Kreative Szene
: Neuzugang freut sich auf kreative Nachbarschaft

Ein weiterer Ort für junge Kunst: Am Freitag eröffnet der Projektraum Cobra an der Reinsburgstraße.
Von
Ina Schäfer
Stuttgart
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Noch ist der Laden eine Baustelle. Bald aber eröffnen Gerald Schnaidt (li.) und Thorsten Neumann den Projektraum Cobra.

Ina Schäfer

S-West - Über Langeweile hatte sich Gerald Schnaidt in den vergangenen Monaten nicht zu beklagen. Seine Semesterferien hat der 29-Jährige mit umfangreichen Renovierungsarbeiten verbracht. Er hat entrümpelt, Wände und Decken neu verputzt und Böden heraus gerissen. Das war harte Arbeiten, aber auch „ein wenig meditativ“, sagt er. Jetzt steht er zusammen mit Thorsten Neumann in seinem neuen und zumindest fast fertigen Projektraum in der Reinsburgstraße 99.

Schnaidt ist für gewöhnlich auf der anderen Seite, nicht auf der des Kuratoren. Er studiert im fünften Semester freie Kunst mit Schwerpunkt Malerei und Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Für ihn ist es das erste Mal, dass er einen eigenen Projektraum betreibt. Thorsten Neumann, ebenfalls Künstler, hingegen ist fast schon ein alter Hase. Bis vor Kurzem hat er den Self Service Open Art Space in der Eichstraße betrieben, außerdem war er Mitbetreiber des Rocker 33. Wie die Zusammenarbeit der beiden zustande gekommen ist? Neumann und Schnaidt wohnen zusammen. Dass sie den Raum im Westen bekommen haben, verdanken sie guten Kontakten.

Leben in der Stadt und städtischer Raum sind zentrale Themen

Auch wenn noch einiges zu tun ist bis Freitag, einen Namen haben die Räumlichkeiten im Erdgeschoss bereits – Projektraum Cobra. Der Name setzt sich zusammen aus den Städtenamen Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam und ist entlehnt von den Situationisten, einer in den Sechzigern agierenden Gruppe europäischer Künstler und Intellektueller und der gleichnamigen Publikation Cobra. Die Autoren haben sich darin mit der Frage nach dem Leben in der Stadt sowie mit dem städtischen Raum auseinandergesetzt. Der Rahmen für die Aktivitäten im neuen Projektraum in der Reinsburgstraße ist vage. „Wir sind uns noch nicht ganz sicher, wo es hingeht“, sagt Thorsten Neumann. Der städtische Raum aber soll eines der zentralen Themen der Ausstellungen sein. Schon am Freitag soll eine Edition ausgestellt werden, die Thorsten Neumann initiiert hat. Für diese hat er Persönlichkeiten aus Stuttgart dazu befragt, welche Bedeutung eine Stadt und deren Projekträume haben. Zu Wort kommen unter anderem die Leiterin des Instituts für Auslandsbeziehungen und die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte, Veronika Kienzle.

Die Freiheit nur zu zeigen, was gefällt

Schnaidt und Neumann wollen sich die Freiheit nehmen, in ihrem Raum nur das zu zeigen, was ihnen gefällt, auch wenn das heißt, dass die Räume mal leer stehen können. Die beiden Kuratoren können sich vorstellen, Veranstaltungen wie Lesungen und Filmvorführungen in den Räumen zu organisieren. „Das muss sich erst einmal entwickeln“, sagt Schnaidt. Aber Partys wie im Self Service soll es nicht geben. „Wir befinden uns hier mitten im Wohngebiet“, sagt Neumann. Sie möchten sich vielmehr eingliedern in die kreative Infrastruktur, die es in der Nachbarschaft gibt, etwa durch die Galerie Parrotta, das Künstlerhaus und die Galerie Oberwelt.

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