Kundgebung in Stuttgart nach dem Sturz Assads
: Mehrere hundert Syrer bejubeln „das Wunder und die Wiedergeburt Syriens“

Mehrere hundert Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, feiern am Sonntagnachmittag in Stuttgart den Sturz des „Regimes“ des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die Hoffnung auf Freiheit und Demokratie ist groß.
Von
Nikolai B. Forstbauer
Stuttgart
  • Auch in Stuttgart feiern die Menschen am Sonntag den Sturz des syrischen Präsidenten Assad

    Forstbauer
  • Mit syrischen Fahnen zogen junge Männer in einem Autokorso...

    StZN/Jan Sellner
  • ... durch die Stuttgarter Innenstadt

    StZN/Jan Sellner
  • Syrer schwenken in der Stuttgarter Innenstadt Fahnen ihrer Heimat. Sie sind erleichtert über den Sturz Assads.

    StZN /Nikolai-Boris Forstbauer
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Sie weht am Sonntagmittag weit mehr als hundert mal auf dem mit mehreren hundert Menschen gefüllten Kleinen Schlossplatz: die altsyrische Flagge der Syrischen Republik (1932-1958) mit ihren drei Sternen. Sie weht über Menschen aller Generationen, sie weht über zahllosen Familien und über auffallend vielen jungen Frauen, die ihren Kindern immer wieder „das Wunder“ erklären, das sie nun mit erleben dürfen.

„Wir zeigen die Flagge der Freiheit“, freut sich ein junges Paar, das mit in die Menge eilt. Es ist die Flagge des unabhängigen Syrien. Und auch das Datum ist auf schnell gefertigten Plakaten immer wieder zu sehen: „8. 12. 2024“. „Das ist unsere Wiedergeburt“, sagen zwei ältere Mädchen – und ein begeisterter junger Mann ergänzt: „In Syrien leben schon immer Christen, Juden, Muslime und andere Glaubensgruppen zusammen – das werden wir jetzt erneut zeigen.“

Sehnsucht nach Demokratie

Angst vor den muslimischen Revolutionären hat am Sonntag auf dem Kleinen Schlossplatz niemand: „Das sind keine Islamisten!“, rufen sie – „das sind Menschen wie Du und ich, wie wir alle hier“.

Und gerade, als wollten sie dies unterstreichen, strömen gegen 14.30 Uhr mehr und mehr Familien und junge Frauen und Männer in Stuttgarts Stadtmitte. Ihre Kleidung und ihre Dialoge verraten: Auch in der Region Stuttgart gut verankerte Exil-Syrer und Syrisch-Stämmige kommen, um in der großen Menge den Sturz „des Regimes“ mitzufeiern. „Wir bekommen Demokratie“, rufen sie, „wie hier in Deutschland“.

Derweil füllen sich sich die Straßen immer weiter, und die Polizei sperrt vorsorglich die Umkehrmöglichkeiten an der Theodor-Heuss-Straße. Die Korsi reagieren schnell, biegen ab Richtung Bahnhof, um dann wieder über die Adenauerstraße fahren zu können. Die Freude, sie sucht sich an diesem Tag ihre eigenen Wege.

Wie die Beamten am Kleinen Schlossplatz zeigen sich auch die Polizistinnen und Polizisten auf den Straßen gelassen. Ruhig positionieren sie die Sperren, lenken sie die von jungen Männern angeführten Autoschlangen. Die Freude der Syrer über die neue Zeitrechnung in Syrien schürt die Hoffnung auf einen weiter friedlichen Verlauf eines Festtages, der Stuttgart zur Freilichtbühne einer generationsübergreifenden Freiheitsfeier macht.

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