La Concha versus Stadtverwaltung: Wie laut darf es in Stuttgart nach einem EM-Spiel sein?

Partystimmung beim Gastro-Urgestein La Concha am Wilhelmsplatz.
/privatNach dem Sieg von Deutschland gegen Dänemark mussten am späten Samstagabend die Emotionen raus: Endlich hat es die DFB-Elf wieder mal in ein Viertelfinale geschafft. Seit acht Jahren war das nicht mehr gelungen. Auf dem Wilhelmplatz, wo sich eine Kneipe neben der anderen befindet, war der Jubel groß und laut – wie in dieser Nacht überall in der Innenstadt.
DJ Uwe Sandner legt seit 20 Jahren bei jeder EM und jeder WM am Gastro-Urgestein La Concha auf, „immer im gleichen Umfang mit gleicher Lautstärke“, wie er betont. Die Feierfreude hänge vom Spiel der Deutschen ab. Nach dem ersten Sieg in der K.o-Runde herrschte allerbeste Stimmung. Sandner spielte unter anderem „Völlig losgelöst“. Die Leute tanzten und jubelten – aufgrund der Gewitterunterbrechung des Spiels ein bisschen später als sonst. Doch Mitternacht war noch nicht erreicht, betont der DJ, als Polizeibeamte kamen, geschickt von der Stadt. Sie forderten, die Musik abzustellen.
„Dies ist uns in 20 Jahren nicht passiert“, sagt der Unternehmer Uwe Sandner, der in seiner Freizeit auflegt. Dass es mit der Beschwerde der Gaststättenbehörde gerade das La Concha trifft, versteht er nicht: „Bei den lautstark feiernden Türken hat niemand was gesagt, die durften ja auch.“
„Was die Stadt verlangt, ist realitätsfremd“, sagt der DJ
Die Beamten hätten gesagt, dass die Betreiber des Lokals 500 Euro zahlen müssten, wenn sie die Musik nicht sofort abstellten, berichtet er. „Wenn die Stadt will, dass nach Abpfiff eines Fußballspiels sofort Ruhe sein soll, ist das völlig realitätsfremd“, kritisiert Sandner, „und zeigt nur, dass die Verwaltung nicht weiß, wie junge Menschen leben und feiern.“ Länger als 1 Uhr gingen die Partys am Wilhelmsplatz gar nicht.
Um nicht doch noch Strafe zahlen zu müssen, hat das La Concha für das Deutschland-Spiel am Freitag die EM-Party mit DJ abgesagt. Uwe Sandner kann das Verhalten der Stadt nicht verstehen: „Bei einer Heim-EM besteht doch immer Ausnahmezustand, gerade in einer Host City müsste man doch etwas aushalten.“
Was die Stadt zur Kritik aus dem La Concha sagt
Für die Stadt weist Sven Matis, der Leiter der Pressestelle im Rathaus, die Kritik zurück. „Ähnlich wie ein guter Schiedsrichter zeigt die Stadt Fingerspitzengefühl und anerkennt Spielräume“, versichert er. Nach besonderen Spielen gebe es natürlich besonderen Jubel. „Dieser ist ausgelassen und dient nicht Interessen Einzelner“, so Matis. Anders verhalte es sich, wenn ein Gastronom mit Musik die Umgebung beschalle, insbesondere nachts. „Wenn uns hier massive Proteste der Anwohnerschaft erreichen, schreiten wir ein“, erklärt der Rathaussprecher.
Aus Gründen des Lärm- und Anwohnerschutzes sei es grundsätzlich untersagt, den Außenbereich zu beschallen, sagt Matis. Während der Uefa Euro gebe es dafür Ausnahmen, die in der „Verordnung über den Lärmschutz bei öffentlichen Fernsehdarbietungen im Freien über die Fußball-Europameisterschaft der Männer 2024“ begründet seien: „Diese Freiräume werden auch von der Stadt genutzt, sei es beim Public Viewing in der Fanzone auf dem Schlossplatz, oder eben auch von Gastronomen, die die Spiele bis zum Ende übertragen können.“ Doch der Abpfiff gelte für die Mannschaften wie für die Gastronomen. Danach müssten die Vorgaben zum Lärmschutz wieder eingehalten werden.
„Fußballübertragungen in üblicher Lautstärke sind erlaubt“
Sven Matis erklärt, man habe beim Betreiber des La Concha das angedrohte Zwangsgeld noch nicht eingefordert – dies werde man erst für den Fall tun, dass es nach Ende der Fußballübertragungen, bei denen Bild und Ton in üblicher Lautstärke zulässig seien, laut werde am Wilhelmsplatz wie nach dem Achtelfinale von Deutschland gegen Dänemark. DJ Uwe Sandner hält dagegen: „Alle zwei Jahren ist im Hochsommer ein großes Fußballfest. “ Da müssten andere Regeln in einer Großstadt gelten, findet er.
Was lernen wir aus dem Streitfall La Concha versus Stadt? Ausnahmen werden selbst bei einer Heim-EM und bei einem Sieg von Deutschland in Stuttgart nicht gestattet.