja schwere körperliche Arbeit“, sagt Landgraf auf Nachfrage unserer Redaktion.
Zumal es technische Alternativen gebe wie ferngesteuerte Rückeraupen mit Seilwinde, Seilkräne oder Ein-Axt-Traktoren. „Auch Pferde sind fühlende Individuen, die Teil unserer Stadt sind“, sagt Landgraf. „Sie verdienen ein selbstbestimmtes Leben, ohne ihre Körper für unsere Profite zu strapazieren.“

Dennis Landgraf sitzt für die Tierschutzpartei im Stuttgarter Gemeinderat. Er möchte den Einsatz von Rückepferden überprüfen lassen.
ZGS/KächeleEin Pferderücker bei Lübeck erzählt aus seinem Alltag
Jorin Handtmann kann nicht mit Bestimmtheit sagen, was sein Pferd denkt, wenn er ihm gleich das Gebiss einlegt. Das Geschirr hat er ihm eben schon übergeworfen. Es habe die Ohren nicht zurückgelegt, was ein Zeichen von Angst gewesen wäre. Seit 14 Jahren arbeite er mit diesem Pferd, berichtet Jorin Handtmann. Vier Stunden, eine Stunde Pause, dann noch mal bis zu vier Stunden. Er ist Pferderücker bei Lübeck, und er ist der Sprecher der Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ), organisiert über ganz Deutschland.
Handtmann sagt, ihm gehe es nicht vorrangig um Profit. „Die Pferde sind für mich definitiv Kollegen.“ Es sei schwer, aus der Ferne zu beurteilen, wie es einem Zugpferd bei der Arbeit gehe. Er aber stehe daneben, sehe, „was für ein Eifer so ein Tier hat, aus einer Bewegungsfreude heraus“.
Grundsätzlich dasselbe Interesse wie Stuttgarter Tierschützer
Zu bedenken gibt der Pferderücker aus Norddeutschland zudem: Zugtiere seien wichtiger Teil der Zivilisation. „Einer Beduinenfamilie einen Esel zu verbieten, um Brennholz zu transportieren, wäre absurd.“ Aber selbst in Deutschland schenken ihm seine Pferde Autonomie, sagt Handtmann. Nachts stehen sie auf der Weide und fressen, tags sind sie einsatzbereit.
Im Grundsatz sieht er eine Gemeinsamkeit mit den Tierschützern in Stuttgart: „Wir haben dieselbe Motivation: dass es den Tieren gut geht.“ Dass in Stuttgart Rückepferde zum Einsatz kommen, beurteilt er als „Aushängeschild für Fortschrittlichkeit“.
