Lamborghini-Crash in Stuttgart
: „Kein Wettrennen“: Eine dunkle Serie von Lamborghini-Unfällen

Nicht zum ersten Mal gerät ein Lamborghini aus der Bahn, wieder geht der Schaden in die Hunderttausende. In die Unfälle sind aber nicht nur junge Autofahrer verwickelt.
Von
Wolf-Dieter Obst
Stuttgart
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Sportwagen außer Gefecht: Ein Lamborghini muss auf dem Pragsattel von der Bundesstraße gebracht werden.

Andreas Rosar

Mit einem Schlag gibt es mehr als 200 000 Euro Blechschaden auf der Bundesstraße am Pragsattel. Ein Lamborghini, mehr als 600 PS, ist am Sonntag gegen 20.30 Uhr auf dem Verkehrsknoten der B 10 und B 27 in der Heilbronner Straße außer Kontrolle geraten und gegen eine Betonmauer der dortigen Stadtbahn-Haltestelle geprallt. Der 23-jährige Fahrer wie auch sein Beifahrer blieben unverletzt. Was hatte den Unfall ausgelöst?

„Es gibt keine Hinweise auf Alkohol- oder Drogenkonsum“, sagt Polizeisprecherin Kara Starke. Es gebe auch „keine Hinweise auf ein Wettrennen“. Nach bisherigem Ermittlungsstand dürften eine nicht angepasste Geschwindigkeit und ein Fahrfehler wohl nicht ausgeschlossen sein. Der 23-Jährige könnte dem Vernehmen nach eine nur begrenzte Erfahrung mit dem PS-Boliden gehabt haben. Er ist nicht Halter des Fahrzeugs, das im Kreis Esslingen gemeldet ist. Offenbar wurde ihm der Wagen des Typs Huracán überlassen, und die Polizei hat keine Hinweise darauf, dass er unbefugt auf Spritztour gewesen wäre.

Nach bisherigen Erkenntnissen war der Lamborghini-Fahrer von Feuerbach kommend stadteinwärts unterwegs. Auf dem Verkehrsknoten am Pragsattel verlor er die Kontrolle über den Wagen, prallte gegen die Betonmauer und blieb dann entgegen der Fahrtrichtung auf einem Fahrstreifen der B 27 stehen. Dies wurde zwei weiteren Autofahrern zum Verhängnis. Ein 38-jähriger Skoda-Fahrer wechselte angesichts des Hindernisses den Fahrstreifen – und übersah dabei den in gleicher Richtung fahrenden Toyota eines 66-Jährigen. An beiden Autos entstand 1500 Euro Blechschaden.

Nicht nur junge Fahrer unterschätzen die Kräfte

Von der italienischen Sportwagenmarke sind in Deutschland nur etwas mehr als 4000 Fahrzeuge zugelassen – umso mehr fallen Karambolagen im Großraum Stuttgart auf. Erst vor wenigen Wochen, am 18. Dezember, war ein Lamborghini Urus auf der Autobahn 8 bei Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) verunglückt. Laut Polizei war der 25-jährige Fahrer mit hoher Geschwindigkeit auf der linken Spur mit einem ausscherenden Transporter kollidiert. Auch hier gab es einen Schaden in sechsstelliger Höhe.

Dabei scheinen nicht nur junge Fahrer die Kräfte des PS-Boliden zu unterschätzen. Am 13. Oktober 2025 war ein 50-Jähriger, der in der Grabbrunnenstraße in Esslingen offenbar zu forsch abbog, gegen eine Verkehrsinsel geraten und mit einem VW Passat kollidiert. Es gab zwei Leichtverletzte – aber laut Polizei 410 000 Euro Schaden. Besonders im Jahr 2022 fielen illegale Wettrennen in Esslingen auf der B 10, in Waldenbuch (Kreis Böblingen) und bei Mundelsheim auf der A 81 auf. Die Fahrer waren 31, 35 und 37 Jahre alt. Letzterer hatte auf der Autobahn die Kontrolle verloren und mehr als 200 000 Schaden verursacht.

Erinnerung an ein Unfalldrama auf der Autobahn

Der bisher schlimmste Unfall mit einem Lamborghini spielte sich freilich am 28. Juni 2014 auf der A 8 bei Neuhausen (Kreis Esslingen) ab. Ein 48 und 45 Jahre altes Ehepaar aus Mittelfranken war bei einem Tagesausflug auf der Fahrt zurück nach Bayern bei 200 km/h von der Strecke abgekommen. Der Lamborghini Murcielago wurde völlig zerstört und brannte aus. Für das Ehepaar kam jede Hilfe zu spät. Später teilte die Polizei mit, dass der Sportwagen offenbar unerlaubt technisch manipuliert worden war. Statt Allradantrieb war der PS-Bolide illegal auf Heckantrieb umgerüstet worden. Mit fatalen Folgen: Der Ausfall eines Antriebsgelenks in voller Fahrt soll den Wagen dann aus der Bahn geworfen haben.

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