Kulturhighlight in Stuttgart: Lange Nacht der Museen begeistert trotz Regen

Kulturbegeisterte haben während der Langen Nacht der Museen geduldig auf dem Stuttgarter Marktplatz gewartet, um den Bunker zu besichtigen.
LichtgutSeit 25 Jahren findet in Stuttgart jährlich die Lange Nacht der Museen statt. Auch in diesem Jahr wird klar: Stuttgarterinnen und Stuttgarter lieben die Kulturangebote ihrer Stadt. Denn sonst würden sie nicht eine Stunde bei gießendem, kaltem Regen anstehen, um den Bunker unter dem Marktplatz oder das neue Schloss zu besichtigen. Trotzdem dämpfte das Wetter die Nacht etwas, auch für die Organisatoren vom Stuttgartmagazin „Lift“.
Eigentlich sollte das größte Regenüberlaufbecken der Stadt seine Türen öffnen, musste diese wegen des nassen Wetters aber geschlossen lassen. Einen Besucher, der namentlich nicht genannt werden möchte, ärgerte dies: „Das Regenbecken, dass wir anschauen wollten hat jetzt zu. Das ist nicht so toll. Eine Tanzperformance hat unseren Abend aber gerettet.“ Gemeint ist eine Aufführung professioneller Tänzerinnen und Tänzer der Akademie Minkov im Haus der Geschichte.
Tanz, Nostalgie und Kindheitserinnerungen im Rathaus
Warteschlangen gab es auch vor dem Rathaus. Im dortigen Foyer jubelten einige Zuschauerinnen und Zuschauer verschiedenen Tanztruppen zu, während diese zu Folklore, klassischer Musik oder K-Pop tanzten. Ein paar Stockwerke weiter oben performte gleichzeitig die Stuttgarter Sängerin und Songwriterin Jiska. Dazwischen bildete sich vor dem Paternoster eine – etwas kürzere – Schlange von gut gelaunten Personen, die im nostalgischen Aufzug mitfahren wollten. Darunter auch Mareike Bender aus Bad Cannstatt. „Das ist ein Stück Kindheit und die Dinger sieht man leider eben nicht mehr alle Tage“, so die 65-Jährige.

Folklore, K-Pop, Klassik: Verschiedene Tanztruppen heizten dem Publikum im Foyer des Rathauses ein.
Foto: LichtgutBesonders ging es auch auf der Stuttgarter Kulturmeile zu. Offene Bars und Live-DJs luden in der Staatsgalerie und im Stadtpalais zum Verschnaufen ein. Beide lockten auch mit zahlreichen Sonderausstellungen und Führungen. Eine interaktive Ausstellung im Stadtpalais, zum Beispiel, machte es Besuchenden möglich, eine eigene Region ganz nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Sehr gefragt war die Führung „Blind Date“, bei der blinde und sehbehinderte Guides die Teilnehmenden durch eine völlig dunkle Ausstellung führen und eine andere Perspektive auf Stuttgart vorstellen. Diese war bereits am Abend komplett ausgebucht.

Die Sonderausstellung „Ballettwunder“ im Stadtpalais erzählt die Geschichte des Stuttgarter Balletts.
Foto: LichtgutIm Hauptstaatsarchiv wurde ein Stück europäische Migrationsgeschichte greifbar gemacht. Die Sonderausstellung „Ankommen und bleiben?“ thematisiert die Zeit um das vor 70 Jahren unterzeichnete deutsch-italienische Anwerbeabkommen. Im Foyer des Archivs konnte man zeitgleich einer Jazz-Band lauschen. Etwas spielerischer ging es im Haus der Geschichte zu, wo Badeenten bunt bemalt werden konnten. Auch dort gab es zudem zahlreiche Ausstellungen, etwa zu den Themen Wahlkampf und Antisemitismus.
Stuttgarts Innenstadt pulsiert: Kunst, Kultur und Shopping
Zwischen den verschiedenen Veranstaltungsorten in der Innenstadt war ebenfalls viel los. Besonders am frühen Abend zeigte sich die Stadt sehr lebendig. Neben Kunst und Kultur fanden viele Besucherinnen und Besucher die Zeit, um Blumen oder Schuhe zu kaufen und auf dem Weg zur nächsten Station an den Schaufenstern vorbeizubummeln.

OB Frank Nopper (Mitte) zu Besuch auf der Stadtkind-Veranstaltung „Better together“ von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Von links: Chefredakteur Joachim Dorfs, Managing Editor Nadia Köhler, MHS-Geschäftsführer Herbert Dachs, Stadtkind-Chefin Sandra Belschner, OB Frank Nopper, Nachtmanager Nils Runge und Marius Lehnert, Booker im Club Fridas Pier.
Foto: LIchtgutViele von ihnen ließen ihren Abend in Restaurants ausklingen. Je später es wurde, desto voller wurden hingegen die Bars der Innenstadt. Gerade um den Hans-im-Glück-Brunnen war einiges los. Wer die Nacht nicht um 1 Uhr, mit dem offiziellen Ende der Langen Nacht der Museen, enden lassen wollte, konnte sich bei der Stadtkind-Ausstellung im Stadtbüro unserer Zeitung zum Feiern inspirieren lassen. Dort gab das Interkollektive Meetup (IK), ein Netzwerk verschiedener Stuttgarter Kollektive, Einblicke in seine Arbeit. Von 23 Uhr bis 5 Uhr lud das Netzwerk anschließend zur „Langen Nacht nach der langen Nacht“ in der Lerche22 ein.